Foto: Efraimstochter / pixabay

Zu Hohe Entgelte: Geht es den Netz­be­treibern an den Kragen?

von | 7. September 2016

Die klas­sische Ener­gie­wirt­schaft hat es nicht einfach. Der Handel mit Commo­dities ist kaum mehr gewinn­bringend. Zu viele Anbieter tummeln sich auf einem durch­di­gi­ta­li­sierten Markt. 

Die Erzeugung zumindest von Strom lohnt kaum mehr, da durch das EEG und dem Einspei­se­zwang von Wind- und Solar­strom die Preise im Groß­handel verfallen. Beim Gas macht die Fracking-​Unlust der Deutschen den wenigen verblie­benen Förderern das Leben schwer. Und mit Speichern ist kein Geld mehr (Gas) oder noch nicht (Strom) zu verdienen.

Nur eine Konstante gab es in den Umbrüchen der Ener­gie­wende: die Netze. Der Grund ist ein simpler: Wo ein Strom- oder Gasnetz liegt, liegt kein zweites. Ergo ist der Betreiber Mono­polist. Anfang der 2000er Jahre sorgte die EU dafür, dass die Netze aus den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen (EVU), in Deutschland die vier Großen E.ON, RWE, EnBV und Vattenfall sowie jede Menge Stadt­werke beim Strom, und beim Gas zusätzlich noch Wintershall sowie die VNG ihre Netze aus den Mutter­ge­sell­schaften heraus­gelöst worden.

Kaum Entflechtung

Das nannte sich Legal Unbundling und war eine Art Lebens­ver­si­cherung für die Konzerne. Denn die juris­tische Selbst­stän­digkeit war nur eine mit viel Schien. In aller Regel verblieben die Tochter-​Netzgesellschaften im vollen oder groß­teilig bei den Müttern.

Damit es hier zu keinen neuen Monopolen oder Absprachen gab, legte die Bundes­netz­agentur (BNetzA) einen Gewinn von 9,05 % fest. Zudem konnte die Netz­be­treiber Ihre Bilanzen so schön rechnen, dass noch über jede 9,05 % hinaus einiges bei der Mutter hängen bleib – etwa über Beratungsverträge.

Alle anderen Geschäfte der EVU gingen den Bach runter oder wurden schmaler und schmaler. Nur das Netz­ge­schäft brummte – mit staat­licher Garantie. Deswegen sind die Netz­be­treiber nun mal das Tafel­silber jedes EVU.

Verblas­sendes Tafelsilber

Doch das kännte bald schon mit mehr ganz so hell glänzen. Schon seit mehreren Monaten gibt es in der BNetzA und mit Wohl­wollen des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­riums Über­le­gungen, die Garantie-​Rendite auf 6,91 % für den Zeitraum 2019 bis 2023 abzu­senken. Denn knapp 10 % Rendite erwirt­schaftet in der Ener­gie­wirt­schaft schon lange niemand mehr, es sei denn, man ist Besitzer eines Offshore-​Windenergieparks, wo sagenhaft höhere Gewinne möglich sein sollen.

Nur noch 5 %?

Futter für die Gewinn­schmä­lerung kommt nun vom Bundes­verband Neue Ener­gie­wirt­schaft (BNE) und dem Unter­nehmen Licht­blick. Beide gaben ein Gutachten in Auftrag, das letztlich eine Rendite von 5,04 % für ausrei­chend hält, um die Netze weiter am Laufen zu halten. Für Strom solle das ab 2018 gelten, für Gas sogar schon ab nächstem Jahr. Schon heute, so die Studie, zahle ein Durch­schnitts­haushalt 247 Euro pro Jahr für das Stromnetz, während aktuell für die viel­dis­ku­tierte EEG-​Umlage 222 Euro anfallen.

Zu erwarten ist, dass eine Kürzung der Netz­ent­gelte kommt. Wie hoch sie ausfallen wird, ist noch offen. Klar ist auch, dass die Netz­be­treiber und ihre Mütter dagegen Sturm laufen werden. Der Herbst 2016 könnte in dieser Hinsicht und nicht nur der aktuellen Wetterlage geschuldet ein heißer bleiben.


Energieblogger-​Kollege Kilian Rüfer beschäf­tigt sich hier auf seinem Blog Sustainment mit der angeb­lichen Entso­li­da­ri­sierung von ener­ge­ti­schen Selbst­ver­sorgern mit den Netzbetreibern.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

5 Kommentare

  1. MOMO

    Konzerne versorgen meistens ländliche Gebiete, mit geringer Bevöl­ke­rungs­dichte, viel Erneu­erbare und höhere Kosten pro kWh. Das BNetzA erlaubt ihnen nicht, die Netz­ent­gelte in Städten zu senken, und treibt somit die Rekom­mu­na­li­sierung. Es wäre möglich, durch Skalen­ef­fekte die Kosten für alle zu senken und Konzerne, die effizient arbeiten kämen mit mehr Vorher­seh­barkeit und Stabi­lität auch mit 5% klar

  2. Mitarbeiter

    Lustig, dass Sie den Begriff Anreiz­re­gu­lierung nicht in den Mund nehmen?!

    • Frank Urbansky

      Wäre noch ein kleines Bonbon für die Netz­be­treiber, aber hier ging es um die Netz­ent­gelte. Ich hab auch den minimalen Angleich selbiger in West und Ost wegge­lassen, wäre auch noch ein Thema.

  3. jogi54

    Die 2,14% weniger dürften sich beim Strom­preis mit viel­leicht 0,7% oder ca. 0,2ct/kWh niederschlagen.
    Die Welt ist das nun wirklich nicht…

    LG jogi

    • Frank Urbansky

      Wohl wahr, den Netz­be­treibern wird es dennoch weh tun.

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