Blockheizkraftwerke sind eine der wichtigsten Technologien der Contractingbranche. Foto: E.ON

Ab Dezember: Ausschrei­bungen für KWK von 1 bis 50 MW

von | 6. Juni 2017

Betreiber von Kraft-​Wärme-​Kopplungsanlagen (KWK) mit einer Leistung zwischen einem und 50 Megawatt müssen in Zukunft an einer Ausschreibung teil­nehmen, wenn für diese Anlagen eine Förderung gezahlt werden soll. 

Einzel­heiten regelt die von der Bundes­re­gierung vorge­legte „Verordnung zu Ausschrei­bungen für KWK-​Anlagen und inno­vative KWK-​Systeme, zu den gemein­samen Ausschrei­bungen für Wind­ener­gie­an­lagen an Land und Solar­an­lagen sowie zur Änderung weiterer Vorschriften”.

Damit wird die Höhe der finan­zi­ellen Förderung von KWK-​Anlagen nicht mehr gesetzlich fest­gelegt, sondern in Ausschrei­bungen ermittelt. Das Ausschrei­bungs­system soll am 1. Dezember 2017 beginnen.

Die Regierung würdigt das Ausschrei­bungs­modell wegen seiner sehr hohen Inves­ti­ti­ons­si­cherheit, während die gesetz­liche Fest­legung der Förderhöhe Inef­fi­zi­enzen mit sich bringen könne.

Inno­vative KWK bevorzugt

Für besonders inno­vative KWK-​Anlagen zwischen einem und zehn Megawatt soll eine eigene Förder­ka­te­gorie ebenfalls auf Basis von Ausschrei­bungen gebildet werden. Als besonders innovativ gelten KWK-​Systeme, die zusätzlich zur Strom- und Wärme­er­zeugung auch erneu­erbare Wärme bereit­stellen. Die Ausschrei­bungen für inno­vative Systeme haben Pilotcharakter.

Die Ausschrei­bungen für KWK-​Anlagen beginnen in diesem Jahr mit einem Volumen von 100 Megawatt. Ab 2018 steigt das Volumen auf 200 Megawatt pro Jahr, wovon erstmals 50 Megawatt für inno­vative KWK-​Anlagen zur Verfügung stehen. Der Anteil der inno­va­tiven Anlagen wird in den Folge­jahren schritt­weise erhöht. 2021 sollen nach Angaben der Regierung Ausschrei­bungen für 135 Megawatt auf KWK-​Anlagen und 65 Megawatt auf inno­vative KWK-​Anlagen entfallen.

Um die Abgabe zu hoher Gebote ange­sichts des zu erwar­tenden niedrigen Wett­be­werbs zu verhindern, werden Höchst­werte für die Ausschreibung einge­führt. So wird der Höchstwert für KWK-​Anlagen auf sieben Cent und für inno­vative KWK-​Anlagen auf zwölf Cent pro Kilo­watt­stunde fest­gelegt. Höhere Gebote werden von der Ausschreibung ausgeschlossen.

Gemeinsam mit Wind und Solar

Außerdem werden mit der Verordnung in begrenztem Umfang gemeinsame Ausschrei­bungen von Wind­ener­gie­an­lagen an Land und von Solar­an­lagen mit einem Volumen von 400 Megawatt pro Jahr ermög­licht. Ziel ist es laut Bundes­re­gierung, „Funk­ti­ons­weise und Wirkungen von ener­gie­trä­ger­über­grei­fenden Ausschrei­bungen zu erproben und die Ergeb­nisse zu evalu­ieren”. Diese Ausschrei­bungen sollen Pilot­cha­rakter haben und von der Bundes­netz­agentur zwischen 2018 und 2020 durch­ge­führt werden.

In Gebieten, in denen zusätz­liche Erneuerbare-​Energien-​Anlagen einen weiteren Netz­aus­bau­bedarf mit sich bringen würden, werden die Gebote mit einem Aufschlag belegt. Nach Angaben der Regierung verringern sich damit die Zuschlags­chancen solcher Anlagen. Weitere Rege­lungen sollen verhindern, dass Wind­ener­gie­an­lagen überhöhte Renditen erwirt­schaften, wenn die Ausschrei­bungen ohne „Refe­renz­er­trags­modell” stattfinden.

Sicher­heiten gefragt

Für Anlagen, die einen Zuschlag erhalten haben, müssen die Bieter finan­zielle Sicher­heiten hinter­legen. Damit soll sicher­ge­stellt werden, dass die Anlagen auch tatsächlich errichtet werden. Werden die Anlagen nicht innerhalb von 48 Monaten nach Zuschlags­er­teilung errichtet, wird eine Straf­zahlung (Pönale) fällig. „Je höher die Pönale bei ansonsten wenig strengen Teil­nah­me­vor­aus­set­zungen ist, desto höher ist in der Regel die Wahr­schein­lichkeit, dass die Gebote in konkrete Projekte umgesetzt werden”, erwartet die Bundesregierung.


Die sozia­len Folgen des Kohle­aus­stiegs, in des­sen Zuge auch etli­che KWK-​Kraftwerke still­ge­legt wer­den, beschäf­tigt Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Präzises Hagel­ri­si­ko­modell für Solarparks

Präzises Hagel­ri­si­ko­modell für Solarparks

Mit neuen Erkenntnissen zu Windgeschwindigkeiten bei Hagelstürmen hat VDE Americas sein Hagelrisikomodell für Solarparks überarbeitet. Die Daten zeigen stärkere Winde als bislang angenommen und liefern eine präzisere Grundlage für die Bewertung von Schadensrisiken....

Wie Biber Land­schaften zu CO₂-​Speichern machen

Wie Biber Land­schaften zu CO₂-​Speichern machen

Biber verändern Ökosysteme tiefgreifend – und leisten dabei offenbar deutlich mehr für den Klimaschutz als bislang angenommen. Neue Forschungsergebnisse zeigt, dass ihre Dämme Feuchtgebiete entstehen lassen, Kohlenstoff im Boden binden und ganze Landschaften zu...

Neue Gasrei­nigung bringt Wasser­stoff auf Industriequalität

Neue Gasrei­nigung bringt Wasser­stoff auf Industriequalität

Im Energiepark Bad Lauchstädt hat eine neue Gasaufbereitungsanlage die Dichtheitsprüfung bestanden. Sie soll künftig sicherstellen, dass grüner Wasserstoff die für industrielle Anwendungen erforderlichen Qualität erreicht. Damit grüner Wasserstoff tatsächlich in der...

Verga­ser­kessel brauchen spezi­fi­sches Brennholz

Verga­ser­kessel brauchen spezi­fi­sches Brennholz

Holzvergaserkessel sind die technisch anspruchsvollere Variante klassischer Stückholzheizungen. Der entscheidende Unterschied: Das Holz verbrennt nicht direkt, sondern wird in einem zweistufigen Prozess zunächst thermisch zersetzt. Das entstehende Holzgas wird...