Für Lüftungsanlagen gibt es viele Varianten. Foto: Urbansky

Lüftungs­va­ri­anten zur Gewähr­leistung von guter Luftqualität

von | 5. Dezember 2018

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Dezember nun befas­sten sich die For­scher mit verschie­denen Lüftungsvarianten.

Gute Luft ist eine essen­tielle Grundlage für das Wohl­be­finden und die Leis­tungs­fä­higkeit von Menschen! Nun hält sich der Mensch ‑in Deutschland- den größten Teil des Tages zu durch­schnittlich 90%, in geschlos­senen Räumen auf. Deshalb hat Rafael Troll in seiner Abschluss­arbeit an der Tech­ni­schen Hoch­schule Rosenheim am Beispiel von Schulen unter-​schiedliche Lüftungs­va­ri­anten untersucht.

Sein Fazit: Manuelle Lüftung ist eindeutig nicht ausrei­chend. Zur Gewähr­leistung von guter Luft­qua­lität muss eine geregelte Lüftungs­anlage zumindest ergänzend einge­setzt werden.

Luft­qua­lität in modernen Gebäuden und Konse­quenzen für den Menschen

Schon 1858 wurde von Max von Petten­kofer fest­ge­stellt, dass bei höheren CO2-​Konzentrationen Beschwerden wie Müdigkeit, Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­keiten oder Kopf­schmerzen zunehmen. Von ihm stammt der noch immer akzep­tierte CO2-​Schwellwert von 1.000 ppm (parts per million), der nicht über­schritten werden sollte. Weitere Studien in diesem Bereich „beweisen“, dass bei z.B. schlechter Luft in Schulen die Fehl­zeiten von Schülern bzw. die Fehler­raten bei zu bewäl­ti­genden Aufgaben ansteigen.

Ähnliches gilt auch für das Wohl­be­finden und die Produk­ti­vität von Mitar­beitern im Büro.
Das Problem verstärkt sich heut­zutage, da moderne Gebäude immer besser gedämmt und Fenster immer dichter werden. Die Grund­lüftung über Gebäu­de­un­dich­tig­keiten nimmt stetig ab. Auch muss beachtet werden, dass die CO2-​Konzentration in der Außenluft in den letzten 100 Jahren von ca. 300 ppm auf ca. 400 ppm gestiegen ist – in Städten kann diese sogar im Bereich von 500600 ppm liegen. Dies führt dazu, dass der CO2-​Schwellwert schneller erreicht wird und somit die Lüf-​tungsanforderungen in Gebäuden steigen.

Der Mensch ist ein schlechter „Sensor“!

Kennen Sie das? Sie verlassen kurz­zeitig einen Raum und bemerken erst bei der Rückkehr in den Raum wie schlecht die Luft ist. Das liegt daran, dass sich der Mensch an schlechte Luft „gewöhnt“. Sofern Sie keine geregelte Lüftungs­anlage nutzen: Stellen Sie im Büro bzw. im privaten Wohn‑, Arbeits- oder Schlaf­zimmer einen CO2-​Sensor auf! Gute Geräte gibt es bereits ab € 100. Diese zeigen die aktuelle CO2-​Konzentration und können bei Bedarf auch Mini-​mal-​/​Maximalwerte speichern oder den konkreten Mess­verlauf „loggen“, um diesen später auf einen PC zu übertragen.

So oder so: Sie werden über­rascht sein, wie schnell Lüftungs­bedarf gegeben ist! …

Nutzer­ak­zeptanz

Wie bei allen Planungs­aspekten der Gebäu­de­au­to­mation sollte die Nutzer­ak­zeptanz von Beginn an mit berück­sichtigt werden. Eine Akzep­t­anz­analyse über mehrere konkrete Projekte im Jahr 2008 zeigt wesent­liche Eckpunkte.

Folgende Aspekte wurden kritisch/​negativ bewertet und sollten somit im Planungs­prozess beson-​ders berück­sichtigt werden:

  • Unge­nü­gende Luftmengen
  • Zu hohe Schallpegel
  • Falsche“ Raum­tem­pe­ra­turen (zu warm/​kalt)
  • Nicht ange­passtes Gesamtkonzept
  • Unge­eignete Steuerung und Regelung
  • Keine ausrei­chende Betreuung der Anlage, unge­klärte Zuständigkeiten
  • Unge­nü­gende Nutzeraufklärung
  • Über­hitzung im Sommer
  • Einzel­raum­re­gelung meist nicht vorhanden
  • Unter­di­men­sio­nierte Filter­flächen führen zu über­mä­ßiger Staub­ent­wicklung im Klassen-zimmer

Auf der anderen Seite wurden insbe­sondere folgende Punkte positiv bewertet:

  • Keine Zuger­schei­nungen (deutliche Verbes­serung zur natür­lichen Fensterlüftung)
  • Angenehme Raum­tem­pe­ratur in der Heizperiode

Der Tipp des Monats des IGT kann hier abon­niert werden.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Holz­ver­gaser: Comeback einer totge­glaubten Technologie

Holz­ver­gaser: Comeback einer totge­glaubten Technologie

Holzvergaser gibt es schon seit gut 130 Jahren, als sie die industrielle Revolution in England befeuerten. In der Nachkriegszeit eine probate Lösung, um dem Treibstoffmangel im Verkehrssektor zu begegnen. Heutzutage dienen sie als Heizlösung insbesondere dort, wo viel...

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Die Novellen der Heizkostenverordnung und der Wärmelieferverordnung lassen auf sich warten. Jedoch wurden zuletzt steuerliche Hemmnisse für Wohnungsunternehmen verringert, die ihnen den Energiehandel erschwerten. Für Contractoren ist dies kein bedrohliches Szenario....

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will den Sonnenreichtum Westafrikas nutzen, um Wasserstoff für Deutschland zu produzieren. Das Projekt hat nur Chancen bei einer echten Partnerschaft. Ohne Wasserstoff wird die Energiewende nicht gelingen. "Der Strombedarf...

Strom aus Strömen

Strom aus Strömen

Wasserkraft ist neben Biomasse die einzige grundlastfähige erneuerbare Energieform. Doch die Ausbaupotenziale für große Pumpspeicher- oder reine Wasserkraftwerke sind begrenzt. Bürger begehren auf, Investoren ziehen sich zurück. Die kleine Variante, etwa...