Foto: Wintershall

Irak-​Konflikt nicht für Ölpreis entscheidend

von | 28. Juni 2014

Die Auswir­kungen der Terror­gruppe ISIS im Irak auf den Ölpreis werden sehr verschieden eingeschätzt. 

Nach der eher pessi­mis­ti­schen Schätzung des BP-​Chefvolkswirtes Christoph Rühl (wir berichten) erklärt der Commerzbank-​Analyst Eugen Weinberg im Commodity Research seine posi­tivere Einschätzung: „Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass es aufgrund der Kämpfe im Irak zu nennens­werten Ausfällen bei der iraki­schen Ölpro­duktion kommen wird. Denn in den betrof­fenen Gebieten befinden sich keine wichtigen Ölfelder oder Trans­port­routen. Im von den Kurden kontrol­lierten Nordosten des Irak könnte es mittel­fristig sogar zu einer Norma­li­sierung der Öllie­fe­rungen kommen, nachdem kürzlich eine neue Pipeline-​Verbindung in Betrieb genommen wurde.“ Die rele­vanten Förder­stätten liegen im derzeit noch nicht betrof­fenen Süden des Landes und auch die Raffi­nerien im Norden werden von iraki­scher Seite stark verteidigt. Weinbergs Einschätzung wird von der aktuellen Entwicklung der Ölpreise gestützt. Insbe­sondere die für den euro­päi­schen Markt prägende Nord­see­sorte Brent gibt aktuell deutlich nach.

Dennoch sieht Weinberg auch, dass durch die Förder­aus­fälle im Irak die bishe­rigen Prognosen angepasst werden müssen, denn der Irak, als sechst­größter Ölpro­duzent der Welt und an zweiter Stelle unter den OPEC-​Ländern, übt einen gewissen Einfluss auf den Weltmarkt aus. Die IEA prognos­ti­ziert einen weniger starken Anstieg der iraki­schen Ölpro­duktion als ange­nommen. Die Termin­kurve verlagert sich dadurch entspre­chend nach oben. Trotzdem wird der Irak zum Ende des aktuellen Jahr­zehnts immer noch den Großteil der gesamten Ölför­der­zu­wächse bestimmen. Dann wird der Markt nach aktuellen Schät­zungen mit der schwä­cheren Dynamik des US-​amerikanischen Schie­feröl­booms konfron­tiert sein. Trotz dieser Einflüsse folgert Weinberg: „Falls es – wie wir erwarten – zu keinen nennens­werten Störungen der iraki­schen Ölpro­duktion kommt, sollte der Brent­öl­preis den Großteil seines jüngsten Anstiegs korri­gieren und in den kommenden Wochen in die ange­stammte Handels­spanne zwischen 105 und 112 USD je Barrel zurückkehren.“

Sollte es doch zu stärkeren Liefer­be­ein­träch­ti­gungen der iraki­schen Öllie­fe­rungen kommen, rechnet Weinberg mit einer Erhöhung der saudi-​arabischen Liefer­mengen, die die Nachfrage decken können. Dann würde der Preis, für die Dauer der Liefer­aus­fälle, wohl mindestens 120 US-​Dollar pro Barrel betragen. Ohne diese Störungen und mit den jetzigen Entwick­lungen liegt die Prognose des Ölpreises zum Ende des Jahr­zehnts bei unter 100 US-​Dollar pro Barrel. Der Heiz­öl­preis ist fest an den Rohöl­preis gekoppelt und würde der entspre­chenden Preis­ent­wicklung folgen.

Hier kann man die Analyse online lesen.

Autor: Maren Schiel

Geschrieben für Bund der Energieverbraucher.

Origi­nal­meldung hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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