Dezentrale Erzeugung und Verbauch sind Grundlagen für die Energiewende in Bürgerhand. Foto: Urbansky

Energie-​Genossenschaften: Immer weniger Neugründungen

von | 8. Juli 2016

Neugrün­dungen von Ener­gie­ge­nos­sen­schaftenwerden immer seltener. 2015 wurden lediglich noch 40 gegründet – im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 25 %, so die Jahres­um­frage Ener­gie­ge­nos­sen­schaftenvom DGRV – Deutscher Genossenschafts- und Raiff­ei­sen­verband und der Agentur für Erneu­erbare Energien (AEE).

Nach Ansicht des DRGV schränken vor allem die wirt­schaft­lichen Grenzen für neue Photo­vol­ta­ik­pro­jekte die Akti­vi­täten der Ener­gie­ge­nossen deutlich ein. Die Ausschrei­bungen im EEG seien eine weitere Hürde. Zwar wurde im neuen EEG hier nochmals auf Druck der SPDetwas gegen­ge­steuert. Die Genos­sen­schaften sollen bei Ausschrei­bungen besser gestellt werden als Strom­kon­zerne. Sie müssen keine teure Emis­si­ons­schutz­ge­neh­migung vor Beginn einer Auktion vorlegen. Und Mieter bleiben in Häusern mit Solar­an­lagen, die oftmals von Genos­sen­schaften betreiben werden, von der Ökostrom­umlage befreit.

Ob das reicht, ist zwei­felhaft. Die ersten vier Ausschrei­bungs­runden für Photovoltaik-​Freiflächen-​Anlagen ließen die Genossenhinten anstehen. Lediglich 0,22 Prozent der bezu­schlagten Gebote nach Leistung entfielen auf Ener­gie­ge­nos­sen­schaften. Entspre­chend kritisch wird nun die Einführung von Ausschrei­bungen für Wind­energie durch das EEG 2016 gesehen – trotz der vom Gesetz­geber vorge­schla­genen Bürger­en­er­gie­regel. Hiernach sollen Bürger­en­er­gie­ge­sell­schaften in einer früh­zei­tigen Planungs­phase in die Ausschreibung gehen können.

Doch genau da sieht der DRGV noch eine weitere Gefahr: Nach einem Zuschlag zum frühen Planungs­zeit­punkt kann das Projekt im weiteren Prozess bis zur Geneh­migung aus unter­schied­lichen Gründen scheitern. Dann würde die Bürger­en­er­gie­ge­sell­schaft unver­schuldet ihre Planungs­kosten verlieren und müsste zusätzlich noch eine Strafe zahlen. Das können bis zu 45.000 Euro pro Anlage sein.


Eine Möglichkeit, wie Bürger auch außerhalb von Genos­sen­schaften an der Ener­gie­wende beteiligt werden können, wird hier von den Energieblogger-​Kollegen auf dem Blog Milk the Sun beschrieben.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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