Heizöl wird wieder teurer

Tankschiffe werden derzeit genutzt, um die Öl-Überproduktion auf den Weltmeeren zwischenzulagern. Foto: navy.mil / Wikimedia
Tankschiffe werden derzeit genutzt, um die Öl-Überproduktion auf den Weltmeeren zwischenzulagern. Foto: navy.mil / Wikimedia

Heizöl ist derzeit so günstig wie zuletzt im Jahr 2010. Aber das wird wahr­schein­lich nicht mehr lange so bleiben.

Im April stiegen die Heiz­öl­preise um gut fünf Euro­cent je Liter an. Damit bewegen sie sich aber noch immer auf dem Niveau von vor fünf Jahren. Damals begann eine kurz­fris­tige Teue­rung, die es abge­se­hen vom Spe­ku­la­ti­ons­jahr 2008, so in der Geschichte des Heizöls in Deutsch­land noch nicht gegeben hat. Der Höhen­flug führte Heizöl damals bis auf durch­schnitt­lich 94 Euro­cent je Liter bei einer Lie­fer­menge von 3.000 Litern HEL im Oktober 2012. Danach begann ein schlei­chen­der Rück­gang bis etwa Juni 2014. Von da an gab es für die Preise nur noch eine sehr deut­li­che Rich­tung: bergab. Im Januar 2015 zahlte man gerade noch 54 Euro­cent – und das, obwohl ein per­ma­nent schwä­che­rer Euro das Produkt eigent­lich hätte ver­teu­ern müssen.

Gewoll­ter Nied­rig­preis

Bedingt war dies durch die expan­sive För­der­po­li­tik Saudi-Arabiens. Der neben Russ­land welt­größte Pro­du­zent Saudi Aramco wirft jeden Tag zehn Mil­lio­nen Barrel (eng­lisch für „Fass“ ent­spricht rund 159 Liter) des Heizöl-Ausgangsstoffs Rohöl auf den Markt. Das ist ein Zehntel des Welt­be­darfs.

In der OPEC haben die Saudis die größte Macht. Stimm­ten sie das Kartell bis dahin immer auf eine aus­glei­chende Politik ein – För­der­dros­se­lung bei Preis­ver­fall und För­der­an­he­bung bei zu hohen Preisen, stand nun das Ver­tei­di­gen der Markt­an­teile im Vor­der­grund. Denn die hatten die Saudis durch ihre Politik des Aus­gleichs reich­lich ver­lo­ren. Das lag zum einen an der zuneh­men­den Eigen­ver­sor­gung der USA durch Schie­feröl, das zum Groß­teil mittels Fracking gewon­nen wird, zum anderen an der schwä­cheln­den Welt­kon­junk­tur und an Effi­zi­enz­maß­nah­men, die einen gerin­ge­ren Bedarf zur Folge haben.

Den Saudis darf man jedoch nicht allein den Schwar­zen Peter zuspie­len. Andere Player fahren eine ähn­li­che Politik.

För­de­run­gen der OPEC

Derzeit pro­du­ziert die OPEC jeden Tag etwas mehr als 30 Mil­lio­nen Barrel. Das sind rund 500.000 Barrel mehr als benö­tigt. Für diese Über­men­gen finden sich keine Abneh­mer. Da das Öl des Kar­tells im Ver­gleich zum Fracking, aber auch im Ver­gleich mit der Nord­see­för­de­rung Nor­we­gens, der Nie­der­lande und Groß­bri­tan­ni­ens ver­gleichs­weise billig zu fördern ist, werden so genau diese läs­ti­gen Kon­kur­ren­ten aus dem Markt gedrängt (siehe Tabelle).

Land För­der­kos­ten in US-Dollar
je Barrel im Durch­schnitt
Saudi-Arabien bis 25
Rest-OPEC bis 37
Russ­land bis 42
USA (klas­si­sche För­de­rung) 50
Nor­we­gen (Nordsee) 60
USA (Fracking-Schieferöl) ab 70
Kanada (Ölsand) 80

Quelle: Uni­credit, Angaben der Unter­neh­men

Aktuell bewegt sich der Preis leicht ober­halb der Grenze von 60 Dollar, mit leicht stei­gen­der Tendenz. Im April hat die OPEC ihre För­de­rung nicht ein­ge­schränkt. Dadurch wird dieses nied­rige Preis­ni­veau noch eine Weile halten können. Pro­duk­tio­nen jen­seits der 60-Dollar-Grenze werden damit unwirt­schaft­lich und ver­schwin­den aus dem Markt. Rohstoff-Analysten der Uni­credit rechnen damit, dass zwölf Prozent der gesam­ten Welt­pro­duk­tion derzeit unren­ta­bel sind.

Vor­schau­bild: Tank­schiffe werden derzeit genutzt, um die Öl-Überproduktion auf den Welt­mee­ren zwi­schen­zu­la­gern. Foto: navy​.mil / Wiki­me­dia

Geschrie­ben für ener­gie­de­pe­sche, Zeit­schrift des Bundes der Ener­gie­ver­brau­cher. Der voll­stän­dige Beitrag ist hier zu lesen.