Die Gasversorger sollen nach dem Willen der EU noch ausführlicher über ihre Verträge berichten. Foto: VNG

EU: Erdgas gut, aber Heizung nicht fördern

von | 17. Februar 2016

Die gestern vorge­stellte modi­fi­zierte Heating & Cooling-​Strategie der EU sieht gegenüber den Vorgän­ger­mo­dellen kaum Ände­rungen vor. Betont wird unter anderem die Markt­ori­en­tierung für Erdgas, das von vielen immer nochmals sauberste Brücken­tech­no­logie hin zu einer voll­kommen kohlen­stoff­freien Ener­gie­wirt­schaft gesehen wird.

Jedoch so ganz trauen die verbe­am­teten Europäer dem Markt nicht. Sie wollen Risiken in der Erdgas­ver­sorgung durch Einsicht­nahme in Liefer­ver­träge besser bewerten können. Damit soll die Versor­gungs­si­cherheit erhäht werden. Das wiederum trifft auf Wider­spruch beim Bran­chen­verband BDEW. „Bereits heute stellen die Unter­nehmen umfang­reiche Daten zu Liefer­ver­trägen bereit. Mehr­bedarf muss gut begründet sein und zur Versor­gungs­si­cherheit beitragen. Dabei müssen Geschäfts­ge­heim­nisse gewahrt werden”, so Anke Tuschek von der Haupt­ge­schäfts­führung des Verbandes.

Obwohl Erdgas so auf diese Weise lang­fristig dauerhaft inte­griert wird, fordert die EU gleich­zeitig einen Stopp der Förderung für Öl- und Gashei­zungen. Der ist durch das neu aufge­legte und ausge­weitete Markt­an­reiz­pro­gramm in Deutschland möglich. 1,5 Mrd. Euro stehen für Gebäu­de­sa­nie­rungen, zu denen auch ein Heizungs­tausch unab­hängig von der Tech­no­logie zählt, zur Verfügung. Das wird von den Vertretern Erneu­er­barer Energien bemängelt. Der BEE liefert dazu auch die passenden Zahlen:

2014 gab es 20,7 Millionen Heizungs­an­lagen. 92 Prozent waren fossile Heizungs­kessel, fast ausschließlich Öl und Gas. Der Absatz von Heizungs­an­lagen belief sich auf 681.000. Damit lag die Austauschrate bei 3,3 Prozent. Von den 681.000 Heizungs­an­lagen waren knapp über 80.000 Erneu­erbare Heizungen, womit die Austauschrate neu instal­lierter EE-​Heizungssysteme bei gerade einmal 0,5 Prozent lag.

Damit spielt der Wärme­markt – neben indus­tri­ellen Anwen­dungen – hier­zu­lande für Erdgas (rund 50 % aller Heizungen) die entschei­dende Rolle. Ein Zurecht­stutzen der Förderung würde aber wohl auch daran wenig ändern.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. jogi54

    Wie sieht denn die Alter­native aus?

    Würden 600.000 Heizungen durch Wärme­pumpen ersetzt, (z.B. bei sehr opti­mis­ti­schen 10MWh/​a Wärme­bedarf und COP=3) bräuchte es 2TWh/​a mehr Strom – woher käme der besonders im Winter?? Aus alten Kohle­blöcken – es wäre nichts gewonnen.

    So lange der Zubau von EEN so stockend ist, ist eine Gasheizung immer noch die bessere Lösung – am besten wären sicherlich Nano-BHKW.

    Insbe­sondere wäre die Kombi­nation von Nano-​BHKW mit Speicher und PV mit Batterie ein wirk­licher Beitrag, Kraft­werke dauerhaft still­legen zu können. Die sommer­liche WW Erzeugung und in der Über­gangszeit Heizungs­un­ter­stützung kann dann noch eine kleine Solar­ther­mie­anlage bewerkstelligen.

    Ich weiß, das „amor­ti­siert” sich alles nicht… Gegen­frage, was amor­ti­siert sich denn von all dem Kram, den wir so kaufen ???

    LG jogi

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