Gebäu­de­au­to­ma­tion mit BEG fördern

Zusammenhang mit den Normen und Vorschriften. Grafik: IGT

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Februar nun geht es um die För­de­rung von Maß­nah­men der Gebäu­de­au­to­ma­tion durch das BAFA-Förderprogramm BEG (Bun­des­för­de­rung für effi­zi­ente Gebäude).

Zum 01. Januar 2021 wurde von der BAFA das För­der­pro­gramm BEG (Bundes­för­de­rung für effi­zi­ente Gebäude) ins Leben gerufen. Dieses umfasst auch die För­der­fä­hig­keit von Ein­zel­maß­nah­men der Gebäudeautomation.

 

Für das Wohn­ge­bäude werden einige kon­krete för­der­fä­hige Maß­nah­men auf­ge­führt. Für das Nicht­wohn­ge­bäude ist grund­sätz­lich alles för­der­fä­hig, was zur Gebäudeautomations-Effizienzklasse „B“ der DIN V 18599 führt. Letz­tere ist wie­derum ein Extrakt der EN 15232.

Anfor­de­run­gen an die Auto­ma­tion auf­grund EnEV und GEG

Den Nutzen der Gebäu­de­au­to­ma­tion hat inzwi­schen auch der Gesetz­ge­ber erkannt und bereits seit dem 01. Mai 2014 in Form der dama­li­gen EnEV 2014 (Energie-Einsparverordnung) vor­ge­ge­ben, dass die Art des Anla­gen­be­triebs ver­stärkt berück­sich­tigt werden muss. Somit werden seit der EnEV 2014 Fragen zum Auto­ma­ti­ons­grad des Gebäu­des gestellt und haben Ein­fluss auf die Berech­nung des Jahres-Primärenergiebedarfs, wie er über den Ener­gie­aus­weis aus­ge­wie­sen wird. Zum 01. Novem­ber 2020 wurde die EnEV in das GEG (Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz) über­ge­führt. Die wesent­li­che Ände­rung hier war, dass die Erfas­sung des Auto­ma­ti­ons­gra­des nun nicht mehr nur für das Nicht­wohn­ge­bäude sondern auch für das Wohn­ge­bäude gilt.

Einen Über­blick über die Aspekte hin­sicht­lich der Auto­ma­tion sowie eine prak­ti­sche Arbeits­da­tei werden in diesem „Tipp des Monats“ vorgestellt.

Die Not­wen­dig­keit zur dama­li­gen EnEV und nun dem GEG ergibt sich durch die EPDB (Energy Per­for­mance of Buil­dings Direc­tive). Diese von der EU beschlos­sene Richt­li­nie ist der gesetz­li­che Rahmen für Vor­ga­ben, die von den ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten in jeweils natio­na­les Recht umzu­set­zen sind. In dieser EU-Richtlinie findet man seit 2010 auch For­de­run­gen zu „intel­li­gen­ten Mess­sys­te­men“, „aktiven Steue­rungs­sys­te­men“ sowie „Automatisierungs‑, Regelungs- und Über­wa­chungs­sys­te­men“. Nun wurde die EPBD im Jahr 2018 novel­liert. Wer sich mit dieser Richt­li­nie befasst, wird über die Inten­si­tät der Anfor­de­run­gen an Gebäu­de­au­to­ma­tion über­rascht sein. Die EPBD 2018 richtet den Fokus expli­zit auf die Rege­lung und Steue­rung von Anlagen. Standen in den letzten Jahren eher Gebäu­de­hülle und die Wahl bzw. Aus­le­gung von Anla­gen­tech­nik im Mit­tel­punkt, so hat man offen­sicht­lich einen starken Nach­hol­be­darf in Sachen Rege­lung und Steue­rung erkannt. So erhebt die EPBD eine Reihe von For­de­run­gen an „selbst­re­gu­lie­rende Ein­rich­tun­gen“, „intel­li­gen­tes Auf­la­den von Elek­tro­fahr­zeu­gen“, „Digi­ta­li­sie­rung des Ener­gie­sys­tems“, „elek­tro­ni­sche Über­wa­chung“ oder „ver­netzte Gebäude“. Dabei sind die For­de­run­gen der EPBD 2018 noch nicht im aktu­el­len GEG abge­bil­det. Hin­ter­grund ist, dass die ersten Ent­würfe des GEG ent­stan­den sind, als die EPBD 2018 noch nicht ver­füg­bar war. Weitere Nach­schär­fun­gen der Anfor­de­run­gen im GEG in Bezug auf die Gebäu­de­au­to­ma­tion, das Moni­to­ring, die Anfor­de­run­gen an ver­netzte Kom­po­nen­ten im Gebäude sind somit in den nächs­ten wenigen Jahren zu erwarten.

Die Bewer­tungs­grund­la­gen für den Ener­gie­be­darf kommen inhalt­lich aus der Norm DIN V 18599. Schon seit der ersten Version wurden dort die Ein­flüsse von Gebäu­de­zu­stand und Anla­gen­tech­nik berück­sich­tigt. Im Dezem­ber 2011 wurde diese Norm jedoch um einen 11. Teil ergänzt, um den Ein­flüs­sen durch die Gebäu­de­au­to­ma­tion Rech­nung zu tragen. Der in diesen 11. Teil geflos­sene Inhalt stammt größ­ten­teils aus der Euro­pa­norm EN 15232. Diesen Zusam­men­hang ver­deut­licht Abbil­dung oben.

BAFA-Förderprogramm „BEG“ (Bundes­för­de­rung für effi­zi­ente Gebäude)

Solange die erhöh­ten Anfor­de­run­gen an die Gebäu­de­au­to­ma­tion durch die EPBD 2018 noch nicht gesetz­lich ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben sind, hilft nur Frei­wil­lig­keit. Deshalb sind einige Automations-Maßnahmen im erwähn­ten BEG-Förderprogramm abge­deckt. Wer sich das „Info­blatt zu den för­der­fä­hi­gen Kosten“ ansieht, wird dort in den Abschnit­ten 2.6 und 2.7 einige wich­tige Aus­sa­gen hin­sicht­lich der Gebäu­de­au­to­ma­tion finden.

Wichtig ist, in Wohn­ge­bäude und Nicht­wohn­ge­bäude zu unterscheiden.

Das BEG und das Nichtwohngebäude

In Bezug auf Nicht­wohn­ge­bäude wird in Abschnitt 2.7 darauf hin­ge­wie­sen, dass grund­sätz­lich alle Maß­nah­men för­der­fä­hig sind, die zur „Rea­li­sie­rung eines Gebäu­de­au­to­ma­ti­sie­rungs­gra­des von min­des­tens der Klasse B nach DIN V 18599–11“ führen. Anschlie­ßend sind einige Bei­spiele auf­ge­führt, aber es wird darauf hin­ge­wie­sen, dass diese Auf­lis­tung nicht abschlie­ßend ist.

Was ist nun im Detail diese „Klasse B“ bzw. die ebenso för­der­wür­dige „Klasse A“?

Gemäß Abbil­dung 1 stammt der Inhalt der DIN V 18599–11 aus der EN 15232. Die Klassen sind dort fest­ge­legt – im Detail werden diese dort als Gebäudeautomation-Effizienzklassen wie folgt definiert:

  • Klasse A: hoch ener­gie­ef­fi­zi­en­tes Gebäu­de­au­to­ma­ti­ons­sys­tem (GA-System) und Tech­ni­sches Gebäu­de­ma­nage­ment (TGM)
  • Klasse B: erwei­ter­tes GA-System und einige spe­zi­elle TGM-Funktionen
  • Klasse C: Stan­dard GA-System
  • Klasse D: GA-System, das nicht ener­gie­ef­fi­zi­ent ist

Abbil­dung 2 zeigt einen Aus­schnitt aus einer Arbeits­da­tei zur EN 15232. Dort ist bei­spiel­haft eine Frage zum Auto­ma­ti­ons­grad der Beleuch­tung dar­ge­stellt und es werden unter­schied­li­che Ant­wort­mög­lich­kei­ten auf­ge­führt. Zu erken­nen ist, dass zum Ver­ständ­nis und zur Beant­wor­tung kein spe­zi­el­les Wissen der Gebäu­de­au­to­ma­tion erfor­der­lich ist. Andere Fragen der EN 15232 richten sich an die Kate­go­rien, Heizung, Kühlung, Lüftung, Ver­schat­tung etc. Wer weiß, was Umwälz­pum­pen, Heiz­re­gis­ter oder eine Wär­me­rück­ge­win­nung ist, wird auch diese Fragen beant­wor­ten können.

In der Arbeits­da­tei ist ersicht­lich, zu welcher GA-Effizienzklasse eine jewei­lige Antwort führt – dabei unter­teilt in Wohn­ge­bäude (WG) und Nicht­wohn­ge­bäude (NWG). Beson­ders hilf­reich ist die rechte Spalte „Funk­tio­nale Beschrei­bung“. Die Texte in dieser Spalte stammen nicht aus der Norm, sondern wurden vom „IGT-Institut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie“ im Laufe der Zeit und im Rahmen von vielen Pro­jek­ten ent­wi­ckelt. Die dor­ti­gen Texte können zu Beginn eines Bau­vor­ha­bens als Vorlage für die Beschrei­bung der Anfor­de­run­gen bzw. Moder­ni­sie­rungs­emp­feh­lung ver­wen­det werden.

Nun bezie­hen sich die för­der­fä­hi­gen Maß­nah­men des För­der­pro­gramms BEG auf die Klassen der DIN V 18599–11 und nicht auf die EN 15232. Ganz wichtig zu wissen ist, dass von der DIN V 18599 nicht alle Fragen der EN 15232 über­nom­men wurden. Deshalb ist in der Arbeits­da­tei gemäß Abbil­dung 3 die GA-Effizienzklasse genau dann unter­stri­chen, wenn diese im Wesent­li­chen von der DIN V 18599 über­nom­men wurde – und somit im Rahmen des BEG För­der­pro­gramms als „för­der­wür­dig für Nicht­wohn­ge­bäude“ betrach­tet werden kann.

Konkret bedeu­tet das:

  • Wenn in der Arbeits­da­tei die Angabe der GA-Effizienzklasse unter­stri­chen ist, führt die Maß­nahme zu erhöh­ter Ener­gie­ef­fi­zi­enz und die Maß­nahme ist BEG-förderfähig
  • Wenn in der Arbeits­da­tei die Angabe der GA-Effizienzklasse nicht unter­stri­chen ist, führt die Maß­nahme zu erhöh­ter Ener­gie­ef­fi­zi­enz und ist somit womög­lich trotz­dem sinn­voll; in Bezug auf das BEG ist die Maß­nahme aller­dings nicht förderfähig.

Bitte beach­ten Sie dabei, dass die Arbeits­da­tei auf der EN 15232 beruht. Im Detail sind die For­mu­lie­run­gen in der DIN V 18599 etwas abwei­chend. Somit ist die erwähnte Datei als Arbeits- und Hilfs­mit­tel zu betrach­ten. Vor einer kon­kre­ten Antrags­stel­lung wird emp­foh­len, sich auf die exakten For­mu­lie­run­gen der DIN V 18599–11 zu beziehen.

Die Arbeits­da­tei steht unter dem fol­gen­den Link zum kos­ten­lo­sen Down­load zur Verfügung:

https://​www​.igt​-insti​tut​.de/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​2​1​/​0​2​/​P​l​a​n​u​n​g​s​p​r​o​z​e​s​s​E​N​1​5​2​3​2​-​D​I​N​V​1​8​5​9​9​-​C​h​e​c​k​l​i​s​t​e​V​04.zip

Das BEG und das Wohngebäude

In Bezug auf Wohn­ge­bäude sind in Abschnitt 2.6 die kon­kre­ten för­der­fä­hi­gen Maß­nah­men auf­ge­führt. Alle zuvor aus­ge­führ­ten Infor­ma­tio­nen zur DIN V 18599 bzw. der EN 15232 haben in Bezug auf die För­der­fä­hig­keit keinen Einfluss.

Unter­la­gen des Förderprogramms

Weitere Infor­ma­tio­nen zum BAFA För­der­pro­gramm „GEB“ erhal­ten Sie hier:

Über­blick über das Förderprogramm:

www​.bafa​.de/​D​E​/​E​n​e​r​g​i​e​/​E​f​f​i​z​i​e​n​t​e​_​G​e​b​a​e​u​d​e​/​e​f​f​i​z​i​e​n​t​e​_​g​e​b​a​e​u​d​e​_​n​o​d​e.html

Info­blatt zu den „för­der­fä­hi­gen Kosten“
(in Bezug auf die Gebäu­de­au­to­ma­tion bitte die Abschnitte 2.6 sowie 2.7 beachten):

https://​www​.bafa​.de/​S​h​a​r​e​d​D​o​c​s​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​D​E​/​E​n​e​r​g​i​e​/​b​e​g​_​i​n​f​o​b​l​a​t​t​_​f​o​e​r​d​e​r​f​a​e​h​i​g​e​_​k​o​s​t​en.pdf

Fazit

Es setzt sich auch gesetz­lich die Erkennt­nis durch, dass die Gebäu­de­au­to­ma­tion einen wesent­li­chen Beitrag ganz­heit­lich ener­gie­op­ti­mier­ten Betrieb eines Gebäu­des leistet.

Mit dem BAFA-Förderprogramm „BEG“ steht nun eine finan­zi­elle Unter­stüt­zung zur Durch­füh­rung von sinn­vol­len Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men zur Verfügung.

Web-Vertiefungsseminare und Lehrgang

Bei Inter­esse zur Vertiefung/Erweiterung Ihres Wissens im Umfeld von „Smart Buil­dings“ ver­wei­sen wir auf unsere „Web-Seminarreihe zur Ver­tie­fung“ sowie auch unseren Lehr­gang „Planer und Berater für Smart Building“.

Weitere Infor­ma­tio­nen finden Sie unter:


Mehr übers IGT ist hier zu erfahren.

 

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