PV-Speicher: Keine großen Preissenkungen mehr möglich

Endabnahme einer Sonnenbatterie. Foto: Sonnenbatterie
Endabnahme einer Sonnenbatterie. Foto: Sonnenbatterie

Heute geht es wei­ter mit unse­rer Interview-Serie zur Zukunft der PV-Speicher. Mathias Bloch von Sonnenbatterie meint, dass viele Interessenten voll­kom­men fal­sche, viel zu hohe Preisvorstellungen haben. Allerdings: Große Preissenkungen wie vor zwei Jahren mit 50 % seien auch nicht mehr drin.

Ab wann erwar­ten Sie den brei­ten wirt­schaft­li­chen Durchbruch für Stromspeichersysteme?

Wir sehen häu­fig einen Unterschied in der öffent­li­chen Wahrnehmung des Preises von Stromspeichern und dem tat­säch­li­chen Preis. Viele Interessenten haben Kosten von 15.000 bis 20.000 Euro oder mehr im Hinterkopf und sind über­rascht wenn sie sehen, dass sie bei uns schon ein anschluss­fer­ti­ges Komplettsystem ab 5.475 Euro brutto bekom­men.

Unsere Stromspeicher sind heute bereits sehr wirt­schaft­lich. Sie amor­ti­sie­ren sich bei rich­ti­ger Dimensionierung inner­halb von 10 bis 12 Jahren. Danach erzeugt der User noch min­des­tens ein Jahrzehnt lang kos­ten­lo­sen Strom. Wie diverse Studien bele­gen, liegt die Lebensdauer von PV-Modulen bei rund 25 bis 30 Jahren, also weit über ihrem Abschreibungszeitraum von 20 Jahren. Unsere Speichersysteme errei­chen eine Lebensdauer von 10.000 Ladezyklen und sind für min­des­tens 20 Jahre aus­ge­legt.
Wie bei allen Technologien wer­den die Preise noch ein Stück zurück­ge­hen aller­dings nicht mehr in dem Maß, wie das bis­her gesche­hen ist. Die Technologie ist mitt­ler­weile soweit aus­ge­reift, dass Preissenkungen von 50 Prozent, wie die Sonnenbatterie sie 2014 gemacht hat, nicht mehr mög­lich sein wer­den.

Einen Preis für die kWh/Speicherkapazität zu nen­nen hal­ten wir nicht für sinn­voll, da es keine Rückschlüsse über die Qualität der Batterien wie Langlebigkeit und Sicherheit sowie den Ausstattungsgrad des Speichersystems zulässt. Zum Beispiel lässt sich ein voll­in­te­grier­tes und intel­li­gen­tes Komplettsystem wie die Sonnenbatterie nicht mit einem blo­ßen Batterieblock ver­glei­chen, der kei­ner­lei Anschlüsse oder Software hat.

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Welche Vorteile haben aus Ihrer Sicht Stromspeicher gegen­über Wärmespeichern, etwa der Power-to-Heat-Technologie, die ja auch über­schüs­si­gen PV-Strom in Form von Warmwasser spei­chern könnte?

Unser Ziel ist es, dass der Eigenverbrauch des Kunden so hoch wie mög­lich ist. Die Nutzung von über­schüs­si­gem Solarstrom für die Aufbereitung von war­men Wasser hal­ten wir also für eine sinn­volle Ergänzung für einen Stromspeicher. Die Sonnenbatterie hat zum Beispiel bereits die ent­spre­chen­den Schnittstellen, um einen Heizstab zu akti­vie­ren oder eine Wärmepumpe anzu­schlie­ßen. Das ermög­licht den Usern eine noch effi­zi­en­tere Nutzung ihres selbst erzeug­ten Stroms und spart am Ende noch mehr Geld.

Welche grund­le­gen­den Unterschiede sehen Sie zwi­schen der blei­ba­sier­ten und der Lithium-basierten Speichertechnologie?

Grundsätzlich fin­den wir, dass Blei-Speichersystemen tech­ni­sch über­holt sind. Blei hatte lange Zeit den Vorteil, dass es noch etwas güns­ti­ger als Lithium war aller­dings ist die Differenz in den letz­ten andert­halb Jahren deut­lich klei­ner gewor­den, so dass die Vorteile der Lithium-Technologie klar über­wie­gen.

Als Vorteile der Lithium-Speicher sehen wir fol­gende Punkte:

  • deut­lich höhere Lebensdauer von 10.000 Ladezyklen im Vergleich zu 2.500 Ladezyklen bei Blei
  • deut­lich kom­pak­tere Bauweise und nied­ri­ge­rer Platzbedarf da viel höhere Energiedichte
  • keine Wartungskosten wie sie z.B. beim Auffüllen mit Wasser bei Blei-Akkus not­wen­dig machen
  • Wirkungsgrad von Blei-Akkus ist mit rund 50 bis 60 % deut­lich nied­ri­ger als der von Lithium-Akkus (über 90 %), es geht also viel weni­ger Energie beim Laden/Entladen ver­lo­ren
  • Entladetiefe von 100 % mög­lich wäh­rend Blei durch­schnitt­lich nur 50 % erreicht
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Welcher Systeme haben Sie für die ver­schie­de­nen Wohnungsgrößen im Angebot?

Die Sonnenbatterie bie­tet in Deutschland Speichersysteme mit unter­schied­li­cher Kapazität und Leistungen an. Damit bie­ten wir fle­xi­ble und pass­ge­naue Systeme für jeden Haushalt an.  Die klein­ste Sonnenbatterie für Haushalte mit einem sehr nied­ri­gen Energieverbrauch hat eine Kapazität von 2 kWh und einer Dauerleistung von 1,5 kW. Bei den wei­te­ren Modellen geht es in Schritten von 2 kWh wei­ter, die sich an die unter­schied­li­chen Haushaltsgrößen anpas­sen. Die größte Sonnenbatterie mit einer Kapazität von 16 kWh und einer Dauerleistung von 3,3 kW eig­net sich auch für Mehrfamilienhäuser.

Welche der Speicheroptionen  – Hausspeicher oder Ortsnetzspeicher – hal­ten Sie grund­sätz­lich für effek­ti­ver?

Wir hal­ten netz­dien­li­che Hausspeicher wie die Sonnenbatterie für die effek­ti­vere Variante wenn es darum geht, die Verteilnetze zu ent­las­ten. Spannungsspitzen sind ja von der Leitungslänge abhän­gig, die höchste Belastung tritt also am Ende des Niederspannungsnetzes auf. Bestes Beispiel sind ja große PV-Anlagen auf land­wirt­schaft­li­chen Gebäuden, die häu­fig abseits lie­gen und gerade am Mittag eine hohe Belastung für das Ortnetz dar­stel­len. Zentral gele­gene Ortsnetztrafos kön­nen das Netz also nie in dem Maß ent­las­ten wie Hausspeicher, die Spannungsspitzen direkt dort kom­pen­sie­ren, wo sie auch auf­tre­ten.

In wel­chem Fall hal­ten Sie die Nachrüstung von PV-Anlagen mit Speichern zur Eigenverwendung für sinn­voll, die bis­her nur für die Einspeisung aus­ge­legt waren?

Wir hal­ten eine Nachrüstung für alle PV-Anlagen sinn­voll, die ab 2009 ans Netz gegan­gen sind. Zwischen 2009 und 2012 wurde der Eigenverbrauch ja ver­gü­tet. Besitzer einer PV-Anlage aus die­ser Zeit kön­nen ihre Anlage im Nachhinein ein­ma­lig auf Eigenverbrauch ummel­den und kön­nen so noch in den Genuss der Förderung kom­men. Ein Stromspeicher ist hier durch­aus sinn­voll, da er die Menge des selbst genutz­ten Stroms deut­lich erhöht.

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Aber auch für PV-Anlagen die nach der Eigenverbrauchsvergütung instal­liert wur­den ist die Nachrüstung mit einem Speicher sinn­voll, da die Einspeisevergütung deut­lich unter dem heu­ti­gen Strompreis liegt. Insofern spa­ren Speicherbetreiber in der Regel mehr ein wenn sie ihren Strom selbst nut­zen als sie für den Strom noch bekom­men wür­den. Dazu kommt, dass die Ende des Jahres aus­lau­fende Speicherförderung der KfW auch für Anlagen gilt, die ab 01.01.2013 in Betrieb gin­gen. Nachrüster kön­nen also noch­mal zusätz­lich bis zu 30 Prozent des Anschaffungspreises spa­ren.

Welche Lösungen bie­ten Sie dafür an?

Die Sonnenbatterie ist ein AC-gekoppeltes Speichersystem und kann damit unab­hän­gig von der Größe der PV-Anlage oder vom Wechselrichter nach­ge­rüs­tet wer­den.

Gibt es dafür bereits Refinanzierungs-Rechnungen?

Eine seriöse Refinanzierungsrechnung hängt von zahl­rei­chen, sehr indi­vi­du­el­len Faktoren ab. Wir bie­ten Kunden eine aus­führ­li­che und maß­ge­schnei­derte Rechnung an, an der er sich ori­en­tie­ren kann.


 

Ein Beitrag, wie man auch aus Apfelresten einen PV-Speicher her­stel­len kann, fin­det sich hier bei mei­nen Energieblogger-Kollegen von ener­gy­load.

Der erste Teil die­ser Serie, „PV-Speicher: Durchbruch hat bereits statt­ge­fun­den“, fin­det sich hier.

Der zweite Teil, „PV-Speicher: Egal ob Blei oder Lithium – alle Batterien sind gut“, ist hier zu lesen.

2 Kommentare

  1. Guten Tag,
    ein inter­es­san­ter Punkt ist auch das Recycling der Zellen. Während Bleizellen von den meis­ten Herstellern zur Wiederaufbereitung zurück­ge­nom­men wer­den (was bei ange­peil­ten 20 Jahren Nutzungsdauer und mehr ja mehr­mals der Fall sein wird), wer­den Lithium Zellen der­zeit nur ther­mi­sch behan­delt. Das heißt, sie wer­den ver­brannt und die Metalle wer­den wie­der­ver­wer­tet. Macht aber nichts, denn Lithium macht ohne­hin nur 3-4% einer Zelle aus (lt. Prof. Wilkening, Uni Graz).

    Ich habe mir die Kosten pro gespei­cher­ter kWh auf einen Zeitraum von 25-30 Jahren aus­ge­rech­net, inklu­sive Steuer und unter Berücksichtigung eines Tauschs des Akkupacks (bei Blei bis zu 5 Mal!). Die spe­zi­fi­schen Kosten betra­gen bei Blei 31,48 ct/gespeicherter kWh, bei Lithium auf den sel­ben Zeitraum knapp über 14 ct/kWh. Das zeigt, dass die nied­ri­ge­ren Anschaffungskosten bei Blei höhe­ren Re-Investitionskosten gegen­über­ste­hen.

    Interessant wäre jetzt nur noch der öko­lo­gi­sche „Fußabdruck“ der Herstellung einer kWh Bleispeicher vs. 1 kWh Lithiumspeicher (LiFePO4 et. al.). Gibt es hierzu etwas?

    • Danke, Herr Heiller, für die inter­es­sa­nen Berechnungen. Zum Öko-Fußabdruck kenne ich noch nichts, ist aber ein inter­es­san­ter Aspekt,den ich in die­sem Blog auf­grei­fen werde.

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