#Frag­wür­dig #EEG2016: SPD sucht echte Mie­ter­strom­mo­delle

Foto: Sven Teschke / Wikimedia /Lizenz unter CC BY-SA 3.0 de
Foto: Sven Teschke / Wikimedia /Lizenz unter CC BY-SA 3.0 de

Hier nun die Antwort von der Leip­zi­ger SPD-MdB Daniela Kolbe und Ordent­li­ches Mit­glied im Aus­schuss für Arbeit und Sozia­les, auf die Frage: Warum wird dezen­tra­ler Mieter-Eigenstrom durch eine Umlage ver­teu­ert?

Fak­tisch handelt es sich bei dem von Ihnen ange­spro­che­nen Modell der Strom­lie­fe­rung um die Leis­tung eines Dritten. Grund dafür ist, dass die Pho­to­vol­ta­ik­an­lage auf dem Dach oder das Block­heiz­kraft­werk im Keller nicht den Mieter(-inne)n sondern dem oder der Eigentümer/-in gehört. Der Strom­lie­fe­rant kauft dem oder der Eigentümer/-in den Strom ab und ver­kauft ihn dann an die Mieter/-innen weiter. Es handelt sich also eine her­kömm­li­che Lie­fer­be­zie­hung. Im EEG ist vor­ge­se­hen, dass der oder die Endverbraucher/-in dafür eine Umlage zahlt.

Ich sehe das durch­aus kri­tisch. Wir müssen alter­na­tive Mie­ter­strom­mo­delle ermög­li­chen. Das ist eine ganz grund­sätz­li­che Dis­kus­sion, die in der SPD und der Bun­des­re­gie­rung noch nicht zu Ende geführt ist. Ich werde mich wei­ter­hin dafür ein­set­zen, dass Modelle gefun­den werden, die den Mieter/-innen zu Gute kommen.

Daniela Kolbe wurde inner­halb der Aktion #Frag­wür­dig #EEG2016 der Ener­gieb­log­ger befragt. Eine weitere Antwort von Oliver Kri­scher (Grüne) auf die oben gestellte Frage findet sich hier.

Mehr unter ener​gieb​log​ger​.net.

1 Kommentar

  1. In dieser Ange­le­gen­heit kann jeder in seinem Sinn argu­men­tie­ren. Das wird beson­ders deut­lich an der Auf­er­le­gung von Kosten, welche durch die Beson­der­heit dezen­tra­ler Ver­sor­gung ganz neu und »künst­lich« ent­stan­den sind und gern unter »Soli­da­ri­täts­ar­gu­men­ten« begra­ben werden.

    Das ist zum einen die wenig bekannte bzw. beach­tete Tat­sa­che, jede PV-Anlage welche bis 2009 per Voll­ein­spei­sung den selbst erzeug­ten Strom ins »Netz« – das lokale Orts­netz – ein­speist, in der Regel für bis zu 30% der jähr­li­chen Pro­duk­tion auf dem »Umweg« des Bezugs des eigenen Pro­dukts über den Bezugs­zäh­ler, seit Anbe­ginn genau für diese Menge, sämt­li­che Belas­tun­gen die das EEG bereit­hält brav ent­rich­tet. Immer­hin ~30% der gesam­ten je von PV-Kleinanlagen pro­du­zier­ten Energie hat niemals phy­si­ka­lisch »bemer­kens­wert« das Orts­netz erreicht. Juris­tisch, finanz­tech­nisch dann doch, immer­hin »ver­weilte« dieser Strom zwi­schen den beiden Zählern kurz­zei­tig »im Netz«.…

    Ein nicht kleiner Anteil der bis dahin wach­sen­den Zahl der kleinen pri­va­ten PV-Anlagen. Erst ab 2009, (für einen kurzen Zeit­raum) wurde die »Über­schuss­ein­spei­sung« als Mög­lich­keit ein­ge­räumt um die Zahl der Neu­in­stal­la­tio­nen weiter zu stei­gern. Ab 2012 war auch diese kurze Episode Geschichte (außer für die­je­ni­gen, welche sich zuvor zu diesem Ein­spei­se­mo­dell ent­schlos­sen hatten). Hier lässt sich durch die erfor­der­li­che Rechen­me­thode Summe der solaren Leis­tung minus Über­schuss­ein­spei­sung (beides per Zähler doku­men­tiert) der »Eigen­ver­brauch« unzwei­fel­haft fest­stel­len.

    Nun zum »Lebens­weg« der Über­schuss­ein­spei­sung, welche man getrost bei allen PV-Anlagen dieses Typs anneh­men kann. Die relativ geringe Ener­gie­menge ver­teilt sich ent­spre­chend der Zustände aller Haus­halte im Orts­netz. Mir ist kein Orts­netz bekannt, welches über den Orts­netz­trafo in das über­ge­ord­nete Netz zurück­spei­sen würde. Ergo stellen all diese Anlagen eher eine Ent­las­tung der Hoch­span­nungs­netze da.

    Das tat­säch­li­che rein finanz­tech­ni­schen Problem, ist die Ver­drän­gung der bis dahin mono­po­lis­ti­schen Strom­erzeu­ger. Klar, durch die so zurück­ge­hen­den Ströme wurde der daraus wie im Para­dies ent­ste­hen­den jähr­li­chen Gewinne emp­find­lich gestört. Sicher gibt es auch tech­ni­sche Gründe, aber der Haupt­grund ist die Kon­kur­renz und die ver­lo­re­nen Absatz­grö­ßen.

    Mit Hilfe eine all­ge­wal­ti­gen Lobby wird nun das EEG ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Absicht in ein Instru­ment zur Bekämp­fung jeder pri­va­ten Initia­tive zur Ener­gie­wende per­ver­tiert. Das reiht sich pro­blem­los in das wun­der­bare Instru­ment »EXX« ein, wo man EEG zu güns­ti­gen Tief­prei­sen an die Indus­trie ver­hö­kert und die daraus ent­ste­hen­den nega­tive Dif­fe­renz nahezu aus­schließ­lich den pri­va­ten Haus­hal­ten zur Bezah­lung der im EEG ent­hal­te­nen För­der­sum­men »wei­ter­reicht«. Und in gera­dezu machia­vel­li­scher Manier diese »Preis­ge­stal­tung« pro­pa­gan­dis­tisch gegen die EE richtet.…

    Nur noch ein Ver­gleich. Warum erhebt man für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer nicht eben­falls eine ent­spre­chende Abgabe ? Nutzen diese »Sozi­al­schma­rot­zer« doch die wun­der­hüb­schen Auto­bah­nen und Fern­stra­ßen die auch für sie »vor­ge­hal­ten werden müssen« so über­haupt nicht. Oder eine Flug­ab­gabe, für alle, die teure Flug­plätze nicht nutzen ?

    Es gäbe noch eine Reihe von ver­glei­chen­den Argu­men­ten, welche pro­blem­los die Unsin­nig­keit der gern vor­ge­brach­ten Argu­mente der Braun­strom­lobby ad absur­dum führen könnten. Doch was nützt das, unsere Volks­ver­tre­ter schei­nen aus­nahms­los blind und taub für ver­nünf­tige Argu­mente oder schlim­me­res …

    Wen die Zusam­men­hänge des »Netz­nut­zungs­ent­gelt« näher inter­es­sie­ren, einfach das gleich­na­mige WIKI lesen und sich daran erfreuen.

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