VNG-Stammsitz. Foto: Urbansky

VNG leidet unter miesem Gasgeschäft

von | 17. Juni 2015

Gestern hat die Verbundnetz Gas AG Leipzig (VNG) eine Gewinn­warnung für 2015 ausge­geben. Sie infor­mierte nach Infor­ma­tionen der Leipziger Volks­zeitung (LVZ) von heute (nicht online) zuerst die Beleg­schaft. Diese Entwicklung hat sich bereits im März zur Bilanz­kon­ferenz für das Geschäftsjahr 2014 angedeutet. 

Wie an dieser Stelle berichtet, konnte die VNG damals nur einen Rekord­gewinn ausweisen, weil sie ihren 50 prozen­tigen Anteil des Gasnetz­be­treibers EVG Thüringen-​Sachsen veräu­ßerte. Auf Nachfrage bestä­tigte der Vorstand damals nur eine erheb­lichen Anteil. Die LVZ nun speku­liert über 150 Millionen Euro des insgesamt 224 Millionen Euro hohen Gewinns. 

Reell 1 Prozent Erlös

Sprich: aus ihrem eigent­lichen Geschäft hätte die VNG gerade mal 74 Millionen Euro erlöst – bei einem Umsatz von 7,7 Milli­arden Euro, also nicht mal 1 Prozent und eindeutig zu wenig für ein Unter­nehmen dieser Größe und Branche, auch wenn es der Energie- und insbe­sondere der Gaswirt­schaft (s. weiter unten) aufgrund von Umstruk­tu­rie­rungen und Markt­ver­wer­fungen gerade nicht so gut geht. Das Handels­ge­schäft wirft kaum Gewinn ab, Speicher und Förderung kosten derzeit sogar Geld. Nur der Gastransport der VNG-​Tochter Ontras ist profi­tabel und dürfte für den Großteil der bishe­rigen Erlöse sorgen.

Stürmische Zeiten für die VNG. Fotos: Urbansky

Stür­mische Zeiten für die VNG. Fotos: Urbansky

Die Gründe für die Finanz­misere sind viel­fältig. Früher verdiente die VNG mit Groß­kunden wie Stadt­werken oder ener­gie­in­ten­siver Industrie gutes Geld. Doch auch die setzen ähnlich der VNG, verstärkt auf eigenen Gaseinkauf, etwa an der Leipziger Ener­gie­börse EEX, um so ihre Einkaufs­kosten zu redu­zieren. Gerade bei den Stadtwerken,die wie Leipzig oder Dresden vor mehren Jahren in Groß­kraft­werke auf Gasbasis inves­tierten, lässt zudem der Bedarf dafür stark nach. Grund: Gaskraft­werke sind in Deutschland nicht kosten­de­ckend zu betreiben.

Tendenz: Besser wird es nicht. „Auch die von den Fach­be­reichen ange­kün­digten Ergeb­nis­an­mel­dungen für die Jahre 2016 bis 2019 machen uns große Sorgen“, zitiert die LVZ den VNG-​Vorstandsvorsitzenden Karsten Heuchert. Er setzt auf Einspa­rungen bei Personal – so wird es keine Neuein­stel­lungen geben, und Sach­kosten. Die sollen laut LVZ um mindestens 10 Prozent reduziert werden. Doch all das wird nicht reichen, schwant auch Heuchert. Der Konzern muss dringend umstruk­tu­riert werden. Doch wie? Heuchert spricht von neuen Ertrags­po­ten­zialen, ließ aber offen, wo diese liegen.

Finanz­schwache Brücke zur Energiewende?

Nicht nur der VNG, der Gasbranche geht es generell nicht gut, obwohl sie sich immer als Brücke hin zur Ener­gie­wende sieht. Nach den letzten Beschlüssen des G7-​Gipfels wird davon nicht viel bleiben. Die Finanz­schwäche der Branche wird ihr Übriges tun. 

Also bleibt kein gutes Geschäft für Inves­toren mit lang­fris­tigen Inter­essen, sondern eher für Heuschrecken, die sich ertrags­schwache Unter­nehmen einver­leiben, zerlegen und auf den schnellen Gewinn zielen. 

Der wäre bei einer Veräu­ßerung der VNG zu machen, etwa mit einem höchst profi­tablen Verkauf der Trans­port­tochter Ontras und, bei wieder stei­genden Preisen für Gas und Öl, der bisher über­ra­schend ertrag­reichen Claims in der Nordsee, auch wenn diese momentan noch keinen Gewinn abwerfen. Der Rest, also Handel und Speicher, hätten wohl das Nachsehen. Aber das, dies sei angemerkt, ist natürlich Spekulation.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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