Check­liste für „Smartes Pfle­ge­zen­trum“

Die Weobau Zwickau errichtete eine Seniorenwohnung mit AAL-Systemen (für Ambient Assisted Living = Unterstützung für selbstbestimmtes Leben im Alter). Foto: Dirk Dießel , dsl-factory Smart Home, Standard
AAL-Systemen (für Ambient Assisted Living = Unterstützung für selbstbestimmtes Leben im Alter). Foto: Dirk Dießel , dsl-factory

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA‐Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Februar nun befas­sten sich die For­scher mit einem smarten Pfle­ge­heim.

Viel wird über AAL (Ambient Assis­tend Living) gespro­chen – der unter­stüt­zen­den Technik, um Senioren/‐innen zu ermög­li­chen, mög­lichst lange in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben.

Was aber, wenn irgend­wann doch der Umzug in ein Pfle­ge­zen­trum ansteht? Sollte dort nicht auch unter­stüt­zende Smarthome‐Technik zum Wohle von sowohl Bewoh­nern als auch Pfle­ge­per­so­nal ein­ge­setzt werden? Und wenn ja: Was und wie viel …

Die Ver­sor­gungs­lü­cke in der Pflege wächst“. Unter diesem Titel steht der Pfle­ge­re­port 2030 der Ber­tels­mann Stif­tung und ist damit eine der aktu­el­len Ver­öf­fent­li­chun­gen für die Pro­gnose der Zukunft der Pfle­ge­bran­che.

Der Hin­ter­grund dazu liegt in der Kom­bi­na­tion aus demo­gra­phi­schen Wandel und damit in vielen Fällen stei­gen­der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit sowie dem zuneh­men­den Pfle­ge­kräf­te­man­gel. Somit gibt es kon­krete und bren­nende Fra­ge­stel­lun­gen, wo und wie die Technik zur Reduk­tion dieser Ver­sor­gungs­lü­cke bei­tra­gen kann.

Deshalb schreibt auch das Bun­des­mi­nis­te­rium für Bildung und For­schung (BMBF) der Ent­wick­lung und dem Einsatz der Mensch‐Technik‐Interaktion eine zen­trale Rolle für die zukünf­tige Erhal­tung der Qua­li­tät in der Pflege zu. Aus diesem Grund wurde die Initia­tive „Pfle­ge­in­no­va­tion 2020“ gegrün­det. Diese fördert mit rund 15 Mil­lio­nen Euro Forschungs‐ und Ent­wick­lungs­vor­ha­ben zum inno­va­ti­ven Tech­nik­ein­satz in der Pflege.

Unter­stüt­zung durch Gebäu­de­au­to­ma­tion?

Welchen Beitrag kann die Gebäu­de­au­to­ma­tion in diesem Umfeld leisten? Hier ein paar Bei­spiele:

  • Wohl­be­fin­den des Men­schen: Luft­qua­li­tät und Beleuch­tung haben einen direk­ten Ein­fluss auf die geis­tige und kör­per­li­che Ver­fas­sung des Men­schen. Was liegt also näher, die Luft­qua­li­tät zu über­wa­chen und einen zu hohen CO2‐Gehalt zu melden oder direkt eine Lüf­tungs­an­lage ein­zu­schal­ten. Par­al­lel kann eine HCL‐Beleuchtung (HCL – Human Centric Ligh­t­ing) bewusst akti­vie­rend oder ent­span­nend ein­ge­setzt werden, in dem je nach Tagess­zeit Licht mit unter­schied­li­chen Licht­far­ben („kaltes Weiß“ vs. „warmes Weiß“) erzeugt wird.
  • Kom­fort­funk­tio­nen für die Bewoh­ner: Beim Ver­las­sen des Betts schal­tet sich boden­na­hes, gedimm­tes Licht auto­ma­tisch ein und später auch wieder aus.
  • Unter­stüt­zung des Pfle­ge­per­so­nals: Feuch­tig­keit in Bett oder Roll­stuhl wird erkannt und gemel­det. Ebenso das Ver­las­sen des Betts von sturz­ge­fähr­de­ten Per­so­nen oder das Ver­las­sen der Station von Demenz­pa­ti­en­ten.

Im Detail kann man die bereits heute ver­füg­ba­ren tech­ni­schen Lösungs­mög­lich­kei­ten in fol­gende Kate­go­rien unter­tei­len:

  • Klas­si­sche Raum­au­to­ma­tion: Hier­un­ter fallen viele auch aus dem Privat‐ oder Büro­be­reich bekann­ten Aspekte wie Beleuchtungsreglung/HCL, Ver­schat­tungs­steue­rung (inkl. Tages­licht­len­kung) oder Luft­qua­li­täts­re­ge­lung. Dabei gewin­nen diese Aspekte im Pfle­ge­zen­trum eine beson­dere Bedeu­tung, da viele Bewoh­ner sich selber nicht aus­rei­chend um Licht, Luft­qua­li­tät etc. kümmern können und Pfle­ge­per­so­nal oft die ent­spre­chende Betreu­ungs­zeit fehlt. Hilf­reich also, wenn die Auto­ma­tion ein gesun­des und kom­for­ta­bles Raum­klima gewähr­leis­tet!
  • Zen­tral­funk­tion über Taster oder Bewe­gungs­sen­so­ren zur Span­nungs­frei­schal­tung. Dies redu­ziert zum einen die Brand­ge­fahr, da schad­hafte elek­tri­sche Geräte nach wie vor die häu­figste Brand­ur­sa­che sind. Zusätz­lich können Räume bzw. der Bett­be­reich feld­frei geschal­tet werden („E‐Smog“) – ein in Bezug auf Metallgestell‐Betten mit inte­grier­ter elek­tri­scher Motorik unter­schätz­tes und daher ernst zu neh­men­des Thema.
  • Zutritts­kon­troll­sys­teme für die Zimmer der Bewoh­ner (inkl. Frei­schal­tung für den jewei­li­gen Bewoh­ner und das Pfle­ge­per­so­nal)
  • Loka­li­sie­rung von Per­so­nen (zur Analyse der kör­per­li­chen Bewe­gung, aber ins­be­son­dere auch Alarm­mel­dun­gen beim Ver­las­sen der Station von Demenz­pa­ti­en­ten)
  • Sturz­ver­mei­dung und –erken­nung (d.h. bewe­gungs­ak­ti­vierte boden­nahe Beleuch­tung sowie Sen­so­rik zur Stur­z­er­ken­nung am Körper oder im Boden­be­reich)
  • Sen­so­rik in der Matratze zur Erken­nung von erfor­der­li­chen Posi­ti­ons­wech­sel (zur Ver­mei­dung von Wund­bil­dung) oder Feuch­tig­keits­er­ken­nung (Inkon­ti­nenz)
  • Vital­da­ten­er­fas­sung
  • Unter­stüt­zende Hebe­ak­to­rik (Lif­ter­sys­teme)
  • Doku­men­ta­ti­ons­an­for­de­run­gen – ins­be­son­dere für das Pfle­ge­per­so­nal

Check­liste als Start­punkt

Was von den auf­ge­führ­ten Anfor­de­run­gen in einem kon­kre­ten Fall Sinn macht, ist indi­vi­du­ell zu ent­schei­den. Genau dazu wurde die erwähnte Check­liste erstellt. Diese zeigt die wesent­li­chen Mög­lich­kei­ten, um sich indi­vi­du­ell dafür oder dagegen ent­schei­den zu können. Dabei wurde im Vorfeld die Umsetz­bar­keit berück­sich­tigt – d.h. die Check­liste führt nur auf, was auch tech­nisch umsetz­bar ist.

Die Check­liste kann hier her­un­ter­ge­la­den werden.

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