PV-Speicher: Nachrüstung läuft schleppend

Passt in jeden Keller. Fotos: RWE
Passt in jeden Keller. Fotos: RWE

In unse­rer Serie zur Zukunft der PV-Speicher spre­chen wir heute mit Carsten Welge, Produktmanager Batteriespeicher der RWE Effizienz GmbH. Er sieht einen sich gerade ent­wi­ckeln­den Massenmarkt, aber auch eine schlep­pende Kopplung von bestehen­den PV-Anlagen mit Speichern.

Ab wann erwar­ten Sie den brei­ten wirt­schaft­li­chen Durchbruch für
Stromspeichersysteme?

Der Massenmarkt ent­wi­ckelt sich gerade. Wichtig ist, dass die selbst erzeugte und gespei­cherte Kilowattstunde immer güns­ti­ger ist als die Kilowattstunde aus dem Netz. Dann ent­schei­den sich die Kunden für Hausspeicher. Das sehen wir heute schon im Neubau. Insgesamt geht die Entwicklung schnell wei­ter, so dass wir in kür­ze­rer Zeit von Netzparität spre­chen kön­nen.

Welche Vorteile haben aus Ihrer Sicht Stromspeicher gegen­über Wärmespeichern, etwa der Power-to-Heat-Technologie, die ja auch über­schüs­si­gen PV-Strom in Form von Warmwasser spei­chern könnte?

Jeder Haushalt muss schauen, was für ihn der beste Anwendungsfall ist. Wir bei RWE Effizienz ent­wi­ckeln für beide Technologien inno­va­tive Produkte. Ein Vorteil der Energiespeicherung in Form von Strom ist viel­leicht, dass man für jedes elek­tri­sche Gerät den Speicher ganz ein­fach wie­der ent­la­den kann. Man ist in den Anwendungsfällen nicht ein­ge­schränkt.

Welche grund­le­gen­den Unterschiede sehen Sie zwi­schen der blei­ba­sier­ten und der Lithium-basierten Speichertechnologie?

Die wich­tige tech­no­lo­gi­sche Entwicklung im Speicherbereich haben wir mit der Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterien eigent­lich schon durch­lau­fen. Die hoch­mo­der­nen Sonnenspeicher von RWE basie­ren alle auf der Lithium-Ionen-Technologie. Vorteile der Li-Ionen-Technik sind:

  • zukunfts­si­chere Technik
  • hohe Energiedichte
  • schnelle Ladezeiten
  • eine sehr hohe Zyklenfestigkeit
  • lange Lebensdauer (20 Jahre)
  • hohe Sicherheit
  • war­tungs­arm

Nachteile des Bleis sind:

  • gerin­gere Energiedichte
  • mehr Raumbedarf

bereits aus­ge­reizte Technologie

Welche Systeme haben Sie für die ver­schie­de­nen Wohnungsgrößen im
Angebot?

Die von RWE ange­bo­te­nen Energiespeicher spre­chen pri­mär Haushaltskunden und klei­nere Gewerbebetriebe an. Unser aktu­el­les Angebot reicht von 4-Kilowattstunden bis 13,8-Kilowattstunden-Systemen. Ortnetzspeicher tes­tet und ent­wi­ckelt RWE in meh­re­ren Projekten. Die Feldtests dau­ern noch an. Ein Produkt für die­ses Segment bie­ten wir der­zeit nicht an.

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Das aktu­elle Speichersystem RWE Storage flex ergänzt seit die­sem Jahr die Produktpalette um ein kos­ten­güns­ti­ges Modell mit moder­ner Sony Fortelion Lithium-
Ionen-Technologie.

Carsten Welge
Carsten Welge

Mit der Qualität sind wir sehr zufrie­den, denn die Technologie zeich­net sich durch schnelle Ladezeiten, eine sehr hohe Zyklenfestigkeit von 10.000 Ladezyklen, lange
Lebensdauer und Sicherheit aus. In Verbindung mit guter Leistungselektronik und aus­ge­reif­tem Lademanagement ist RWE Storage flex somit beson­ders für den Einsatz im pri­va­ten Bereich geeig­net. Mit sei­nem Querformat (Breite 112 cm, Höhe ca. 90 cm) lässt sich der neue Speicher ideal unter dem Wechselrichter auf­stel­len. RWE Storage flex kann von einer effek­tiv nutz­ba­ren Speicherkapazität von 3,9 kWh in zwei Stufen auf bis zu 7,8 kWh aus­ge­baut wer­den.

Die Batteriespeicher sind sehr war­tungs­arm und haben eine Lebenserwartung von über 20 Jahren. RWE Effizienz gewährt zehn Jahre Garantie auf das Gerät und die Batteriemodule. Die neue intel­li­gente Speicherlösung ist mit jeder Photovoltaikanlage kom­pa­ti­bel, KfWförderfähig und eig­net sich ebenso für neue Anlagen wie für Nachrüstungen. Sie ist sofort im Handel ver­füg­bar.

RWE Storage flex ist direkt in die Haussteuerung RWE SmartHome ein­ge­bun­den. Damit steigt die Eigenstromnutzung auf bis zu 70 Prozent. Zum effi­zi­en­ten Speichermanagement mit intel­li­gen­ter Solarstromnutzung bie­tet die Integration in RWE SmartHome jeder­zeit die Möglichkeit des mobi­len Fernzugriffs.

Sie müs­sen sich das so vor­stel­len: über RWE SmartHome kön­nen aus­ge­wählte Verbraucher gezielt ein­ge­schal­tet wer­den, wenn viel Solarstrom pro­du­ziert wird oder im Batteriespeicher zur Verfügung steht. So errei­chen Sie ein Höchstmaß an Eigenstromnutzung.

Ein Beispiel: Ihre Gartenbeleuchtung wird auto­ma­ti­sch ein­ge­schal­tet, wenn es dun­kel
ist (erste Bedingung) und der Ladezustand im Speicher höher als zehn Prozent ist (zweite Bedingung). Sollte eine der bei­den Bedingungen nicht erfüllt sein, bleibt Ihre Gartenbeleuchtung aus­ge­schal­tet. Damit illu­mi­nie­ren Sie Ihren Garten voll­stän­dig ener­gie­aut­ark. Zeit- und Logikprofile jeder Art sind mög­lich, sei es für die Teichpumpe, für die Waschmaschine oder auch die Heizungsanlage.

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Die Preise für RWE Storage flex ein­schließ­lich des Hausautomations- und Energiemanagementsystems begin­nen bei rund 7.000 Euro ohne Mehrwertsteuer. Der Preis pro nutz­ba­rer Kilowattstunde liegt bei güns­ti­gen 1.400 Euro pro kWh.

Welche der Speicheroptionen – Hausspeicher oder Ortsnetzspeicher – hal­ten Sie grund­sätz­lich für effek­ti­ver?

Diese Frage lässt sich nicht so pau­schal beant­wor­ten. Jedes Speicherkonzept hat sei­nen sinn­vol­len Anwendungsfall. Bei den Hausspeichern sind wir schon sehr weit, sie sind sofort ver­füg­bar und wer­den heute schon ver­baut.

Ortsnetzspeicher wer­den bei RWE bereits in Pilotprojekten getes­tet. Generell gilt zwar, dass grö­ßere Speichereinheiten umge­rech­net auf die Kilowattstunden güns­ti­ger ein­zu­rich­ten sind. Aber hier muss sich bei den gesetz­li­chen Rahmenbedingungen noch mehr tun. Problematisch ist die Vielfalt der Akteure und auch die Abgaben- und Entgeltsituation muss eben­falls gere­gelt wer­den. Die eigent­li­che Entscheidung für das eine oder andere Modell sollte man lokal von den Gegebenheiten im Netz abhän­gig machen. Hausspeicher sind ein­fa­cher zurea­li­sie­ren.

In wel­chem Fall hal­ten Sie die Nachrüstung von PV-Anlagen mit Speichern zur Eigenverwendung für sinn­voll, die bis­her nur für die Einspeisung aus­ge­legt waren?

Das Potenzial für PV-Anlagen auf Dächern deut­scher Ein- und Mehrfamilienhäuser ist nach wie vor sehr groß. Heute wer­den in die­sem Segment PV-Anlagen neu gebaut, die immer mehr mit Speichern gekop­pelt wer­den. Das halte ich auch für wich­tig.

Die Nachrüstung von bestehen­den PV-Anlagen ver­läuft noch etwas schlep­pend, da
viele höhere Einspeisevergütungen erhal­ten als der heu­tige Netzbezugspreis aus­macht. Liegt die Einspeisevergütung aber unter­halb des Netzbezugspreises kann eine Nachrüstung heute schon wirt­schaft­lich sinn­voll sein. Wir bera­ten unsere Kunden hier sehr indi­vi­du­ell.

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Welche Lösungen bie­ten Sie dafür an?

Durch die RWE Speicherlösungen hat der Kunde einen Vorteil: sie sind wech­sel­strom­sei­tig ange­schlos­sen, das heißt, die Speicher arbei­ten im Haushalt wie jedes andere elek­tri­sche Gerät. Dadurch sind die RWE Speichersysteme sowohl für Neubauten als auch für Nachrüstungen per­fekt geeig­net. Unser Stärke ist die Verbindung von Sonnenspeichern mit unse­rem Energiemanagement RWE SmartHome. Verbunden mit dem Speicher kön­nen Sie alle Geräte im Haus intel­li­gent steu­ern. Hier geht der Trend hin.

Gibt es bereits Refinanzierungs-Rechnungen?

Die Amortisationszeit ist abhän­gig vom elek­tri­schen Energieverbrauch, der Größe der Photovoltaik-Anlage und der gewähl­ten Speicherkapazität. Bei opti­ma­ler Auslegung von PV-Anlage und Speicher kann sich eine Erzeugungsanlage in einem Zeitraum von etwa 12 bis 14 Jahren amor­ti­sie­ren. Dabei rech­nen wir mit der aktu­el­len Einspeisevergütung und einer durch­schnitt­li­chen Strompreiserhöhung von 3 %. Alle unsere Produkte sind KfW-förderfähig.


Der erste Teil die­ser Serie, „PV-Speicher: Durchbruch hat bereits statt­ge­fun­den“, fin­det sich hier.

Der zweite Teil, „PV-Speicher: Egal ob Blei oder Lithium – alle Batterien sind gut“, ist hier zu lesen.

Im drit­ten Teil geht es unter ande­rem darum, dass große Preissenkungen bei den Speichern nicht mehr mög­lich sind.

Der vierte Teil, ob sich die Umrüstung  vor­han­de­ner PV-Anlagen zur Eigennutzung via Speiche rlohnt, ist hier zu lesen.

Ein Beitrag mei­ner Blogger-Kollegen von energie-experten.org zur Fortführung der PV-Speicherförderung auch in die­sem Jahr fin­det sich hier.