Big Data ist Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Energy-only-Markt 2.0, wie hier an der Leipziger Energiebörse. Foto: EEX

Energy-​only-​Markt 2.0: Effi­zi­entes Betriebs­system für alle Player

von | 22. September 2015

Nach Meinung von Georgios Stam­ate­lo­poulos, Leiter Erzeugung Betrieb der EnBW, schafft die Bundes­re­gierung gerade den Energy-​only-​Markt 2.0. Energy only bedeutet, dass Strom­erzeuger nur für den erzeugten Strom bezahlt werden,nicht für das Bereit­stellen von Erzeu­gungs­re­serven. Bestand­teile dieses Marktes sind auch börsliche und außer­börs­liche Handelsplätze.

Unver­zerrter Markt

Mit dem Update 2.0 soll ein möglichst unver­zerrter Markt geschaffen werden. Die Verzerrung entsteht derzeit durch den subven­tio­nierten Ökostrom und die dadurch sinkenden Börsen­preise. Nach Meinung von Stam­ate­lo­poulos stellt die Bundes­re­gierung dem Markt und allen Playern damit ein hoch­ef­fi­zi­entes Betriebs­system zur Verfügung. 

Da durch Dezen­tra­li­sierung der Erzeugung und Indi­vi­dua­li­sierung der Ener­gie­an­gebote der Markt deutlich komplexer wird als derzeit, wird derjenige sich durch­setzen, der diese Komple­xität beherrscht. Zudem verstärken tech­no­lo­gische Fort­schritte diese Entwicklung. Der EnBW-​Manager nennt dabei Cloud Computing, Industrie 4.0, Big Datas und Mobile Computing.

Folgender Zeitplan ist derzeit von der Politik avisiert

  • 2015 Obli­ga­to­rische Direkt­ver­marktung der Erneuerbaren
  • 2016 Energieeffizienz-​Ausschreibungen
  • 2017 EE-​Ausschreibungen für Wind und PV lösen feste Vergü­tungen ab
  • 2018 Beginn des Strom­marktes 2.0 und Inkraft­treten des EU-Strommarktdesigns
  • 2019 Ausschrei­bungen für Offshore-Windenergie
  • 2020 Einführung der stra­te­gi­schen Reserve: Rahmen für konven­tio­nelle Erzeugung als Backup
  • Nach 2020: Reform des Emissions-​Handels, CO2-​haltige Produktion wird teurer

Vorher­sehbare Entwicklung

Alles in allem eine Entwicklung, die vorge­geben ist und die, abgesehen von Details, schon vor Jahren erkennbar war. Es ist im Rückblick immer wieder erstaunlich, wie große deutsche Ener­gie­kon­zerne dies ausblen­deten oder dagegen agierten. Die derzeit fallenden Börsen­preise von E‑ON und RWE sind beredtes Zeugnis für diese Ignoranz.

Vorschaubild: Big Data ist Voraus­setzung für die erfolg­reiche Teilnahme am Energy-​only-​Markt 2.0, wie hier an der Leipziger Ener­gie­börse. Foto: EEX

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

3 Kommentare

  1. Thorsten Zoerner

    In der Denke vom Kapa­zi­täts­markt steckt der Fehler, dass er lediglich für konven­tio­nelle Kraft­werke geschaffen werden soll. Dies ist zumindest nach meiner Ansicht ein Diskri­mi­nator, der in die wirt­schaft­liche Selbst­be­stimmung von virtu­ellen Kraft­werken eingreift. Im Konzept des Hybrid­strom­marktes wurde daher eine Kapa­zi­täts­miete gerade für schwan­kende Erzeugung geschaffen. Dies führt zu einer Ressour­cen­scho­nenden Nutzung der bestehenden Infra­struktur. Gerne liefere ich weitere Infor­ma­tionen zu den Wirk­me­cha­nismen dieses Marktmodells.

    • Frank Urbansky

      Dieses Angebot nehme ich gern an Thorsten, gern auch als Gast­beitrag auf meinem Blog.

  2. Rainer Bögl

    Ich finde es nach wie vor schade, dass die „Subvention” der erneu­er­baren nicht mit den „Subven­tionen” der konven­tio­nellen Kraft­werke verglichen wird. Hier müsste genauso verfahren werden. Abrüst­kosten bei Atom­kraft­werken und Rückbau von Kohle­meilern. Dann sieht die Bilanz nämlich ganz anders aus. Zudem werden in ein paar Jahren, wenn die ersten noch hohen Förde­rungen auslaufen, die Strom­preise noch weiter sinken.
    Durch das Über­an­gebot zwingen wir auch unsere Nachbarn die Strom­pro­duktion aus konven­tio­nellen Kraft­werken zu drosseln. Selbst wenn wir diesen Strom verschenken, werden die Dreck­schleudern aus dem Ausland ihren Strom nicht mehr los.

EnWiPo
EnWiPo
Gesetz für Wärme­planung und Netze noch ohne Förderung

Gesetz für Wärme­planung und Netze noch ohne Förderung

Die Bundesregierung will mit dem Ausbau der Wärmenetze die Energiewende drastisch vorantreiben. Die Ziele sind ehrgeizig. Ein neues Gesetz soll beim Erreichen helfen. Doch derzeit gibt es für das kostspielige Vorhaben keine Förderung. Mit dem Jahr 2024 gilt auch das...

Neu entdeckte Bakterien könnten Biogas­pro­duktion verbessern

Neu entdeckte Bakterien könnten Biogas­pro­duktion verbessern

Wissenschaftler haben mit den Darwinibacteriales eine völlig neue Ordnung von Bakterien entdeckt. Sie könnten der Schlüssel zur Verbesserung der Biogasproduktion sein. Wissenschaftler haben innerhalb des europäischen Forschungsprojekts MICRO4BIOGAS eine neue...