Mögliche Komponenten einer smarten Vernetzung im Wohnbereich. Grafik: innogy

Smart-​Home-​Systeme im Vergleich

von | 2. September 2021

Das Münchener IGT – Institut für Gebäu­de­tech­no­logie gibt monatlich Tipps heraus, mit denen Mietern, Verwaltern und TGA-Verant­wort­lichen die Steuerung der Haus­technik leicht gemacht werden soll. Im August nun geht es darum, wie man Smart-​Home-​Systeme mitein­ander vergleichen kann.

Das Angebot an SmartHome-​Systemen nimmt rasant zu. Die große Ge-​meinsamkeit besteht darin, dass fast alle Hersteller versprechen, mit je-​weils ihrer Tech­no­logie beliebige Wünsche der Kunden erfüllen zu können.

In einem umfang­reichen White­paper wurden zumindest die beiden großen Frak­tionen mitein­ander vergleichen – im Detail die „Komplett­systeme“ versus „profes­sio­nelle Voll­sor­ti­menter“ – und deutliche Unter­schiede erarbeitet.

Komplett­systeme versus profes­sio­nelle Vollsortimenter

Als Komplett­systeme werden im Folgenden Systeme bezeichnet, die von einem Hersteller angebo-​ten werden und eine in sich geschlossene Lösung sind. Die verfüg­baren Kompo­nenten wie Senso-​ren, Aktoren und Controller sind aufein­ander abge­stimmt. Die Einrichtung und Program­mierung erfolgt übli­cher­weise über eine App, die ein inter­es­sierter Kunde selber über das Smart­phone oder ein Tablet durch­führen kann.

Im Gegensatz dazu stehen funk- und BUS-​basierte Tech­no­logien wie z.B. EnOcean oder KNX zur Verfügung. Entspre­chende Kompo­nenten werden jeweils in einer großen Anzahl von unterschiedli-​chen Herstellern angeboten und somit ist das Angebot an verfüg­baren Kompo­nenten ausgespro-​chen hoch und kann inter­ope­rabel gemischt werden. Die Einrichtung erfolgt meist mit Hilfe einer PC-​basierten Program­mier­software, deren Ergebnis auf die Kompo­nenten über­tragen wird. Diese Tech­no­logien werden im Folgenden als „profes­sio­nelle Tech­no­logien“ bezeichnet.

Ergeb­nisse des Vergleichs

Beim Vergleich dieser beiden Frak­tionen hat sich gezeigt, dass die „Komplett­systeme“ einen Kos-​tenvorteil haben können. Zum einen sind die Kompo­nen­ten­kosten übli­cher­weise (etwas) geringer und parallel können diese Systeme einfacher und schneller einge­richtet werden.
Aller­dings muss beachtet werden, dass ein fairer Vergleich nur dann durch­ge­führt werden kann, wenn ein begrenzter Anspruch an die Funk­tio­na­lität des Gesamt­systems erhoben wird. Wenn auf-​grund der Anfor­de­rungen nicht nur Stan­dard­kom­po­nenten, sondern auch spezi­fi­schere Sensoren und Aktoren, nicht nur funk‑, sondern auch kabel­ba­sierte Anbindung, nicht nur Stan­dard­funk­tionen, sondern eine spezi­fische Program­mierung erfor­derlich sind, dann ist das mit den Komplett­sys­temen übli­cher­weise nicht durch­führbar. Beim Thema Funk­tio­na­lität sind die profes­sio­nellen Systeme somit klar im Vorteil.

Auch beim Vergleich weiterer Aspekte setzen sich die profes­sio­nellen Tech­no­logien deutlich von den Komplett­sys­temen ab. In Bezug auf die Ausfall­si­cherheit ist es hilfreich, wenn sich Aktoren und Sensoren direkt mitein­ander verknüpfen lassen – d.h. nicht nur über eine einzige zentrale Instanz. Zur Inte­gration in ein bestehendes Schal­t­erpro­gramm (d.h. dem Mix mit normalen Schaltern, Steck­dosen und Blend­rahmen) ist eine hohe Design-​Vielfalt der Kompo­nenten wichtig. Wichtig sind auch profes­sio­nelle Mess- und Test­mög­lich­keiten – insbe­sondere in größeren Projekten ist das ausge­sprochen wichtig, falls der eine oder andere Aktor nicht genau das ausführt, was geplant wurde.

Eine Übersicht der Kriterien und Bewer­tungen zeigt die abge­bildete Tabelle.

Bewer­tungs­aspekte Komplett­system Profes­sio­nelle Technologien
Funk­tio­na­lität Verfügbare Kompo-​nenten Begrenztes Angebot an Sensoren und Aktoren Beliebige Sensoren und Aktoren einbindbar (notfalls direkt an den Controller)
Topologie-​Flexibilität Übli­cher­weise nur funk­ba­sierte Anbindung; dabei ein Controller als zwingende zentrale Kompo­nente (funk­ba­sierte Sterntopologie) Flexi­bi­lität in Bezug auf funk‑, BUS- und direkte Anbindung (Masche, BUS/​Baum und Stern) – dabei auch in belie­biger Kombination
Leistungs-​fähigkeit des Controllers Einfache App-​basierte Einrichtung und Program­mierung; redu­zierte Funk­tionen (z.B. einfache Regeln); Beschränkung auf vordefinierte/​unter­stützte Sensoren und Aktoren Anspruchs­volle Program­mierung über PC-​basierte Software; dafür komplett freie/​beliebige Program­mierung möglich; keine Einschrän­kungen in Bezug auf Sensoren/​Aktoren
Erweiter-
barkeit /​Skalierung
Beschränkte Skalierung (meist nur ein Controller-​Typ verfügbar für sowohl einfache als auch umfang­reiche Projekte) Beliebig skalierbar (von ersten Sensoren und Aktoren in Direkt­kopplung bis hin zu belie­bigen profes­sio­nellen Controllern)
Ausfall­si­cherheit Manuelle Bedienung je nach Aktor teilweise gegeben; bei Controller-​Ausfall ist meist das gesamte System betroffen Alle Aktoren bei Bedarf mit Hand­be­dienung möglich; ergänzend können elementare Funk­tionen (Tempe­ratur, Licht, Verschattung) so geplant werden, dass diese auch bei Controller-​Ausfall nicht betroffen sind
Design-​Vielfalt Übli­cher­weise nur ein oder wenige Designs für Taster etc. verfügbar; somit deutliche Design-​Unterschiede zum Schal­t­erprogram (Licht­schalter, Steck­dosen etc.) wahrscheinlich Hohe Design-​Vielfalt bei den Sensoren und Aktoren verfügbar; Harmo­ni­sierung mit dem Schal­t­erpro­gramm (Licht­schalter, Steck­dosen etc.) wahrscheinlich
IT-​Sicherheit Die Art des Fern­zu­griffs ist übli­cher­weise auf eine Variante beschränkte; teilweise sogar verpflichtend Volle Gestal­tungs­freiheit dahin­gehend, ob ein Fern­zu­griff einge­richtet wird und unter welchen Sicherheitsaspekten
Nach- und Notfallbetreuung Übli­cher­weise nicht verfügbar (d.h. Beschränkung auf Hotline des Herstellers und ggfls. Community-Webseiten) Möglichkeit zur unmit­tel­baren oder alter­nativ späteren Einbindung eines Systemintegrators
Mess- und Testmöglich-keiten Übli­cher­weise keine oder nur einge­schränkte Mess- und Test­mög­lich­keiten (wenn überhaupt, lediglich Anzeige von Signal­stärken am Standort des Controllers) Umfang­reiche Mess- und Test­mög­lich­keiten (externe Test­geräte zur Messung von Signal­stärken an belie­bigen Stellen in der Immobilie); Anzei­ge­mög­lichkeit der über­mit­telten Daten zwischen Kompo­nenten; Verfüg­barkeit entspre­chender Doku­men­tation zur Interpretation
Investitions-​schutz Risiko von Produkt­ab­kün­di­gungen in mehreren Jahren; somit Risiko, Kompo­nenten später nicht nach­kaufen oder ersetzen zu können Hohe Wahr­schein­lichkeit bezüglich Nachkaufs- und Ersatzbeschaffungs-​Möglichkeit in mehreren Jahren – notfalls über einen anderen Hersteller
Gesamt­kosten Kosten­er­sparnis aufgrund der zwangs­läu­figen Eigen­durch­führung von Planung, Instal­lation und Inbetriebnahme; Kosten­er­sparnis bei Eigen­durch­führung von Planung, Instal­lation und Inbe­trieb­nahme möglich;
Kosten der Kompo­nenten etwas günstiger als profes­sio­nelle Technologien Etwas höhere Kosten der Kompo­nenten; Höhere Kosten bei Einbindung von System­in­te­gra­toren (sofern gewünscht – z.B. bei wach­sender Komplexität)

Ebenso sollte beachtet werden, ob ein Inves­ti­ti­ons­schutz gegeben ist – d.h. wie hoch ist die Wahr­schein­lichkeit, dass eine Nach- oder Ersatz­be­schaffung von Kompo­nenten einer Tech­no­logie auch nach 5, 10 oder noch mehr Jahren möglich ist.

Voll­stän­diges Whitepaper

Das voll­ständige White­paper (20 Seiten) mit umfang­rei­cheren Ausfüh­rungen zu den Kriterien und den Bewer­tungen ist hier verfügbar.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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