Innen­däm­mung – Mehr Vor- als Nach­teile

Möglichkeit einer Innendämmung mit Steinwolle und Leichtgbauplatte. Foto: RaBoe / Wikimedia / Lizenz unter CC-BY-SA-3.0
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Vor­ur­teile gegen­über der Innen­däm­mung sollten der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Denn in vielen Fällen ist die Innen­däm­mung die Ener­gie­spar­maß­nahme der Wahl. Von Aribert Peter, Bund der Ener­gie­ver­brau­cher

Was würden Sie sagen, wenn es eine Mög­lich­keit der Wär­me­däm­mung gibt, die weniger als eine übliche Dämmung kostet, ohne Gerüst und neuen Außen­putz mon­tiert werden kann und das auch noch im Selbst­bau ohne opti­sche Ver­än­de­rung der Haus­fas­sade? Sie würden viel­leicht aus­ru­fen: Sofort her damit! Warum hat uns das noch keiner gesagt? Sie haben richtig geraten: Die Rede ist von der Innen­däm­mung.

So deut­lich die Vor­teile der Innen­däm­mung sind, so aus­ge­prägt sind auch die Vor­ur­teile gegen­über der Innen­däm­mung. Das hat seine Gründe und auch seine Geschichte. Innen­däm­mung gab es schon im 19. Jahr­hun­dert. Zwi­schen 1920 und 1975 war Innen­däm­mung die gebräuch­li­che und übliche Art der Wär­me­däm­mung. Mit der Ener­gie­krise trat sie jedoch mit dem Sie­ges­zug der Außen­däm­mung in den Hin­ter­grund.

Innen­däm­mun­gen werden ver­putzt aus­ge­führt oder erhal­ten eine luft­dichte Deck­schicht durch ver­spach­telte Leicht­bau­plat­ten. Wichtig ist, damals wie heute, den kon­vek­ti­ven Feuch­te­trans­port hinter den Platten zu ver­mei­den. Schäden bei sach­ge­rech­ter Aus­füh­rung sind in der Lite­ra­tur nicht doku­men­tiert. Auch in Frank­reich war und ist die Innen­däm­mung mit luft­dich­tem Abschluss gängige Praxis.

Feuch­te­schä­den empi­risch unbe­wie­sen

Die Innen­däm­mung geriet in Verruf wegen angeb­li­cher Feuch­te­schä­den, weil die feuchte und warme Innen­raum­luft hinter der Innen­däm­mung kon­den­siere und zu Schim­mel sowie wei­te­ren Schäden führe. Einen empi­ri­schen Beweis für solche Feuch­te­schä­den hat es nie gegeben. „Viel­mehr wurden die geschicht­lich posi­ti­ven Erfah­run­gen der Innen­däm­mung in der Fach­welt nie zur Kennt­nis genom­men“, schreibt Werner Eicke-Hennig von der Hes­si­schen Ener­gie­spar­ak­tion. Er zitiert zahl­rei­che empi­ri­sche Unter­su­chun­gen, die mit­nich­ten feuchte Wände hinter der Innen­däm­mung vor­ge­fun­den hatten.

Das For­schungs­in­sti­tut für Wär­me­schutz, München unter­suchte 1984 aus­ge­führte Innen­däm­mun­gen und stellte fest: „Bau­aus­füh­run­gen mit Innen­däm­mun­gen, die die Kri­te­rien der DIN 4108 Teil 3 nicht erfül­len, haben sich jedoch nach bekannt gewor­de­nen Erfah­run­gen ohne jeg­li­che Schäden bewährt.“ Die Prüfung von neun Gebäu­den mit neun bis drei­zehn Jahre alten drei cm dicken Innen­däm­mun­gen, mit und ohne Dampf­sper­ren, zeigten kei­ner­lei Feuch­te­schä­den. „Der mas­se­be­zo­gene Feuch­te­ge­halt der Mine­ral­fa­ser­dämm­stoffe lag mit 0,4 — 0,9 Prozent unter dem prak­ti­schen Feuch­te­ge­halt von 1,5 Prozent.“ Alle Dämm­stoffe wurden somit trocken ange­trof­fen.

Etwas Physik dazu: Durch eine Innen­däm­mung wird die ganze Außen­wand kälter. Das beheizte Haus endet hinter der Dämmung. Die Tem­pe­ra­tur in der Ebene zwi­schen Innen­däm­mung und Außen­wand unter­schrei­tet zeit­wei­lig sogar den Tau­punkt. Wenn warme und feuchte  Luft aus dem Wohn­raum hinter die Dämmung gelangt, dann kon­den­siert der in der Luft ent­hal­tene Was­ser­dampf dort und schlägt sich als Feuch­tig­keit nieder.

Die Beton­wand (grau) ist 16 Zen­ti­me­ter dick, und die Innen­däm­mung (gelb) wurde mit einer acht Zen­ti­me­ter dicken Cal­ci­um­si­li­kat­platte gemacht. Die Mauer bleibt hier sehr kalt, aber die gedämmte Ober­flä­che ist trotz­dem relativ warm. Der resul­tie­rende U‑Wert ist 0,63 W/m2K: viel schlech­ter als mit einer viel dicke­ren Außen­däm­mung, aber immer­hin erheb­lich besser als die unge­dämmte Wand (0,92 W/m2K). Quelle: www​.energie​-lexikon​.info

Man­gel­hafte Rechen­ver­fah­ren

Die in den fünf­zi­ger Jahren durch­ge­führ­ten Rech­nun­gen zur Was­ser­dampf­dif­fu­sion führten zu Ergeb­nis­sen, die mit der Wirk­lich­keit nichts zu tun haben. Das soge­nannte Gla­ser­ver­fah­ren fand 1981 sogar Eingang in die ein­schlä­gige Norm DIN 4108–3. Dieses Ver­fah­ren errech­net unrea­lis­tisch hohe Tau­was­ser­men­gen, weil die damals noch ein­fa­chen Rechner und Pro­gramme zu groben Ver­ein­fa­chun­gen zwangen, zum Bei­spiel kon­stante Win­ter­tem­pe­ra­tu­ren von minus zehn Grad über zwei Monate bei keinem Feuch­te­trans­port in der Wand auf­grund sta­tio­nä­rer Betrach­tun­gen. Die Innen­däm­mung wurde folg­lich als unzu­läs­sig abge­lehnt. „Man verwies auf Pro­bleme durch mög­li­che Fehl­stel­len in der Dampf­sperre, ohne zu beach­ten, dass durch kleine Löcher kaum Was­ser­dampf dif­fun­diert. Selbst dampf­dichte Bleche mit 200 Löchern pro Qua­drat­me­ter haben noch einen Wert über 300. Es gibt auch keine Luft­strö­mung durch Fehl­stel­len, wenn die Dämmung direkt auf der Wand sitzt. Der kleine Markt für die  Innen­däm­mung brach in Folge dieser Ver­wir­run­gen in den acht­zi­ger Jahren zusam­men“ so der Bau­phy­si­ker Eicke-Hennig. Die großen Her­stel­ler zogen ihre Innen­dämm­sys­teme sogar vom Markt.

Umden­ken der Branche

Ein Umden­ken der Branche begann im Jahr 2011 nach dem ersten inter­na­tio­na­len Innen­dämm­kon­gress in Dresden. Neue Rechen­ver­fah­ren (WUFI/Delphin) und Mate­ria­lien waren ver­füg­bar. Seither gibt es eine Renais­sance der Innen­däm­mung. Die neue und posi­tive Bewer­tung der Innen­däm­mung hat sich aber noch nicht überall her­um­ge­spro­chen. Das bau­mys­tisch begrün­dete Unbe­ha­gen sitzt tief, weil es über Jahr­zehnte zum Stan­dard­wis­sen aller Exper­ten gehörte.

Es gibt drei unter­schied­li­che Systeme der Innen­raum­däm­mung, die unter­schied­lich mit der uner­wünsch­ten Feuch­tig­keit umgehen:

  • kapil­larak­tiv und dif­fu­si­ons­of­fen (Kon­den­sat tole­rie­rend), z.B. Mine­ral­dämm­plat­ten
  • dampf­brem­send (Kon­den­sat begren­zend), z.B. Systeme mit einer Dampf­brems­fo­lie
  • dampf­dicht (Kon­den­sat ver­hin­dernd), z.B. Schaum­glas­däm­mung

Bei allen Sys­te­men ver­sucht man auf jeden Fall, Hohl­räume zwi­schen Innen­däm­mung und Außen­wand zu ver­mei­den: Zum Bei­spiel durch sorg­fäl­tige voll­flä­chige Ver­kle­bung der Dämm­plat­ten auf der Außen­wand, man spricht von „schwim­men­der“ Ver­le­gungs­tech­nik. Dabei ist es wichtig, dass genü­gend Kleber flächig auf­ge­tra­gen wird und die Platten pass­ge­nau zuge­schnit­ten werden.

Werden die Dämm­plat­ten nicht genau zuge­schnit­ten, bilden sich in Außen­ecken Hohl­räume, die unbe­dingt zu ver­mei­den sind. …

Pro­blem­punkt Wär­me­brü­cken

Wo warme Innen­wände und Decken an die kalte Außen­wand stoßen, kühlen die Innen­wände und Decken unver­meid­lich aus. Wenn die Zim­mer­de­cken oder Wände im Bereich der Außen­wand stark aus­küh­len, dann kon­den­siert genau an diesen Stellen die Innen­raum­luft. Zudem wirken diese Käl­te­brü­cken im Raum wie Kühl­rip­pen und ver­min­dern die Dämm­wir­kung der Innen­däm­mung. Deshalb müssen ins­be­son­dere Beton­wände und Decken zusätz­lich dort gedämmt werden, wo sie an die Außen­wände stoßen. Eine gewisse Dämmung von Innen­wän­den und Decken stellt bereits die Wär­me­dämm­schicht selbst dar, ins­be­son­dere wenn sie typi­scher­weise rund acht Zen­ti­me­ter dick ist. Eine zusätz­li­che soge­nannte Flan­ken­däm­mung ist wahl­weise klein­för­mig 30 bis 40 Zen­ti­me­ter breit und wird auf den Innen­putz auf­ge­klebt oder der Innen­putz wird abge­schla­gen und eine dünne Dämm­platte ein­ge­bet­tet. Die Anbie­ter bieten hierfür Sys­tem­lö­sun­gen an. …

Vor­teile der Innen­däm­mung

  • Es ist kein Gerüst erfor­der­lich.
  • Die Außen­fas­sade bleibt unver­än­dert, daher beson­ders für denk­mal­ge­schützte Häuser geeig­net.
  • Kann von geschick­ten Heim­wer­kern selbst aus­ge­führt werden.
  • Kann nach und nach Raum für Raum durch­ge­führt werden.
  • Die reinen Ma teri­al­kos­ten sind im All­ge­mei­nen gerin­ger als bei der Außen­däm­mung.
  • Bei Eigen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten auch ohne Zustim­mung der anderen Eigen­tü­mer durch­führ­bar.
  • Mit vor­her­ge­hen­der oder nach­fol­gen­der Außen­däm­mung kom­bi­nier­bar.
  • Höhere Behag­lich­keit durch höhere Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tu­ren der gedämm­ten Außen­wände.
  • Keine bau­auf­sicht­li­che Zulas­sung not­wen­dig.
  • Das Haus muss von außen nicht zugäng­lich sein.
  • Hohe Heiz­kos­ten­ein­spa­rung.
  • Es handelt sich um eine Moder­ni­sie­rungs­maß­nahme zur Ener­gie­ein­spa­rung und die Kosten können deshalb auf die Mieter mit 11 Prozent jähr­lich umge­legt werden.

Geschrie­ben von Dr. Aribert Peters, Vor­sit­zen­der des Bundes der Ener­gie­ver­brau­cher.

Der Bund der Ener­gie­ver­brau­cher ist ein gemein­nüt­zi­ger Verein, in dem sich bun­des­weit rund 12.000 Pri­vat­ver­brau­cher und Firmen zur gegen­sei­ti­gen Unter­stüt­zung zusam­men­ge­schlos­sen haben. Er infor­miert, unter­stützt und schützt seine Mit­glie­der. Der Verein wurde 1987 gegrün­det und finan­ziert sich aus­schließ­lich durch Mit­glieds­bei­träge.

Wir bedan­ken uns für fach­li­chen Input bei: Werner Eicke-Hennig, Hes­si­sche Ener­gie­spar­ak­tion und Heiko Riggert, Leiter des AK-Innendämmung im Fach­ver­band Wärmedämm-Verbundsysteme. Die inhalt­li­che Ver­ant­wor­tung liegt beim Autor.

Erschie­nen auf ener​gie​ver​brau​cher​.de – der Website des Bundes der Ener­gie­ver­brau­cher.

Der Original-Beitrag »Innen­däm­mung: die bessere Art zu dämmen?!“ ist hier zu lesen.

Vor­schau­bild: Mög­lich­keit einer Innen­däm­mung mit Stein­wolle und Leichtg­bau­platte. Foto: RaBoe / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC-BY-SA‑3.0