In fünf Schrit­ten zum IoT-Gebäude

Mögliche Komponenten einer Cloud-Vernetzung im Wohnbereich. Grafik: innogy
Mögliche Komponenten einer Cloud-Vernetzung im Wohnbereich. Grafik: innogy

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Verantwortlichen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Januar nun ziegen die Wis­sen­schaft­ler in wenigen Schrit­ten den Weg zum smarten Heim auf.

Schritt 1: Anfor­de­run­gen fest­le­gen

Zunächst gilt es fest­zu­le­gen, was Sie von einem Smart Buil­ding erwar­ten. Das können zunächst ener­gie­ef­fi­zi­ente Anfor­de­run­gen auf Basis der EN 15232 oder halb­wegs „normale“ Anfor­de­run­gen an die Raum­au­to­ma­tion sein. Even­tu­ell wollen Sie die Nut­zungs­in­ten­si­tät von Toi­let­ten über­wa­chen, um die Rei­ni­gungs­in­ter­valle bedarfs­ge­recht anzu­pas­sen. Oder sollen Fahr­stühle, Kaf­fee­ma­schi­nen und Toi­let­ten­spü­lun­gen ihre Nut­zungs­da­ten an ein über­ge­ord­ne­tes BMS (Buil­ding Manage­ment System) senden, um zum ganz­heit­li­chen Ver­ständ­nis der Gebäu­de­nut­zung bzw. dem Wohl­be­fin­den der Mit­ar­bei­ter bei­zu­tra­gen? Oder wollen Sie Beacons im Gebäude instal­lie­ren, damit Mit­ar­bei­ter und Gäste durch das Gebäude navi­giert werden können und sich Büro- und Bespre­chungs­räume auto­ma­tisch bedarfs­ge­recht kon­fi­gu­rie­ren? Lösen Sie sich davon, wie man bisher Gebäu­de­au­to­ma­tion geplant hat und for­mu­lie­ren Sie Ihre Ideen als Anfor­de­run­gen.

Schritt 2: Umsetz­bar­keit prüfen

Über eine Recher­che ist zunächst zu prüfen, ob es bereits Refe­renz­pro­jekte oder –umset­zun­gen zu Ihren Anfor­de­run­gen gibt. Wenn ja: Durch wen und mit welchen Pro­duk­ten wurden diese rea­li­siert? Nicht zu allen inno­va­ti­ven Ideen werden Sie fündig werden, aber es ist auch nicht zu erwar­ten, dass Sie in allem Pio­nier­ar­beit leisten müssen. Sehen Sie zu, dass Sie von exis­ten­ter Erfah­rung maximal pro­fi­tie­ren. Dort, wo Sie tat­säch­lich Neuland betre­ten, sollten Sie eine pro­to­ty­pi­sche Instal­la­tion für eine Pilot­flä­che in Erwä­gung ziehen.

Schritt 3: Las­ten­heft erstel­len

For­mu­lie­ren Sie Ihre Anfor­de­rung so, dass Nutzen und Ergeb­nis in den Vor­der­grund gestellt werden. Ver­mei­den Sie zunächst die Fest­le­gung von Her­stel­lern oder Tech­no­lo­gien. Achten Sie darauf anzu­ge­ben, für welche Gebäu­de­be­rei­che Sie welche Anfor­de­run­gen erheben. Werden Sie dabei zum exakten Ver­hal­ten der Auto­ma­tion mög­lichst konkret (z.B. Wann genau soll sich die Beleuch­tung auf welche Licht­farbe ein­stel­len? Wie genau kann der Nutzer über Taster oder eine Smartphone-App das System bedie­nen? Wie soll das Layout einer App aus­se­hen etc.). Diese Anfor­de­run­gen müssen später Ver­trags­be­stand­teil werden und auch im Rahmen der Abnahme geprüft werden können.

Schritt 4: Auswahl eines geeig­ne­ten Fach­pla­ners

Dies wird der schwie­rigste Punkt: Fach­pla­ner greifen gerne auf Erfah­rungs­werte zurück und bevor­zu­gen die Reduk­tion auf über­schau­bare Licht-, Verschattungs- und Tem­pe­ra­tur­re­ge­lun­gen. Zu den meisten inno­va­ti­ven Anfor­de­run­gen liegen selten Erfah­rungs­werte vor und Unsi­cher­heit führt zu Zurück­hal­tung. Es gibt gute Fach­pla­ner – aber viel­leicht müssen Sie bei fünf Pla­nungs­un­ter­neh­men anfra­gen, um von einem Dienst­leis­ter einen zuver­sicht­li­chen Ein­druck zu erhal­ten.

Schritt 5: Auswahl von Tech­no­lo­gie, Her­stel­ler und Sys­tem­in­te­gra­tor

Wenn die Anfor­de­run­gen klar for­mu­liert sind und ein kom­pe­ten­ter und inno­va­ti­ons­freu­di­ger Fach­pla­ner gefun­den ist, geht es an die Auswahl von Tech­no­lo­gie und Her­stel­ler von Kom­po­nen­ten. Dazu sollte man sich zunächst nach einem kom­pe­ten­ten und inno­va­ti­ons­freu­di­gen Sys­tem­in­te­gra­tor umsehen. Dessen Erfah­run­gen und Ein­schät­zun­gen sollten bei der Auswahl der Kom­po­nen­ten berück­sich­tigt werden. Immer­hin muss er diese später betreuen und weiter aus­bauen. Machen Sie nicht den Fehler, einem Sys­tem­in­te­gra­tor vor­zu­schrei­ben, welche Kom­po­nen­ten er zu ver­wen­den hat. Wenn es später zu Pro­ble­men kommen wird, dann ist es fatal, wenn er sich nicht ganz­heit­lich ver­ant­wort­lich fühlt.

Der Tipp des Monats des IGT kann hier abon­niert wer­den.


Mit dem Smart Home, ohne dass sich eine moderne TGA-Anlage kaum sinn­voll steu­ern lässt, befasst sich auch Energieblogger-Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.