Christian Keil erläutert den Bau eines Strohballenhauses. Foto: Urbansky

Keine Spinnerei: Häuser aus Stroh

von | 14. November 2017

Auf dem Barcamp Rene­wables der Energie­bloggerwurde in diesem Jahr auch die Idee des Bauens mit Stroh präsen­tiert. In Deutschland gibt es schon ca. 300 Stroh­häuser, in Frank­reich werden jedes Jahr so viele gebaut.

Damit Häuser nicht zu viel Wärme­en­ergie verbrauchen, werden sie gedämmt. Ein sehr altes, in Deutschland aber als Baustoff zerti­fi­ziertes Material ist Stroh. Stroh­blogger Christian Reis­en­thaler und Christian Keilarbeiten beide mit dem Material und nutzen es, um damit ganze Häuser zu bauen. Der Öster­reicher Reis­en­thaler hat schon ein eigenes Strohhaus gebaut, das den Passiv­h­aus­standard erreicht. Keil unternahm Reisen quer durch Europa und arbeitete an verschie­denen Stroh­haus­ob­jekten mit. Groß sind jedoch die regio­nalen Unter­schiede, siehe Einleitung.

Es gibt mehr als zwei Konstruk­ti­ons­arten: In Deutschland sind Stroh­ballen als Wärme­dämm­stoff, zum Einbau zwischen zwei tragenden Ständern zuge­lassen. Neben der zahl­reichen Formen der Hybrid-​Bauweise gibt es die last­tra­genden Konstruk­tionen, bei der die Dämmung auch statische Eigen­schaften übernimmt, sowie Dämmung zum Einblasen mit Stroh-​Häcksel, die jedoch alle in Deutschland noch nicht zuge­lassen sind. Für Instal­la­teure inter­essant: Strom­lei­tungen werden im Stroh verlegt und mit Lehm umkleidet. Wasser­lei­tungen hingegen sollten aus nahe­lie­genden Gründen außerhalb des Strohs verlegt werden.

Stroh hat dabei viele Vorteile. Es ist immer ein regio­nales Produkt und kann tatsächlich vom Bauern um die Ecke bezogen werden. Die Kosten von Stroh­dämmung sind mit herkömm­lichen Dämm­stoffen konkur­renz­fähig. Gleiches gilt für die Baukosten, die dem eines konven­tionell errich­teten und gedämmten Hauses entsprechen. Auch Angst vor Unge­ziefer braucht niemand zu haben. Die Ballen sind so fest gepresst, dass einer Maus schnell die Lust am Nagen vergeht. Für eine Barriere sorgt zudem der Putz, der direkt auf das Stroh aufge­bracht werden kann. Auch Angst vor Feuer muss niemand haben. Die mit Stroh errich­te­ten Wände ent­spre­chen der Klasse F30 und können bis zu F90 erreichen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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