Vom Sinn und Unsinn grüner Fernwärme

Soll auch grüne Wärme aus Holzresten transportieren: Hamburger Fernwärmenetz. Foto: Bengt Lange / Vattenfall
Soll auch grüne Wärme aus Holzresten transportieren: Hamburger Fernwärmenetz. Foto: Bengt Lange / Vattenfall

Gibt es in Deutsch­land schon grüne Fern­wärme? Ja, sagt Vat­ten­fall, und speist in das Ham­bur­ger Fern­wär­me­netz seiner Tochter VWH Dampf aus einer eigenen Alt­holz­ver­bren­nungs­an­lage ein – auch wenn deren Umwelt­freund­lich­keit von Bau­be­ginn etwa seitens des BUND schon umstrit­ten war. Umwelt­be­wusste Ver­brau­cher nehmen dafür einen Auf­schlag von 33 %, bezogen auf den Netto-Arbeitspreis, in Kauf.

Prak­tisch ist dies für Vat­ten­fall auch. Kann der Konzern doch so in inner­städ­ti­schen Bau­ge­bie­ten, die zu einem hohen Anteil mit rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien ver­sorgt werden, gleich eine Leitung legen und ver­sor­gen – so gesche­hen in Mitte Altona. Doch das ruft Protest auf den Plan. Die Frak­tion der Linken fragt des­we­gen die Bun­des­re­gie­rung an. In ihrer Anfrage heißt es:

Im diesem Projekt sollen durch bilan­zi­elle Zuord­nung der „Fern­wärme Natur Mix“ For­de­run­gen des ein­schlä­gi­gen städ­te­bau­li­chen Ver­trags und des gel­ten­den Bebau­ungs­plans Altona-Nord 26 erfüllt werden, nach denen min­des­tens die Hälfte der gelie­fer­ten Fern­wärme aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len erzeugt werden soll. Die in der Alt­holz­ver­bren­nungs­an­lage erzeugte Wärme wird aller­dings durch die VWH bereits seit 2012 voll­stän­dig in das all­ge­meine Fern­wär­me­netz der VWH ein­ge­speist. Eine Erhö­hung der Pro­duk­tion von Fern­wärme aus erneu­er­ba­ren Ener­gien für die Wär­me­ver­sor­gung der „Mitte Altona“ ist nicht vorgesehen.

Die Linke nun fürch­tet gestützt auf ein Gut­ach­ten, dass es sich beim Verkauf dieser grünen Wärme um eine Ver­mark­tung der „grünen Eigen­schaft“ von erneu­er­ba­rer Fern­wärme handelt und dabei ein Verstoß gegen das Dop­pel­ver­mark­tungs­ver­bot in Artikel 15 der EU-Richtlinie zur För­de­rung der Nutzung von Energie aus erneu­er­ba­ren Quellen und daneben auch gegen § 5 des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (UWG) vorläge. 

Sie fragt die Bun­des­re­gie­rung, ob sie einen Her­kunfts­nach­weis für diesen Wär­me­be­reich beab­sich­tige und ob die Bun­des­re­gie­rung ebenso einen Verstoß gegen das Dop­pel­ver­mark­tungs­ge­bot sieht und ob sie dieses auch ver­bie­ten wolle. Und, auf den Punkt: 

Steht es nach Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung im Ein­klang mit wett­be­werbs­recht­li­chen Rege­lun­gen zum Schutz von Ver­brau­chern, wenn die „grüne Eigen­schaft“ von Wärme aus einem bestehen­den Altholz-Heizkraftwerk ein­zel­nen Wär­me­kun­den in der „Mitte Altona“ zuge­rech­net würde, diese „grüne Eigen­schaft“ jedoch gleich­zei­tig als min­dern­der Faktor in den Pri­mär­ener­gie­fak­tor der Vattenfall-Fernwärme gemäß der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (EnEv) ein­ge­hen könnte?

Auf gut Deutsch: Wer spart nun mit der Bio­en­er­gie wirk­lich Energie und Emis­sio­nen ein: Der Ver­brau­cher, der dafür einen höheren Preis zahlt, oder der Erzeu­ger, der damit einen höheren Preis erzielt? So gesehen ist das Geschäft mit der Grünen Fern­wärme tat­säch­lich nur eines: Ein Geschäft.

Vor­schau­bild: Soll auch grüne Wärme aus Holz­res­ten trans­por­tie­ren: Ham­bur­ger Fern­wär­me­netz. Foto: Bengt Lange / Vattenfall

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