Richt­li­nie für Planung von Smarthome‐Systemen

Foto: IGT
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Die Ener­gie­wende im Haus und ins­be­son­dere die Hebung von Ein­spar­po­ten­zia­len wird nicht ohne Digi­ta­li­sie­rung gelin­gen. Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps her­aus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA‐Verantwortlichen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht wer­den soll. Im Oktober beschrei­ben die Wis­sen­schaft­ler die Planung von Smart‐Home‐Systemen.

Der Trend zu »Smart Home« und »Smart Office« ist nicht zu ver­ken­nen. Nutzer fragen zuneh­mend nach Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Komfort und Sicher­heit durch moderne Gebäu­de­tech­nik.

Aber: Wie wird das Thema umge­setzt? Wie wird ermit­telt, wie viel Auto­ma­tion in einem Gebäude tat­säch­lich Sinn macht bzw. von den Nutzern ange­nom­men wird? Wie kann früh­zei­tig das benö­tigte Mate­rial und somit die Grund­lage für Aufwand und Kosten bestimmt werden? Wie plant man ein »Smart Buil­ding« und wie kann die Planung und die Vor­be­rei­tung für die Pro­gram­mie­rung mög­lichst einfach durch­ge­führt und doku­men­tiert werden?

Aktua­li­sierte und erwei­terte Richt­li­nie

Der kom­plette Pla­nungs­pro­zess wird in der Richt­li­nie Nr. 2 „Planung von Smarthome‐Systemen“ beschrie­ben. Diese ist inzwi­schen kom­plett über­ar­bei­tet und erwei­tert worden und steht nun als 80 Seiten starkes Werk inklu­sive vieler Check­lis­ten und Vor­la­gen als Version 04 zur Ver­fü­gung.

Diese Richt­li­nie zeigt einen ein­fa­chen und prag­ma­ti­schen Weg von der ersten Idee bis zur kon­kre­ten Men­gen­pla­nung. Zusätz­lich wird dar­ge­stellt, wie die zu pro­gram­mie­ren­den Funk­tio­nen geplant werden können und gleich­zei­tig als lang­fris­tige Doku­men­ta­tion zur Ver­fü­gung stehen.

Der Fokus dieser Richt­li­nie kann auch als „Planung von Anfor­de­run­gen aus Nut­zer­sicht“ bezeich­net werden. Dies deshalb, da die in dieser Richt­li­nie beschrie­be­nen Anfor­de­run­gen von einem Nutzer bewusst wahr­ge­nom­men und beur­teilt werden können. Es sind Anfor­de­run­gen, die vom Nutzer for­mu­liert bzw. ver­stan­den werden und für die ein Kunde bereit ist, einen gewis­sen Betrag zu bezah­len.

Diese Anfor­de­run­gen ent­hal­ten zum einen Sicherheits‐ und Kom­fort­an­for­de­run­gen. Energieeffizienz‐Anforderungen werden auch behan­delt – aber nur soweit sie vom End­kun­den wahr­ge­nom­men oder ver­stan­den werden.

Durch­ge­hende Planung

Die Richt­li­nie wurde erstellt, da oft nicht durch­ge­hend sys­te­ma­tisch geplant und doku­men­tiert wird. In vielen Fällen werden Anfor­de­run­gen und Mate­ri­al­be­stim­mung in münd­li­chen Gesprä­chen fest­ge­legt und die Pro­gram­mie­rung erfolgt ohne Doku­men­ta­tion. Nicht selten ist der Nutzer mit dem Ver­hal­ten oder der Bedie­nung der Auto­ma­tion unzu­frie­den; par­al­lel werden gleich­zei­tig andere sinn­volle Anfor­de­run­gen ver­ges­sen.

Auch im Falle von einem spä­te­ren Aus­tausch von Kom­po­nen­ten bzw. Erwei­te­run­gen kann oft nicht mehr detail­liert nach­voll­zo­gen werden, was ursprüng­lich geplant und pro­gram­miert wurde. Diese Aspekte resul­tie­ren in unnö­ti­ger Unzu­frie­den­heit des Nutzers, ver­ge­be­nen Chancen des Anbie­ters und bedeu­ten für alle Betei­lig­ten unnö­ti­gen Aufwand und erhöhte Kosten. Diese Richt­li­nie hilft, die beschrie­bene Pro­ble­ma­tik deut­lich zu ver­bes­sern, wenn nicht gar ganz zu beheben.

Ein beson­de­rer Nutzen der Richt­li­nie ist der, dass mit dem beschrie­be­nen Prozess sehr schnell das benö­tigte Mate­rial bestimmt werden kann. Basie­rend darauf lässt sich eine Kos­ten­schät­zung für Mengen und Aufwand ablei­ten. Dies wie­derum ermög­licht die Nach­jus­tie­rung der umzu­set­zen­den Anfor­de­run­gen. Falls die Gesamt­kos­ten höher als erwar­tet aus­fal­len, kann die eine oder andere Anfor­de­rung gestri­chen werden und die Aus­wir­kung auf die Kosten unmit­tel­bar trans­pa­rent gemacht werden.

Falls die Gesamt­kos­ten nied­ri­ger sind als ver­mu­tet, erwei­tert man die Planung womög­lich noch um die eine oder andere Anfor­de­rung. Letz­te­res ist deshalb sehr inter­es­sant, da die Umset­zung der ersten Anwen­dun­gen meist am auf­wen­digs­ten ist. Viele Erwei­te­run­gen pro­fi­tie­ren davon, dass die nötigen Sen­so­ren und Aktoren schon vor­han­den sind und die zusätz­li­che Funk­tio­na­li­tät oft nur eine Sache von Pro­gram­mie­rung oder Zuord­nung ist. Deshalb besteht ein sinn­vol­ler Bera­tungs­pro­zess zu „Smart Home“ bzw. „Smart Office“ aus meh­re­ren ite­ra­ti­ven Zyklen, die um die Themen Anfor­de­run­gen und Kosten kreisen.

Bei Inter­esse kann die Richt­li­nie hier als PDF‐Datei bestellt werden. Dort ist auch der Down­load­link für die unter­schied­li­chen Vor­la­gen ent­hal­ten.

Der Tipp des Monats des IGT kann hier abon­niert wer­den.


Mit dem Smart Home, ohne dass sich eine moderne TGA‐Anlage kaum sinn­voll steu­ern lässt, befasst sich auch Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.