Geht immer weiter zurück: Erdgasförderung in Deutschland. Foto: Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung

Deutsche Erdgas­för­derung schrumpft massiv

von | 7. Juli 2016

Deutschland ist immer weniger in der Lage, seinen Erdgas­hunger selbst zu stillen. Insgesamt wurden 2015 in Deutschland nur noch 9,3 Milli­arden Kubik­meter Rohgas produ­ziert. Das entspricht einem Förder­rückgang von 7,3 %.

Die heimische Förderung trug damit nur noch 9,7 % zum Erdgas­ver­brauch bei, so der Bericht „Erdöl und Erdgas in der Bundes­re­publik Deutschland 2015” des Landes­amtes für Bergbau, Energie und Deutschland (LBEG). Vor 10 Jahren waren es noch etwa 20 %.

Zum Vergleich: Im Jahr 2014 produ­zierte Deutschland noch 10,1 Milli­arden Kubik­meter, 2013 lag das Volumen bei 10,7 Milli­arden Kubik­metern und vor zehn Jahren waren es sogar 20 Milli­arden Kubik­meter und damit mehr als doppelt so viel.

Dieser Abwärts-​Trend wird sich fort­setzen. Denn im letzten Jahr wurden nur noch sechs neue Bohrungen zur Erkundung von Lager­stätten abgeteuft. 2014 waren es noch zehn Bohrungen. Die geophy­si­ka­li­schen Akti­vi­täten wie seis­mische Unter­su­chungen sind ebenfalls zurückgegangen.

Die Anzahl der aktiven Feldes­ent­wick­lungs­boh­rungen hat sich gegenüber 22 im Vorjahr auf 11 halbiert. Weitere 13 Bohrungen hatten ihre Endteufe bereits vor 2015 erreicht, aber noch kein Ergebnis erhalten. 14 Bohrungen wurden 2015 mit erfolg­reichem Ergebnis abge­schlossen; davon waren 9 öl- oder gasfündig und 5 hatten als Hilfs­boh­rungen ihr Ziel erreicht. Nachdem die jährliche Bohr­me­ter­leistung 2013 gegenüber den Vorjahren drastisch zurück­ge­gangen war, hatte sie sich in 2014 etwas erholt. 2015 ist sie abermals deutlich zurück­ge­gangen und erreichte einen Wert von knapp 33.000 m. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um ein Drittel.

Die Gesamt­fläche der Erlaub­nis­felder zur Aufsu­chung von Kohlen­was­ser­stoffen (Erdöl und Erdgas) hat sich um etwa 18.000 km² auf 87.000 km² verkleinert, da sich die Unter­nehmen aus einigen Gebieten zurück­ge­zogen haben. Neue Erlaub­nis­felder wurden nur in Nieder­sachsen, Bran­denburg und Rheinland-​Pfalz vergeben.

Die Summe der sicheren und wahr­schein­lichen Erdgas­re­serven ist wie in den letzten Jahren weiter zurück­ge­gangen. Gegenüber 2014 haben die Reserven um 14,2 Mrd. m³ abge­nommen und beliefen sich auf 74,4 Mrd. m³. Sie haben also wieder um mehr als die im Jahres­verlauf entnommene Förder­menge abgenommen.

Entgegen dem lang­jäh­rigen Trend hat das nutzbare Arbeits­gas­vo­lumen der Untertage-​Erdgasspeicher im vergan­genen Jahr um 0,5 Mrd. m3 auf 24,1 Mrd. m3 abge­nommen. Es soll jedoch in den kommenden Jahren um weitere 4,0 Mrd. m3 ausgebaut werden. Mehr zu Spei­cher­pro­ble­matik findet sich hier.

Demge­genüber war die Erdöl­för­derung im vergan­genen Jahr annähernd stabil. So wurden insgesamt 2,4 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Das ist ein leichter Förder­rückgang von rund 20.000 Tonnen bzw. 0,7 % gegenüber 2014. Die heimische Förderung trug in 2015 mit einem Anteil von 2,5 % zum Erdöl­ver­brauch bei.

Die Summe der sicheren und wahr­schein­lichen Erdöl­re­serven ist gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Mio. t ange­wachsen und betrug 33,9 Mio. t. Die in 2015 entnommene Förder­menge konnte also durch zusätz­liche Reserven mehr als ausge­glichen werden.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. Jan Gesthuizen

    Die Zahlen zeigen deutlich, warum wir vor allem bei der Wärme mehr tun müssten, denn gerade hier wird ja das meiste Gas verbraucht. Und auch wenn die Ölre­serven auf dem Papier gestiegen sind, ist der Anteil den wir heimisch decken ja vernachlässigbar.

    Daher muss in Punkto Öl gerade bei der Mobilität und sicher auch bei der Petro­chemie noch einiges mehr passieren.

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