Gasuntergrundspeicher sind das Kernstück einer strategischen Reserve, wie hier in Jemgum an der Ems Foto: SteKrueBe / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Gasver­sorgung: Studie empfiehlt stra­te­gische Reserve

von | 24. Juni 2015

Die Sank­tionen gegen Russland kochten vor gut einem Jahr das Thema Versor­gungs­si­cherheit wieder hoch. Liefern die Russen weiter pünktlich Gas und Öl, bei dem sie immerhin jeweils rund ein Drittel des hiesigen Bedarfs decken? 

Fällt die Ukraine als Tran­sitland aus? Und tatsächlich kam es im Februar 2012 zu Engpässen insbe­sondere in Süddeutschland. Schuld waren hier aber nicht der mangelnde Liefer­wille der Russen, sondern das unzu­rei­chend ausge­baute Verteilnetz.

Vorbild Erdöl­be­vor­ra­tungs­verband

Seitens der Regierung wurde insbe­sondere mit dem Aufkommen des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland mehr als nur laut über eine Stra­te­gische Erdgas­re­serve nach­ge­dacht. Insbe­sondere die damalige Bundes­wirt­schafts­mi­nis­terin Ilse Aigner preschte hervor und empfahl ein System analog dem des Erdöl­be­vor­ra­tungs­ver­bandes (EBV). Bei dem ist schon seit den Ölkrisen der 70er Jahre vorge­schrieben, wie viel an Rohöl und Mine­ral­öl­pro­dukten einzu­lagern sind. Diese müssen für 90 Tage einer Voll­ver­sorgung, also auch bei verstärktem Heiz­öl­bedarf im Winter, reichen. Orien­tiert wird sich dabei an den täglichen Netto­ein­fuhren im Durch­schnitt der vergan­genen drei Jahre. Zwar hat die Gasbranche eine Eigen­ver­pflichtung. Doch die erstreckt sich nur über 30 Tage – zu wenig für einen kalten und langen Winter.

Nun hat das BMWi eine Studie veröf­fent­licht, die sich genau diesem Thema widmet. Erstellt wurde sie von der auf Ener­gie­themen spezia­li­sierten Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) sowie der TU Berlin. Generell gehen die Autoren davon aus, dass Deutschland eine hohe Versor­gungs­si­cherheit bei Erdgas hat.

Mehr­kosten für Kunden eher gering

Dennoch wurden mehrere Möglich­keiten für Versor­gungs­eng­pässe simuliert, darunter auch der komplette Ausfall der russi­schen Gaslie­fe­rungen. Dabei wurde auch unter­sucht, inwieweit eine Bevor­ratung staatlich gesteuerte Bevor­ratung analog EBV sinnvoll ist. Diese stra­te­gische Reserve würde je nach Ausformung 1 bis 1,6 Mrd. Euro pro Jahr kosten und die Endkunden mit 0,6 bis 2,4 % Mehr­kosten, bezogen auf den Gaspreis, belasten.

Eine weitere Maßnahme, die in der Studie empfohlen wird, ist die Spei­cher­ver­pflichtung. Dabei wird den Markt­teil­nehmern die Pflicht auferlegt, eine bestimmte Menge Gas zu einem oder mehreren spezi­fi­schen Zeit­punkten einzu­spei­chern oder schon zu lagern. „Dadurch soll sicher­ge­stellt werden, dass stets ausrei­chend Gas zur Krisen­vor­sorge einge­spei­chert ist. Die Spei­cher­ver­pflichtung wirkt damit – anders als eine stra­te­gische Reserve – im Vorfeld einer Krise“, so die Autoren.

Zudem emfpehlen sie noch eine Reihe weiterer Maßnahmen, die die Versorgung absichern können:

  • Anpassung von § 53a EnWG hinsichtlich des geschützten Kunden­kreises oder die Aufnahme einer 
  • Nach­weis­pflicht, in welcher Weise die Verpflichtung erfüllt wird. Empfohlen wird dabei ein einheit­liches Vorgehen auf euro­päi­scher Ebene.
  • System­si­cherheit und Eingriffs­mög­lich­keiten der Fernleitungs- und Vertei­ler­netz­be­treiber in §§ 16, 16a EnWG sollten konkre­ti­siert und geschärft werden. Dies gilt insbe­sondere in Bezug auf die Kosten­an­er­kennung einer „markt­ba­sierten Maßnahme“, die Zugriffs­mög­lich­keiten auf Spei­cher­mengen sowie die Klar­stellung der Haftungs­frei­stellung bei Notfallmaßnahmen.
  • Stärkung des Demand-​Side-​Management. Markt­teil­nehmer sollten in die Lage versetzt werden, eine Last­re­du­zierung gegen die Zahlung einer Prämie verbindlich anzubieten.
  • Über­ar­beitung des Systems der Bilanz­kreis­ab­rechnung für zusätz­liche Anreize,den Bilanz­kreis ausge­glichen zu halten und damit mittelbar die Versor­gungs­si­cherheit zu stärken. 
  • Kosten von Flüs­sig­erdgas (LNG) als Vorsor­ge­option besser einschätzen, da mit vielen Unbe­kannten behaftet.
  • Fern­lei­tungs­netz­be­treiber verpflichten, innerhalb des Netz­ent­wick­lungs­plans Gas verschiedene Versor­gungs­si­cher­heits­sze­narien zu model­lieren und zu berechnen.

Ob nun eine stra­te­gische Reserve analog dem EBV kommt, liegt letztlich am Wirt­schafts­mi­nis­terium. Doch eine Entscheidung pro Reserve wird auf breiten Wider­stand der Gasbranche stoßen. Denn die zeigte sich bisher nur wenig begeistert von einem weiteren staat­lichen Eingriff in den Gasmarkt.

Die Studie kann hier herun­ter­ge­laden werden.

Vorschaubild: Gasun­ter­grund­speicher sind das Kernstück einer stra­te­gi­schen Reserve, wie hier in Jemgum an der Ems Foto: SteKrueBe /​Wikimedia /​Lizenz unter CC BY-​SA 3.0

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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