Foto: MONTANA

Corona: Was wird aus dem Klima?

von | 2. April 2020

In Zeiten der Corona Krise stellen sich uns viele Fragen. Wirt­schaftlich, finan­ziell kommen vermutlich große Probleme auf uns zu. Es bleibt unklar, ob die Banken die Zeit danach über­stehen und welche Auswir­kungen die Krise danach auf uns haben wird. Manche sprechen schon davon, dass Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trollen in der EU einge­führt werden könnten. Wir erinnern uns dabei an Grie­chenland, als nur noch 50 Euro täglich an den Bank­au­to­maten verfügbar waren. Niemand weiß, wie lange die Krise anhält. Das Virus verschwindet ja nicht, nur weil wir zuhause bleiben sollen. Es lauert auf seinen passenden Moment.

Gleich­zeitig ist aber die Klima­krise plötzlich vorbei. Es scheint so, als ob die Politik über­fordert ist. Multi­tasking war noch vor einiger Zeit ein wichtiger Begriff, der auch von der Politik als eine Heraus­for­derung der neuen Arbeitswelt galt. Doch genau in diesem Punkt, scheitern die Regie­rungen in der EU. Sie sind auf Krisen­ma­nagement ausge­richtet, aber nur auf eine Krise fokus­siert. Während das Virus im Vorder­grund steht, scheint das Klima nicht mehr wichtig. Gestern war es noch 10 nach 12, jetzt scheint alles wieder gut zu sein. Wenn die Welt untergeht, nicht wegen dem Klima, sondern wegen einem Virus, lautet anscheinend die neue Botschaft.

Ist das Klima wieder gesund?

Das Virus entfacht eine finan­zielle Krise, dessen Ausmaß wir nicht einschätzen können. Der Shutdown verur­sacht mehr Schaden, als ihn Corona hätte anrichten können. Unter dem Strich steht also jetzt schon fest, dass kein Geld mehr für das Klima danach vorhanden ist. Die ehrgei­zigen Klima­pläne, die zuvor so hart ausge­handelt wurden, müssen vermutlich auf Eis gelegt werden.

Selbst die Akti­vistin Greta Thunberg ist plötzlich ganz still. Das ist schon erstaunlich. Sie hat sich nur kurz einmal gemeldet, dass sie vermutlich am Virus erkrankt sei. Das hat ihr aber auch nicht geholfen. Während ein Oliver Pocher mit der gleichen Meldung überall in den Medien war, ist es um Greta ganz ruhig geworden.

Auf einmal wird offen gesagt, dass die Erder­wärmung Spielraum für Reak­tionen lässt. Dabei war es doch eigentlich zu spät. Wird es nach der Corona Krise heißen, dass auch andere Spiel­räume bestanden? Die Medien warnen sogar, das Virus auch nur ansatz­weise mit dem Klima gleich­zu­setzen. Es scheint also so, dass unser Klima nicht mehr bedrohlich ist und zwei Krisen zur gleichen Zeit zu komplex, zu zeit­auf­wendig und zu teuer sind.

Virus gut für das Klima?

Was ist an dieser Behauptung dran, die immer wieder geäußert wird? Flugzeuge fliegen weniger, ein paar Autos fahren weniger. Tatsächlich sind an einigen Orten die Umwelt­be­las­tungen zurück­ge­gangen. Aber eben nur temporär. Dafür haben die Inter­net­ver­bin­dungen zuge­nommen, es wird mehr Strom verbraucht und so weiter. Doch in einem sind sich viele Experten einig: Corona wird nicht zu einer Wende beim Klima führen.

Die Frage ist dann aber, wann wird das Klima wieder für uns relevant und warum kann sich die Politik nicht um zwei Themen gleich­zeitig kümmern. Man möge sich nur einmal einen Konzern­lenker vorstellen, der sich nur auf ein Thema fokus­siert und eine andere Krise beiseitelegt …

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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