Ein­fluss vom Smart Buil­ding auf Wohl­be­fin­den und Produktivität

Das Quartier SpringPark VALLEY in Bad Vilbel bei Frankfurt am Main wird als Smart Commercial Building errichtet. Grfaik: SpringPark VALLEY, Raybounce

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Juli nun geht es um Smart Buil­ding und wie es zum Wohl­be­fin­den und damit zu höherer Pro­duk­ti­vi­tät der Mit­ar­bei­ter bei­tra­gen kann.

Smart Buil­dings tragen zur erhöh­ten Ener­gie­ef­fi­zi­enz bei. So weit so gut. Dabei liegt bei wis­sens­ba­sier­ten Unter­neh­men der Anteil der Per­so­nal­kos­ten weit höher als der Anteil der Energiekosten.

Kann das Smart Buil­ding dazu bei­tra­gen, das Wohl­be­fin­den der Mit­ar­bei­ter und deren Pro­duk­ti­vi­tät zu erhöhen? Hätte das in Kon­se­quenz nicht eine noch größere Aus­wir­kung auf den unter­neh­me­ri­schen Erfolg, als wenn man den Fokus „nur“ auf die ener­ge­ti­schen Aspekte legt?

Die Antwort ist ganz ein­deu­tig „Ja“.

Bedeu­tung des Arbeitsbereiches

Ein Arbeits­platz ist mehr als eine Immo­bi­lie. Er ist eine leben­dige Umge­bung, die es Men­schen und Unter­neh­men ermög­licht, Leben und Arbeit loh­nens­wert mit­ein­an­der zu ver­schmel­zen und zu gestalten.“

Für büro­ori­en­tierte Unter­neh­men sind Per­so­nal­kos­ten übli­cher­weise der mit Abstand größte Kos­ten­an­teil an den Betriebs­kos­ten. Für wis­sens­ba­sierte Unter­neh­men liegen diese bei ca. 90 % – während die Ener­gie­kos­ten ledig­lich einen Anteil von ca. 1 % ausmachen.

In Kon­se­quenz sollte jedes Unter­neh­men dafür sorgen, dass Mit­ar­bei­ter mög­lichst pro­duk­tiv sind. Neben Aspek­ten wie Mit­ar­bei­ter­füh­rung, Betriebs­klima und Ver­gü­tung hat dabei der Arbeits­platz einen ganz wich­ti­gen Ein­fluss. Gemäß einer Studie mit mehr als 7.000 Befrag­ten aus 12 Ländern stimm­ten im Durch­schnitt mehr als 50 % zu, dass ihr Arbeits­be­reich eine direkte Aus­wir­kung auf die eigene Effek­ti­vi­tät habe [JLL 2017]. Das Smart Buil­ding kann hier einen wesent­li­chen Beitrag leisten, indem es für opti­male Luft­qua­li­tät, Beleuch­tung, ther­mi­sche Behag­lich­keit sowie eine fle­xi­ble Inter­ak­tion mit der moder­nen Büro­um­ge­bung sicherstellt.

Quer­be­züge zwi­schen dem Arbeits­um­feld und dem Wohl­be­fin­den des Menschen

Die direk­ten Aus­wir­kun­gen der Raum­luft­qua­li­tät auf den mensch­li­chen Körper standen in diver­sen Studien bereits im Mit­tel­punkt von Unter­su­chun­gen. Studien aus den Jahren 2006 und 2008 haben ergeben, dass eine Leis­tungs­stei­ge­rung (erhöhte Arbeits­ge­schwin­dig­keit bei ver­gleich­ba­rer Feh­ler­rate) um 8 % bis 14 % bei einer Ver­dop­pe­lung des Außen­luft­vo­lu­men­stroms erreicht werden kann (z.B. Erhö­hung von 17m³/h auf 34 m³/h)].

Auch die Beleuch­tung am Arbeits­platz hat einen großen Ein­fluss sowohl auf das Wohl­be­fin­den im Büro als auch auf die Schlaf­qua­li­tät. Erhol­sa­mer Schlaf ist wie­derum für eine gute Arbeits­fä­hig­keit und Arbeits­si­cher­heit Vor­aus­set­zung. Ein Mangel an Tages­licht sowie zu viel künst­li­che Beleuch­tung mit hoher Inten­si­tät und/oder hohem Anteil von „käl­te­rem“ Licht können zu Schlaf­stö­run­gen, erhöh­ter Müdig­keit, Konzentrations-und Auf­merk­sam­keits­de­fi­zi­ten, erhöh­tem Unfall­ri­siko führen und psy­chi­sche Bean­spru­chun­gen, depres­sive oder kardio-metabolische Stö­run­gen begünstigen.

Der ther­mi­schen Behag­lich­keit kommt in Bezug auf Wohl­be­fin­den und Leis­tungs­fä­hig­keit eine beson­dere Bedeu­tung zu. Bereits 1986 wurde ermit­telt, dass mit stei­gen­der Raum­tem­pe­ra­tur sowohl die kör­per­li­che als auch die geis­tige Leis­tungs­fä­hig­keit stark abnimmt. Bei 28 C bereits um 50 % (kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit) bezie­hungs­weise 20 % (geis­tige Leistungsfähigkeit).

Beitrag des Smart Buil­ding zum Wohl­be­fin­den des Menschen

Alle zuvor erwähn­ten Aspekte können durch ein Smart Buil­ding gewähr­leis­tet werden. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt ist dabei die fle­xi­ble Büro­nut­zung. Dies umfasst unter­schied­li­che Möblie­rungs­va­ri­an­ten, aber auch die Auf­tei­lung zwi­schen z.B. (Großraum-) Büro­flä­chen sowie Bespre­chungs­räu­men oder Gemein­schafts­flä­chen. Auf­grund sich oft ändern­den Rah­men­be­din­gun­gen (Team­zu­sam­men­set­zung, Arbeits­pro­zesse etc.) ist eine regel­mä­ßige Anpas­sung sinn­voll. Ein Smart Buil­ding kann Flä­chen­nut­zun­gen aus­wer­ten und bei nicht opti­ma­ler Aus­las­tung ent­spre­chen­den Anpas­sungs­be­darf melden. Wenn Nutzer eines Smart Buil­dings mehr Ein­fluss auf ihre Arbeits­um­ge­bung haben – z.B. eine per­sön­li­che Kon­trolle über Raum­klima oder Beleuchtung- kann sich dies in Form von Zufrie­den­heit und Pro­duk­ti­vi­tät auszahlen.

In Summe ist ein Smart Buil­ding deut­lich mehr als nur ein ener­ge­tisch opti­miert betrie­be­nes Gebäude. Oft wird „Smart Buil­ding“ mit höherer Ener­gie­ef­fi­zi­enz und somit gerin­ge­ren Betriebs­kos­ten gleich­ge­setzt. Tat­säch­lich stimmt es zunächst, dass ein sinn­voll ein­ge­setz­ter Auto­ma­ti­ons­grad zu mone­tä­ren Ein­spa­run­gen führen, die die Inves­ti­tio­nen in die Auto­ma­tion inner­halb von wenigen Jahren amor­ti­sie­ren. Der größere Mehr­wert eines „Smart Buil­dings“ ist aber ein ganz anderer – nämlich die posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Mit­ar­bei­ter­pro­duk­ti­vi­tät sowie im erwei­ter­ten Sinne auch auf die Aspekte Mit­ar­bei­ter­ge­win­nung und –bindung.

Zur Umset­zung bzw. Vor­be­rei­tung sollten diese Anfor­de­run­gen früh­zei­tig ein­ge­plant werden. Wichtig ist auch die aus­rei­chende Planung von Sen­so­ren. Ohne Sen­so­ren fehlen dem Smart Buil­ding die Grund­la­gen zur Erfas­sung von Ist-Zuständen und somit die Grund­lage für Regelungs- und Steue­rungs­vor­gänge bzw. wei­ter­ge­hende Auswertungen.

Aus­führ­li­ches Whitepaper

Weitere Infor­ma­tio­nen zu diesen Aspek­ten sowie ein umfang­rei­che­res Quel­len­ver­zeich­nis wis­sen­schaft­li­cher Arbei­ten sind in einem 12-seitigen White­pa­per „Der Ein­fluss vom Smart Buil­ding auf Wohl­be­fin­den und Pro­duk­ti­vi­tät von Mit­ar­bei­tern im Büro“ ver­füg­bar. Dieses kann kos­ten­los hier abge­ru­fen werden.

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