Das Quartier SpringPark VALLEY in Bad Vilbel bei Frankfurt am Main wird als Smart Commercial Building errichtet. Grfaik: SpringPark VALLEY, Raybounce

Einfluss vom Smart Building auf Wohl­be­finden und Produktivität

von | 20. Juli 2020

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Juli nun geht es um Smart Building und wie es zum Wohl­be­finden und damit zu höherer Produk­ti­vität der Mitar­beiter beitragen kann.

Smart Buildings tragen zur erhöhten Ener­gie­ef­fi­zienz bei. So weit so gut. Dabei liegt bei wissens­ba­sierten Unter­nehmen der Anteil der Perso­nal­kosten weit höher als der Anteil der Energiekosten.

Kann das Smart Building dazu beitragen, das Wohl­be­finden der Mitar­beiter und deren Produk­ti­vität zu erhöhen? Hätte das in Konse­quenz nicht eine noch größere Auswirkung auf den unter­neh­me­ri­schen Erfolg, als wenn man den Fokus „nur“ auf die ener­ge­ti­schen Aspekte legt?

Die Antwort ist ganz eindeutig „Ja“.

Bedeutung des Arbeitsbereiches

Ein Arbeits­platz ist mehr als eine Immobilie. Er ist eine lebendige Umgebung, die es Menschen und Unter­nehmen ermög­licht, Leben und Arbeit lohnenswert mitein­ander zu verschmelzen und zu gestalten.“

Für büro­ori­en­tierte Unter­nehmen sind Perso­nal­kosten übli­cher­weise der mit Abstand größte Kosten­anteil an den Betriebs­kosten. Für wissens­ba­sierte Unter­nehmen liegen diese bei ca. 90 % – während die Ener­gie­kosten lediglich einen Anteil von ca. 1 % ausmachen.

In Konse­quenz sollte jedes Unter­nehmen dafür sorgen, dass Mitar­beiter möglichst produktiv sind. Neben Aspekten wie Mitar­bei­ter­führung, Betriebs­klima und Vergütung hat dabei der Arbeits­platz einen ganz wichtigen Einfluss. Gemäß einer Studie mit mehr als 7.000 Befragten aus 12 Ländern stimmten im Durch­schnitt mehr als 50 % zu, dass ihr Arbeits­be­reich eine direkte Auswirkung auf die eigene Effek­ti­vität habe [JLL 2017]. Das Smart Building kann hier einen wesent­lichen Beitrag leisten, indem es für optimale Luft­qua­lität, Beleuchtung, ther­mische Behag­lichkeit sowie eine flexible Inter­aktion mit der modernen Büro­um­gebung sicherstellt.

Quer­bezüge zwischen dem Arbeits­umfeld und dem Wohl­be­finden des Menschen

Die direkten Auswir­kungen der Raum­luft­qua­lität auf den mensch­lichen Körper standen in diversen Studien bereits im Mittel­punkt von Unter­su­chungen. Studien aus den Jahren 2006 und 2008 haben ergeben, dass eine Leis­tungs­stei­gerung (erhöhte Arbeits­ge­schwin­digkeit bei vergleich­barer Fehlerrate) um 8 % bis 14 % bei einer Verdop­pelung des Außen­luft­vo­lu­men­stroms erreicht werden kann (z.B. Erhöhung von 17m³/​h auf 34 m³/​h)].

Auch die Beleuchtung am Arbeits­platz hat einen großen Einfluss sowohl auf das Wohl­be­finden im Büro als auch auf die Schlaf­qua­lität. Erhol­samer Schlaf ist wiederum für eine gute Arbeits­fä­higkeit und Arbeits­si­cherheit Voraus­setzung. Ein Mangel an Tages­licht sowie zu viel künst­liche Beleuchtung mit hoher Inten­sität und/​oder hohem Anteil von „kälterem“ Licht können zu Schlaf­stö­rungen, erhöhter Müdigkeit, Konzentrations-​und Aufmerk­sam­keits­de­fi­ziten, erhöhtem Unfall­risiko führen und psychische Bean­spru­chungen, depressive oder kardio-​metabolische Störungen begünstigen.

Der ther­mi­schen Behag­lichkeit kommt in Bezug auf Wohl­be­finden und Leis­tungs­fä­higkeit eine besondere Bedeutung zu. Bereits 1986 wurde ermittelt, dass mit stei­gender Raum­tem­pe­ratur sowohl die körper­liche als auch die geistige Leis­tungs­fä­higkeit stark abnimmt. Bei 28 C bereits um 50 % (körper­liche Leis­tungs­fä­higkeit) bezie­hungs­weise 20 % (geistige Leistungsfähigkeit).

Beitrag des Smart Building zum Wohl­be­finden des Menschen

Alle zuvor erwähnten Aspekte können durch ein Smart Building gewähr­leistet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist dabei die flexible Büro­nutzung. Dies umfasst unter­schied­liche Möblie­rungs­va­ri­anten, aber auch die Aufteilung zwischen z.B. (Großraum-) Büro­flächen sowie Bespre­chungs­räumen oder Gemein­schafts­flächen. Aufgrund sich oft ändernden Rahmen­be­din­gungen (Team­zu­sam­men­setzung, Arbeits­pro­zesse etc.) ist eine regel­mäßige Anpassung sinnvoll. Ein Smart Building kann Flächen­nut­zungen auswerten und bei nicht optimaler Auslastung entspre­chenden Anpas­sungs­bedarf melden. Wenn Nutzer eines Smart Buildings mehr Einfluss auf ihre Arbeits­um­gebung haben – z.B. eine persön­liche Kontrolle über Raumklima oder Beleuchtung- kann sich dies in Form von Zufrie­denheit und Produk­ti­vität auszahlen.

In Summe ist ein Smart Building deutlich mehr als nur ein ener­ge­tisch optimiert betrie­benes Gebäude. Oft wird „Smart Building“ mit höherer Ener­gie­ef­fi­zienz und somit gerin­geren Betriebs­kosten gleich­ge­setzt. Tatsächlich stimmt es zunächst, dass ein sinnvoll einge­setzter Auto­ma­ti­onsgrad zu monetären Einspa­rungen führen, die die Inves­ti­tionen in die Auto­mation innerhalb von wenigen Jahren amor­ti­sieren. Der größere Mehrwert eines „Smart Buildings“ ist aber ein ganz anderer – nämlich die positiven Auswir­kungen auf die Mitar­bei­ter­pro­duk­ti­vität sowie im erwei­terten Sinne auch auf die Aspekte Mitar­bei­ter­ge­winnung und –bindung.

Zur Umsetzung bzw. Vorbe­reitung sollten diese Anfor­de­rungen früh­zeitig einge­plant werden. Wichtig ist auch die ausrei­chende Planung von Sensoren. Ohne Sensoren fehlen dem Smart Building die Grund­lagen zur Erfassung von Ist-​Zuständen und somit die Grundlage für Regelungs- und Steue­rungs­vor­gänge bzw. weiter­ge­hende Auswertungen.

Ausführ­liches Whitepaper

Weitere Infor­ma­tionen zu diesen Aspekten sowie ein umfang­rei­cheres Quel­len­ver­zeichnis wissen­schaft­licher Arbeiten sind in einem 12-​seitigen White­paper „Der Einfluss vom Smart Building auf Wohl­be­finden und Produk­ti­vität von Mitar­beitern im Büro“ verfügbar. Dieses kann kostenlos hier abgerufen werden.

Mehr dazu hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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