Ener­gie­wende: Deutsch­land Klas­sen­bes­ter ohne Klasse?

Selbst das modernsten Kohlekraftwerk, wie hier Lippendorf, stößt massenhaft CO2 aus. Aber auch rein ökonomische Gründe sprechen gegen Braunkohl als Partner der Energiewende. Foto: High Contrast / Wikimedia / Lizenz unter CC BY 3.0 de
Selbst das modernsten Kohlekraftwerk, wie hier Lippendorf, stößt massenhaft CO2 aus. Aber auch rein ökonomische Gründe sprechen gegen Braunkohl als Partner der Energiewende. Foto: High Contrast / Wikimedia / Lizenz unter CC BY 3.0 de

Das 6. Ost­deut­sche Ener­gie­fo­rum ist Geschichte. Wie immer standen die Netz­ent­gelte im Mit­tel­punkt und die Unge­rech­tig­keit, dass diese im Osten – obwohl der seine Haus­auf­ga­ben bei der Ener­gie­wende machte – höher sind als im Westen. Das Netz­ent­geld­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz hat hier für einige Gerech­tig­keit gesorgt. Doch das geht einigen der Teil­neh­mer nicht weit genug. Und: Braun­kohle bleibt innig gebliebt bei dieser Ver­an­stal­tung.

Hier eine kleine Samm­lung an Zitaten der Prot­ago­nis­ten.

Helmar Rendez, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraft­werke AG:

Nach der Bun­des­tags­wahl muss eine ehr­li­che Bestands­auf­nahme der Ener­gie­wend eher. Denn so gut wie keines der Ziele wurde erreicht.

Ulf Heit­mül­ler, Vor­stands­vor­sit­zen­der der VNG — Ver­bund­netz Gas AG:

CO2 sollte die Leit­wäh­rung für Ener­gie­wende sein.
Die Voll­elek­tri­fi­zie­rung der Ener­gie­wende ist fehl­ge­lei­tet.

Hartmut Bunsen, Spre­cher der Inter­es­sen­ge­mein­schaft der Unter­neh­mer­ver­bände Ost­deutsch­lands und Berlin:

Als Unter­neh­mer ist es mir egal, wo der Strom her­kommt.

Reiner Haseloff, Minis­ter­prä­si­dent des Landes Sachsen‐Anhalt :

Heseloff
Fotos: Urban­sky

Der Westen ist zu unfle­xi­bel, des­we­gen muss die Phalanx der neuen Länder bei den Netz­ent­gel­ten auf­recht erhal­ten werden.
Braun­kohle gehört in 1. Hälfte des 21. Jahr­hun­derts.
Wir sollten nicht ver­su­chen Klas­sen­bes­ter zu sein, ohne hinter uns zu schauen, ob da noch einer sitzt.
Die Bun­des­re­pu­blik will so bleiben, wie sie ist. Strom wird aber da erzeugt, wo er nicht gebraucht wird. Wir sollen uns im Norden die Land­schaft zupflas­tern lassen?
Wir müssen und ver­ab­schie­den von der Ideo­lo­gie, dass es schmut­zi­gen und dre­cki­gen oder ethisch ein­wand­freien Strom gibt.

Wolf­gang Tie­fen­see, Minis­ter für Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Digi­ta­ler Gesell­schaft des Frei­staa­tes Thü­rin­gen:

Die Ener­gie­wende darf keine Umfi­nan­zie­rung von unten nach oben bringen. Des­we­gen brau­chen wir Bür­ger­en­er­gie und Mie­ter­strom­mo­delle.

Tim Hart­mann, Vor­stands­vor­sit­zen­der enviaM:

Die Ener­gie­wende findet im Ver­teil­netz statt.
Die Bürger stehen hinter Ener­gie­wende, halten sie aber für schlecht gema­na­ged.
Die Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber maßen sich eine Rolle an, die ihnen zukün­tig nicht zusteht. Die Poten­ziale liegen auf dezen­tra­ler Ebene, wo wir Ver­brau­cher und Ein­spei­ser mit­ein­an­der ver­bin­den, um so nicht den Netz­aus­bau vor­an­zu­trei­ben.

Boris Schucht, Vor­sit­zen­der der Geschäfts­füh­rung der 50Hertz Trans­mis­sion GmbH:

Die Wärme‐ und Ver­kehrs­wende hinkt seit 1990 hin­ter­her. Wir befürch­ten, dass deren Ein­spar­ziele noch der Strom­wirt­schaft auf­ge­bür­det werden.
Wir können nicht durch Thü­rin­gen noch 5 bis 6 mal mit neuen Strom­lei­tun­gen durch­kom­men.

Dietmar Woidke, Minis­ter­prä­si­dent des Landes Bran­den­burg :

WoidkeInves­ti­ti­on­si­cher­heit in kon­ven­tio­nelle Kraft­werke gibt es nicht, des­we­gen laufen die alten Schätz­chen weiter, die 30, 40 Jahre oder noch älter sind.
Das EEG bestraft Zuver­läs­sig­keit. Wer Strom spei­chert und wieder ins Netz gibt, bekommt keine Erstat­tung.
Erneu­er­bare Ener­gien müssen aus dem Bun­des­haus­halt finan­ziert werden. Sonst droht die größte Umver­tei­lung in Deu­sch­land seit 1945.

Patrick Grai­chen, Direk­tor der Agora Ener­gie­wende:

Braun­kohle ist nunmal der größte CO2‐Produzent, mehr als gesam­ter Ver­kehrs­sek­tor.
Das Schei­tern der Ener­gie­wende wird im Jah­res­takt ange­kün­digt.
Kom­mu­nen sollten für Wind­strom in ihren Gebie­ten eine Kon­zes­si­ons­ab­gabe bekom­men.

Hubert Weiger, Bun­des­vor­sit­zen­der BUND:

Ich kann nicht in Paris enspe­chende Ver­träge auf den Weg bringen, um dann im eigenen Land zu sagen, so ernst haben wir es offen­sicht­lich nicht gemeint.
Eine Maß­nahme würde der Ver­kehrs­wende helfen: Tem­po­li­mit!
Was wir jetzt nicht inves­tie­ren, werden wir bitter zu bezah­len haben.

Norbert Menke, Spre­cher der Geschäfts­füh­rung der Leip­zi­ger Stadt­hol­ding:

Alle lokalen Ver­sor­ger sind ange­hal­ten, in die Ener­gie­wende zu inves­tie­ren.
Aller­dings gibt es wenig Anreize zu inves­tie­ren.
Die Aus­schrei­bungs­er­geb­nisse bei Wind und Solar sind nicht das, was wir erwar­ten.

Klaus‐Dieter Barb­knecht, Rektor der Berg­aka­de­mie Frei­berg:

Nicht mehr Erneu­er­bare sind das Ziel, sondern weniger CO2.
Bei einer Dun­kel­flaute muss man einmal den Boden­see hoch‐ und run­ter­pum­pen. So viel Pump­spei­cher hätte man gebraucht.

Stefan Kap­fe­rer, Vor­sit­zen­der der BDEW‐Hauptgeschäftsführung:

2022 haben wir keine Über­ka­pa­zi­tä­ten mehr bei der Strom­pro­duk­tion in Deutsch­land.
Spei­cher müssen besser gestellt werden.

Peter Alt­maier, Chef des Bun­des­kanz­ler­am­tes und Bun­des­mi­nis­ter für beson­dere Auf­ga­ben:

AltmaierWarum machen wir den Umbau zu Erneu­er­ba­ren Ener­gien? Wir wollen die Welt retten. Das gelingt aber nur, wenn das auch in anderen Ländern umge­setzt wird.
Wenn wir eine Ener­gie­wende machen, die unkon­trol­liert und unstruk­tu­riert von­stat­ten geht, so dass die Volks­wirt­schaft an Wett­be­werbs­fä­hig­keit einbüßt, dann wird uns niemand diese Ener­gie­wende abneh­men.
Jürgen Trittin hat einst gesagt, die Ener­gie­wende kostet jeden eine Eis­ku­gel. Das wurde später ein Eis­be­cher. Und heute kommt noch ein kleiner Kühl­schrank dazu.

Mit den Zielen der Ener­gie­wende beschäf­tigt sich Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.