30-Watt-Speicher der senec.ies. Foto: Deutsche Energieversorgung AG

PV-​Speicher: Blei erprobte Tech­no­logie und recyclebar

von | 9. Februar 2016

In unserer Serie zu den PV-​Speichern sprechen wir heute mit Matthias Benz, bis 2015 Marketing-​Manager bei der Deutschen Ener­gie­ver­sorgung GmbH. Er bricht eine Lanze für die Blei­bat­terie und für die Nach­rüstung von bestehenden PV-​Anlagen mit Speichern – voraus­ge­setzt, sie wurden nicht vor 2012 errichtet.

Ab wann erwarten Sie den breiten wirt­schaft­lichen Durch­bruch für Stromspeichersysteme?

Der startet gerade aktuell. Wir erwarten für 2016 ein deut­liches Markt­wachstum. Das ist der gerin­geren EEG-​Vergütung und den Strom­preis­er­hö­hungen geschuldet. Das sind Signale, die sehr positiv für den Markt sind. Je Größer der GAP zwischen Einspei­se­ver­gütung und Strom­preis, um so besser für den Spei­cher­markt. Eine Grenze für den Durch­bruch sehen wir bei 750 Euro /​kWh und 20 Cent je kWh pro Lade­zyklus. Bei 3.500 bis 4.500 Zyklen kann man sogar 15 Cent erreichen.

Welche Vorteile haben aus Ihrer Sicht Strom­speicher gegenüber Wärme­spei­chern, etwa der Power-​to-​Heat-​Technologie, die ja auch über­schüs­sigen PV-​Strom in Form von Warm­wasser speichern könnte?

Wenn ich abends meinen Herd oder die Play­station einschalten will, nützt mir Warm­wasser wenig, deswegen ist ein Strom­speicher immer besser, weil univer­saler. Warm­was­ser­speicher sind eher am Morgen relevant.

Welche grund­le­genden Unter­schiede sehen Sie zwischen der blei­ba­sierten und der Lithium-​basierten Speichertechnologie?

Blei hat den Vorteil einer sehr erprobte Tech­no­logie. Die gibt es seit 100 Jahren. Das wird immer gern als anti­quiert bezeichnet, aber kaufen Sie sich einen Porsche, der hat immer noch eine Blei­bat­terie drin. Sie hat den Vorteil der tech­no­lo­gi­schen Reife. In sie ist viel Entwick­lungs­arbeit rein­ge­flossen. Letztlich weiß man, was man hat. Zudem kann man sie zu über 90 % recyceln. Das ist sehr nach­haltig. Es nützt ja nix, in Erneu­erbare zu inves­tieren, und dann Lithium nicht entsorgen können. Zudem ist es billiger und sicher. Und es kann nicht brennen

Die Vorteile von Lithium liegen in der kompak­teren Bauweise, der höheren Ener­gie­dichte, dem nied­ri­geren Gewicht. Die Spei­cher­leistung brutto ist nahezu netto, sie kann bis 90 % entladen werden, bei Blei sind es nur bis 50 %. Und sie ist wartungsfrei. Viele Kunden wünschen sich Lithium meist wegen der Kompaktheit. Das ist immer nicht ganz rational, denn die Batterie steht meistens im Keller. da kommt es auf einen halben Quadrat­meter mehr eher nicht an. Zudem sind Lithi­um­bat­terien lang­le­biger. Man kann aber noch nicht sagen, was in 15 oder 18 Jahren ist.

Welcher Systeme haben Sie für die verschie­denen Wohnungs­größen im Angebot?

Wir bieten Batterien mit Kapa­zi­täten 4 kWh bis 15 kWh netto. Darüber hinaus 30 kWh für kleine Gewer­be­an­wen­dungen – das ist unsere größte.

Welche der Spei­cher­op­tionen – Haus­speicher oder Orts­netz­speicher – halten Sie grund­sätzlich für effektiver?

Je dezen­traler, desto besser. Denn dann kann man Speicher exakt auf die PV-​Größe und den Haus­ver­brauch auslegen, die Speicher sind dann nicht überdimensioniert.

In welchem Fall halten Sie die Nach­rüstung von PV-​Anlagen mit Speichern zur Eigen­ver­wendung für sinnvoll, die bisher nur für die Einspeisung ausgelegt waren?

Aktuell sind Nach­rüs­tungen für Anlagen ab 2012 sinnvoll. Bei Anlagen ab 2004 oder später lohnt sich ein Speicher tatsächlich nicht, weil die Vergütung zu hoch ist. Mit stei­gendem Strom­preis jedoch rückt die Spei­cher­pa­rität immer weiter in die Vergan­genheit. Wir sehen zudem in den kommenden Jahren Anlagen, wo die Vergütung ausläuft. Dann lohnt sich eventuell eine Umrüstung. Das ist aber nur indi­vi­duelle beur­teilbar. Theo­re­tisch könnte man alle Anlagen nachrüsten.


Alle bishe­rigen Beiträge der PV-​Speicher-​Serie finden sich hier.

Ein Beitrag über die Melde­fristen zum Eigen­ver­brauch von PV-​Strom findet sich hier bei meinen Energieblogger-​Kollegen von Photovoltaik-​Forum.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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