Foto: Rohr

Tank­last­wagen: „Wartung, Wartung, Wartung!“

von | 11. Januar 2016

Tkw-​Unfälle sind in Deutschland zwar nicht an der Tages­ordnung, kommen dennoch häufig vor. Interview mit Dr.-Ing. Michael Pötzsch, Regie­rungs­di­rektor in der BAM Bundes­an­stalt für Mate­ri­al­for­schung und ‑prüfung, Berlin und dort u.a. zuständig für die Zulassung von Tanks, über Gesetze, Verord­nungen und tech­ni­schen Ände­rungen, die dies einschränken sollen.

Welches sind die „Achil­les­fersen“ an einem Tkw?

Es gibt keine drama­tische Achil­les­verse, die uns auffällt, natürlich immer in der Relation von gewollter Sicherheit und trag­fä­higer Wirtschaftlichkeit.

Ist eine Weiter­ent­wicklung des Anfahr­schutzes sinnvoll?

III.2 2007-11-21 aussen Pötzsch Kolar Päpke Hr. Pötzsch am Arbeitsplatz grössere Tankfahrzeuge für den Kraftstofftransport

Michael Pötzsch. Foto: Privat

Die mecha­ni­schen Mittel, die von deutschen Tkw-​Herstellern einge­setzt werden, sind oftmals eine Kombi­nation von Anfahr­schutz und Unter­fahr­schutz. Vielmehr geht da nicht und erfüllt auch die derzeit geltende Vorschrift, an der sich wohl vorerst nichts mehr groß ändern wird. In Deutschland allein können wir für eine weitere Anhebung der Standards keine eigenen Vorschriften mehr erar­beiten. Europa macht da nicht mit. Von dort bekommen wir allen­falls merk­würdige Tipps, wie die Geschwin­digkeit auf Auto­bahnen herab­zu­setzen. Das könnte zu Verwechs­lungen führen, da die Geschwin­dig­keiten von Lkw´s nicht zur Debatte stehen. Wir sprechen ja gerade über Lkw zu Lkw-Unfälle.

Was wäre an der Tank-​Hülle sinnvoll?

Das ADR ist das Mindestmaß. Einige Firmen der Groß­chemie haben für bestimmte Aspekte sogar noch härtere Vorschriften. Was sehr sinnvoll ist – weg vom Toploading. Das ist nicht nur gut für den Arbeits­schutz, sondern es gibt dann nur noch eine Befüll­ein­richtung. Und die führt zu mehr Routine und somit zu mehr Sicherheit.

Wichtig ist aus meiner Sicht die Wartung. Uns kommen bei Unfällen immer wieder Tkw unter, die zwar optimal gebaut, aber mangelhaft gewartet wurden. Das betrifft insbe­sondere den Domdeckel, aber auch die Armaturen sowie Ventile oder Flam­men­durch­schlag­si­che­rungen. Hier gibt es noch Nach­hol­bedarf. Beispiel Domdeckel: Der wird manchmal schnell mit dem Fuß zuge­schlagen, dabei wird die Dichtung breit­ge­quetscht. Bei einer normalen Fahrt ist das noch halbwegs dicht, nicht jedoch, wenn der Tkw sich bei einem Unfall auf die Seite legt. Deswegen: Wartung, Wartung, Wartung!

Was könnte das Tkw-​Fahren sicherer zu machen?

Oftmals führt ein geplatzter Reifen an der Vorder­achse zu einem Unfall. Deutsche Lkw-​Hersteller sagen unisono, dass sie erst in fünf Jahren soweit sind, eine vom Fahrer zu über­wa­chende Reifen­in­nen­druck­messung seri­en­mäßig einzu­bauen. Da es ja Systeme am Markt gibt, muss man hier prüfen, wie zuver­lässig die sind.

Was auf jeden Fall sinnvoll wäre, ist eine Fahr­dy­na­mik­re­gelung à la ESP. Die sollte Spur- und Brems­as­sistent sowie einen Abstands­warner beinhalten. Und im Idealfall natürlich die schon erwähnte Reifen­in­nen­druck­messung. Solch ein System kann den Fahrer bei zu starker Kurven­fahrt warnen. Eine Vorschrift hierzu wird es wohl jedoch auf absehbare Zeit nur für Gefahr­gut­fahr­zeuge in Europa nicht geben. Eine Reali­sierung liegt letztlich an der Initiative der Hersteller und ihrer Kunden.

Ab wann gibt es eine bundes­ein­heit­liche Regelung für die Zulassung von Gefahrgut-Fahrzeugen?

Der frühest­mög­liche Termin der Über­tragung der Länder­ho­heiten für die Zulassung von fest­ver­bun­denen Tanks der Tank­fahr­zeuge nach Kapitel 6.8 des ADR an den Bund ist 2013, und zwar im Rahmen einer neuen Gefahr­gut­ver­ordnung. Der Tenor dafür ist durchweg positiv. Viele sind der Meinung, das sei lange über­fällig und würde zu einer klaren Verein­heit­li­chung sowohl der Proze­duren als auch der Anfor­de­rungen führen.

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel und aktua­li­siert für diesen Blog. Der voll­ständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 01/​2012 zu lesen. Zum kosten­freien Probeabo geht es hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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