Wär­me­wende: Den typi­schen Moder­ni­sie­rer gibt es nicht

Vorschaubild: Dachdecker beim Verlegen von Steinwollematten zur Dachisolierung an einem Altbau. Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia / Linzenz unter CC-BY-SA
Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia / Linzenz unter CC-BY-SA

Die BDEW-Studie „Wie heizt Deutsch­land?“, über die an dieser Stelle gestern berich­tet wurde, widmet sich auch dem deut­schen Moder­ni­sie­rer. Ein unbe­kann­tes Wesen, das es für die Studie zu ergrün­den galt, ist er doch wich­tigs­ter Prot­ago­nist der Wär­me­wende und der Sanie­rungs­quote. Und die liegt hier­zu­lande unter 1 %.

Um alle Häuser im Bestand auf sinn­vol­les ener­ge­ti­sches Niveau zu hieven, bräuchte man länger als 100 Jahre. Sinnlos, weil so gut wie 80 % des Bestan­des bis dahin wieder ver­al­tet wären. Doch warum nur geben die Deut­schen für die Wär­me­wende nicht gern Geld aus? Und wenn, dann für was?

Fester raus

Maßnahmen in der energetischen Sanierung. Grafik: BDEW
Maß­nah­men in der ener­ge­ti­schen Sanie­rung. Grafik: BDEW

Ganz hoch im Kurs stehen bei den Sanie­rern die Fenster (39,4 % nutzten von den Befrag­ten diese Maß­nahme) und die Hei­zungs­an­lage (38,5 %). Dann erst folgt die Gebäu­de­däm­mung (28,6 %). Sehr häufig wurden Maß­nah­men der Hei­zungs­op­ti­mie­rung genutzt, etwa Dämmen der Heiz­rohre, Wechsel der Ther­mo­state, hydrau­li­scher Abgleich u.ä. (insg. 52,9 %). 34 % der Befrag­ten haben gar nichts gemacht, und das bei einer durch­schnitt­li­chen Wohn­dauer von 20,4 Jahren. Die Regel sind Kom­bi­maß­nah­men, es wird also nicht immer nur ein Bereich in Angriff genom­men.

Keine vor­ran­gige Kom­bi­na­tion von Maß­nah­men

Doch was kom­bi­niert er nun, der typi­sche Moder­ni­sie­rer? „Aus einer tiefer gehen­den Analyse der bei der Befra­gung erho­be­nen Daten lässt sich ersehen, dass es keine typi­sche Kom­bi­na­tion von Maß­nah­men und auch keinen typi­schen Moder­ni­sie­rer gibt. Hier zeigt sich also auch die Not­wen­dig­keit einer indi­vi­du­el­len Betrach­tung der Wohn­ge­bäude in Deutsch­land“, so die Studie. Und: Dies decke sich mit anderen Studien, die in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit die Motive und das Ver­hal­ten von Moder­ni­sie­rern bzw. deren wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit unter­sucht hätten“.

Nichts Neues unter der Sonne also. Und kein wei­te­rer Ansatz,wie sich der Sanie­rungs­stau im Hei­zungs­kel­ler beheben ließe. Die Studie ist damit ähnlich ahnungs­los wie Politik sowie Branche, wenn es um die Hebung des Effizienz-Schatzes im Hei­zungs­kel­ler geht. Der BDEW selbst bezif­fert das ein­zu­spa­rende Poten­zial an CO2 auf 20 Mil­lio­nen Tonnen. Haus­be­sit­zer können – je nach Stand der Technik – zwi­schen 10 und 40 % an Brenn­stoff­kos­ten sparen.

Reno­vie­rung: Bad lieber als Heizung

Doch all das vermag nicht zu ver­lo­cken. Viel­leicht liegt es an einer ein­fa­chen Wahr­heit: Eine effi­zi­ente Heizung oder ein ener­gie­spar­sa­mes Haus sind einfach nicht sexy und kaum zu ver­glei­chen mit einem frisch reno­vier­tem Bad. Denn das liegt bei sanie­rungs­wil­li­gen Moder­ni­sie­rern ganz vorn in der Gunst.

Die Bro­schüre „Wie heizt Deutsch­land?“ kann hier her­un­ter­ge­la­den werden.

Vor­schau­bild: Dach­de­cker beim Ver­le­gen von Stein­wol­lemat­ten zur Dach­iso­lie­rung an einem Altbau. Foto: Armin Kübel­beck / Wiki­me­dia / Linzenz unter CC-BY-SA

1 Kommentar

  1. Hallo,

    schöner Artikel. Auch meiner Meinung nach wird eher optisch als energie-technisch saniert. Das ist sicht­bar, erfreut das Auge und sorgt somit für ein ent­spre­chen­des »Wohl­be­fin­den«. Zumal vielen Men­schen auch nach­wie­vor nicht klar sein dürfte welch oftmals grosse Ener­gie­spar­po­ten­tiale im eigenen Haus schlum­mern. Man ärgert sich zwar jedes Jahr auf’s Neue über zu hohe Heiz­kos­ten, aber einen Gedan­ken­gang in die »rich­tige« Rich­tung der Sanie­rung bzw. Moder­ni­sie­rung findet eher nicht statt. Statt­des­sen wech­selt man lieber zu einem güns­ti­ge­ren Ener­gie­lie­fe­ran­ten. Gruss Markus

1 Trackback / Pingback

  1. BDEW Wärmemarkt Heizen | EnWiPo Energie­Wirtschaft­Politik

Kommentare sind geschlossen.