Label für Heiz­ge­räte: Hilfe gegen den Sanie­rungs­stau?

Die verschiedenen Label für Heizgeräte. Quelle: Europäische Kommission
Die verschiedenen Label für Heizgeräte. Quelle: Europäische Kommission

Ab kom­men­den Jahr werden in Deutsch­land die ersten Heiz­ge­räte gela­belt. Sie erhal­ten bezogen auf ihre Ener­gie­ef­fi­zi­enz eine Ein­ord­nung, wie dies bereits von Kühl­schrän­ken und Wasch­ma­schi­nen bekannt ist. Seit Sep­tem­ber 2013 fordert dies eine EU-Richtlinie, die hier­zu­lande durch eine abmil­dernde Über­gangs­frist erst ab 26. Sep­tem­ber 2015 Rea­li­tät wird.

Labe­ling für Alt­an­la­gen

Ursprüng­lich nur für Neu­an­la­gen gedacht, plant die Bun­des­re­gie­rung, das Labe­ling auch auf Alt­an­la­gen aus­zu­deh­nen. Betrof­fen sind zuerst alle Heiz­ge­räte, die älter als 15 Jahre alt sind, aktuell also jene, die um 1998 instal­liert wurden. Das Labe­ling erfolgt durch Schorn­stein­fe­ger, Hei­zungs­mon­teure oder zuge­las­sene Ener­gie­be­ra­ter, die gleich­zei­tig über Ener­gie­ein­spa­run­gen wei­ter­füh­ren­den Ener­gie­be­ra­tungs­an­ge­bo­ten infor­mie­ren sollen. Die Bun­des­re­gie­rung erhofft sich davon, so Thomas Hinsch vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Energie bei den Ber­li­ner Ener­gieta­gen, für die Ver­brau­cher einen Ein­stieg in die Ener­gie­be­ra­tung.

Fol­gen­des wird gelten:

  • Label nur für Heiz­kes­sel, die älter als 15 Jahre sind.
  • Nur Anlagen bis 400 kW , also Ein­fa­mi­li­en­haus bis größere Mehr­ge­schoss­woh­nun­gen
  • Warm­was­ser­be­rei­tung nur, wenn in Kom­bi­na­tion mit Heizung oder gas- bzw. ölbe­trie­ben
  • elek­tri­sche Warm­was­ser­be­rei­tung wird nicht gela­belt

Der Ablauf

  • Effi­zi­enz­klasse wird auto­ma­tisch durch eine App bestimmt
  • Eine Messung an der Heizung ent­fällt
  • BDH stellt alle ver­füg­ba­ren Daten von Hei­zungs­mo­del­len zusam­men
  • Bei Anlagen ohne ver­füg­bare Daten wird über Stan­dard­werte aus EN-Normen bestimmt
  • BMWi stellt dafür Soft­ware zur Ver­fü­gung
  • Labe­ling über 8 Jahre gestreckt, um Über­hit­zung am Markt zu ver­mei­den
  • Akteure sollen zunächst die ältes­ten Anlagen und dann schritt­weise jüngere Jahr­gänge von Anlagen labeln (s. oben)
  • Haus­ei­gen­tü­mer haben Labeln zu dulden, ihnen ent­ste­hen keine Kosten

Was bringt das Label im Bestand

Die Bun­des­re­gie­rung erhofft sich beim Altanlagen-Labeling einen deut­li­chen Sprung bei der Sanie­rungs­rate im Hei­zungs­kel­ler. Die von der Regie­rung mit der Pro­gnose beauf­trag­ten Frau­en­ho­fer ISI, Frau­en­ho­fer IFAM, Prognos und IFEU schät­zend ie Mög­lich­kei­ten wie folgt ein:

  • Stei­ge­rung der Aus­tauschrate von Hei­zungs­an­la­gen um ca. 20% von 3,1%/a auf 3,7 %/a
  • Bei 9,8 Mio. Öl- und Gas­feue­rungs­an­la­gen vor 1998 von werden über einen Zeit­raum von 8 Jahren jeweils gut 1,2 Mio/a Anlagen gela­belt
  • Ener­gie­ein­spa­rung: 21,2 PJ Heiz­ener­gie und 1,6 PJ Strom kumu­liert von 2016 bis 2020 (EED-Logik)
  • Trans­ak­ti­ons­kos­ten: 70 Mio. € (2016–2020)
  • Inves­ti­tio­nen bei EFH: 2,1 Mrd. € zzgl. Inves­ti­tio­nen bei MFH

Ob es dazu kommt, bleibt abzu­war­ten. Zwar fordert die EnEV ab Ende 2015 einen Zwangs­tausch von mehr als 30 Jahre alten Heiz­kes­seln. Diese sind jedoch nur noch in gerin­ger Zahl am Markt. Und der Ansatz, via Labe­ling und Ener­gie­be­ra­tung den Haus­ei­gen­tü­mer auf die Reise hin zur Hei­zungs­sa­nie­rung mit­zu­neh­men, muss noch lange nicht auf­ge­hen, da ein Groß­teil der gela­bel­ten Geräte ja mit Sicher­heit wenigs­tens das Label C bekom­men wird. Und dann bleibt erst mal alles beim alten.

Was können Neu-Anlagen errei­chen?

Welches Neu-Gerät kann nun welche Stufe errei­chen? Das begehrte A++ steht im Prinzip nur Wär­me­pum­pen und Block­heiz­kraft­wer­ken offen, in einigen Fällen auch reinen Holz­hei­zun­gen. Dies rührt vor allem vom poli­ti­schen Willen, Hei­zun­gen, die erneu­er­bare Ener­gien nutzen, zu bevor­zu­gen. Selbst neue Öl- und Gas­hei­zun­gen können des­we­gen maximal A, in der Regel eher B errei­chen. Ein A oder mehr wäre hier nur bei einer Kom­bi­na­tion mit Solar­ther­mie möglich. Ab 2019 trifft es die auf Öl und Gas spe­zia­li­sier­ten Kes­sel­bauer noch härter: Denn dann sind nur noch Brenn­wert­kes­sel in der Lage, das Labe­ling zu erfül­len. Die nach wie vor belieb­ten Niedertemperatur-Geräte, die das Gros des Absat­zes bilden, sind dann in der EU quasi unver­käuf­lich.

Keine Kosten-Aussage

Ein wei­te­rer Fakt ruft bei Fach­leu­ten Kritik hervor. Im Gegen­satz zu Kühl­schrän­ken, die tat­säch­lich nach Ener­gie­ef­fi­zi­enz gela­belt werden, sagt das Label für die Heiz­kes­sel nichts darüber aus, inwie­weit diese tat­säch­lich Kosten sparen helfen, sondern es fußt auf dem jah­res­zeit­lich beding­ten Raumheizungs-Energieeffizienz oder der Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz. Diese errech­nen sich aus der vom Heiz­kes­sel erzeug­ten Energie für Raum­hei­zung und Warm­was­ser­be­rei­tung sowie dem jähr­li­chen Ener­gie­ver­brauch, der sich durch die Erzeu­gung der benö­tig­ten Wär­me­en­er­gie ergibt. Der Haupt­fak­tor für die Hei­zungs­kos­ten also, der Brennstoff,wird dabei über­haupt nicht berück­sich­tigt.

Eine gute Über­sicht, was das Label beinhal­ten muss, findet sich auf ener​gy​net​.de.

Vor­schau­bild: Die ver­schie­de­nen Label für Heiz­ge­räte. Quelle: Euro­päi­sche Kom­mis­sion

2 Kommentare

  1. Ja, das ist ein Teil des NAPE, der umge­setzt wird. Wie geschrie­ben, betrifft es aber immer nur Hei­zun­gen, die älter als 15 Jahre sind, mit Stand 2015 also die, die vor 2000 ein­ge­baut worden sind usw. Ins­be­son­dere die Schorn­stein­fe­ger sollen dies nach und nach umset­zen.

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