Martin Sabel.Foto: BWP

Wärme­pumpe: attraktiv, wachsend, zukunftssicher

von | 7. Dezember 2017

Ein Gespräch mit Dr. Martin Sabel, Geschäfts­führer des Bundes­ver­bands Wärme­pumpe (BWP).

EnWiPo: Die gerade viel disku­tierte Dena-​Studie „Szenarien für eine markt­wirt­schaft­liche Klima-​und Ressour­cen­schutz­po­litik 2050 im Gebäu­de­sektor“ setzt den Tenor auf Tech­no­lo­gie­of­fenheit. Sie waren einer der Auftrag­geber. Sind Sie mit diesem Ergebnis glücklich?

Sabel: Es ist wichtig in alle möglichen Rich­tungen zu denken und entspre­chend zu forschen. Uns kam es vor allem darauf an, die Paris-​Ziele von 95% CO2-​Minderung sekto­ren­über­greifend zu unter­suchen. Das hat die Studie auch geleistet. Die Ergeb­nisse sind aus Wärmepumpen-​Sicht erfreulich: Mindestens 7 Mio. Wärme­pumpen müssen bis 2050 in Deutschland instal­liert sein, bei einer auf elek­trische Anwen­dungen fokus­sierten Strategie sogar 16 Mio. Der Wärmepumpen-​Ausbau muss also in jedem Fall deutlich beschleunigt werden. Natürlich lässt die Studie aber auch noch Fragen offen: Es wird zwar vorge­rechnet, dass das soge­nannte „Elek­tri­fi­zie­rungs­sze­nario“ gegenüber dem soge­nannten „Technologiemix-​Szenario“ mehr kostet, die volks­wirt­schaft­liche Gesamt­rechnung wurde aller­dings nicht gemacht. Zum Beispiel wird ange­nommen, dass im Falle einer Elek­tri­fi­zierung mehr gedämmt werden muss. Das schafft aber auch inlän­dische Wert­schöpfung. Im Technologiemix-​Szenario hingegen werden PtX-​Brennstoffe aus dem Nicht-​EU-​Ausland impor­tiert, sodass viel Kapital abfließt. Die Studie beant­wortet also mitnichten die Frage, welcher Pfad der bessere für die Volks­wirt­schaft als Ganzes ist.

Das heißt, der Absatz von Wärme­pumpen müsste rasant wachsen. Ist damit schon in den kommenden Jahren zu rechnen?

Dieses Jahr gehen wir von einem Absatzplus von 15 Prozent aus. Dieser starke Anstieg war auch durch die EnEV und den Bauboom bedingt. Für 2018 sind wir vorsich­tiger. Wir rechnen zwar weiter mit stei­genden Absätzen, aber diese werden voraus­sichtlich nicht mehr so stark ausfallen. Für den notwen­digen Ausbau müssten sich die Rahmen­be­din­gungen ändern, insbe­sondere die Verzer­rungen im Bereich der Ener­gie­preise müssen dringend beseitigt werden.

Bleibt die Luft-​Wasser-​Wärmepumpe dabei das Absatz-Schwergewicht?

Wenn man realis­tisch ist, ja. Der Anteil der Sole-​Wasser Wärme­pumpen am Gesamt­absatz der Heizungs­wär­me­pumpen liegt derzeit etwa bei einem Drittel. Die zunächst höheren Inves­ti­ti­ons­kosten und oft auch die Unsi­cher­heiten, die das Geneh­mi­gungs­ver­fahren mit sich bringt, wirken offen­sichtlich abschre­ckend auf Bauherren. Dabei bleibt die Erdwär­me­pumpe, ob mit offenem oder geschlos­senem Quel­len­kreislauf das effi­zi­en­teste System, das zudem einen Vorteil hat: man kann damit im Sommer kühlen. Die Hersteller von Erdwär­me­sonden testen diese Tech­no­logie zudem für einen Zeitraum von 100 Jahren. In dieser Zeit kann ich zwei oder drei Erdwär­me­pumpen mit der gleichen Sonde betreiben. Wenn man das einrechnet, ist die Erdwär­me­pumpe sogar die güns­tigste Variante.

In diesen Zeit­räumen denkt ja eher niemand. Entscheidend ist das hier und jetzt und wie schnell sich etwas amor­ti­siert. Sind hier neue Entwick­lungen zu erwarten? Oder ist das System Wärme­pumpe schon technisch ausge­reizt – etwa vergleichbar mit der Brennwerttechnik?

Gerade ältere Kunden, die darüber nach­denken ihr Haus an die Kinder zu vererben, denken schon lang­fristig. Die großen Sprünge sind in nächster Zeit nicht zu erwarten. Natürlich arbeitet die Industrie konti­nu­ierlich an der Verbes­serung der Systeme. Die Wärme­pumpe hat sich ja auch über die Jahr­zehnte hinweg evolu­tionär entwi­ckelt. Modu­lie­rende Wärme­pumpen sind sicher ein Thema, ebenso die Mini­mierung von Schall­emis­sionen. Aber da wir uns hier schon auf einem hohen Quali­täts­niveau bewegen sind weitere Opti­mie­rungen mit einem entspre­chenden Aufwand verbunden Ein wichtiges Thema ist außerdem die Digi­ta­li­sierung, die ja in allen Bereichen voran­schreitet. Im Bereich der Wärme­pumpen tut sich hier einiges, z.B. wenn es um die Fern­wartung von Geräten geht oder um die Einbindung einer Photo­vol­ta­ik­anlage mit Batteriespeicher.

Wie sähe denn ein idealer, poli­ti­scher Hebel aus, um die Wärme­pumpe dahin zu befördern, wo sie den eingangs beschrie­benen Szenarien nach hingehört?

Ein wesent­licher Ansatz­punkt sind die Ener­gie­preise. Diese müssten sich an dem Treib­haus­po­tential des jewei­ligen Ener­gie­trägers orien­tieren. Um eine Entwicklung in diese Richtung anzu­stoßen, haben wir vorge­schlagen, die Ausnahmen bei der EEG-​Umlagen für ener­gie­in­tensive Unter­nehmen aus dem allge­meinen Steu­er­auf­kommen zu finan­zieren. Die Unter­stützung von ener­gie­in­ten­siven Unter­nehmen, die im inter­na­tio­nalen Wett­bewerb stehen, ist eine gesamt­ge­sell­schaft­liche Aufgabe und es gibt keinen Grund warum diese ausschließlich über den Strom­preis finan­ziert werden sollte. Auch die Strom­steuer sollte man absenken oder abschaffen, um die Lücke hin zu den Preisen für Gas und Öl zu verringern. Das würde auf jeden Fall helfen. Die Förderung für rein fossil betriebene Heizungen sollte auch schnellst­möglich beendet werden. Damit werden einfach die falschen Signale gegenüber dem Endver­braucher gesetzt.

Wäre das geplante Gebäu­de­en­er­gie­gesetz, das ja letztlich an der CDU schei­terte, eine Hilfe gewesen?

Ja, aber bei einigen Punkten hatten wir Bauch­schmerzen, etwa bei der perma­nenten Anzeige der Jahres­ar­beitszahl. Das hätten die Hersteller dann ausschließlich für den deutschen Markt bauen müssen. Technisch ist das zwar möglich, aber sehr aufwändig und aus unserer Sicht auch nicht zielführend.

Der Wärme­pum­pen­absatz ist neubau­ge­trieben. Soll die Wärme­pumpe in Millio­nen­re­gionen vorstoßen, geht das nur über die Bestands­ge­bäude. Wie kann das gelingen?

Entscheidend sind die Hand­werker. Sie beraten den Kunden, wenn er ein neues Heiz­system braucht. Wir haben einen Leitfaden entwi­ckelt, mit dem wir hoffen, die Infor­ma­ti­ons­de­fizite am Markt beheben zu können, etwa die Fehl­in­for­mation, dass eine Wärme­pumpe nur mit einer Flächen­heizung funk­tio­niert. Aller­dings: Auch die Hand­werker haben Nach­wuchs­sorgen und derzeit manchmal den Kopf gar nicht frei, um sich um die Wärme­pumpe auch noch zu kümmern.

Fällt dann die Ener­gie­wende aus, weil es niemanden mehr gibt, der fort­schritt­liche Heizungs­tech­no­logien einbauen kann?

So schlimm wird es nicht kommen. Aber das Berufsbild muss aus meiner Sicht attrak­tiver werden. Ein Wärme­pum­pen­in­stal­lateur ist ja quasi SHK-​Handwerker, Elek­triker, Steue­rungs­spe­zialist und Klima­fachmann in einem. Es gibt verbän­de­über­greifend Inter­essen, hier ein neues Berufsbild zu kreieren, das genau das alles vereint und das für junge Menschen entspre­chend attraktiv ist. Denn die Arbeit mit der Wärme­pumpe ist attraktiv. Es wird zunehmend darum gehen Haus­technik intel­ligent mitein­ander zu vernetzen. Die Steuer- und Rege­lungs­technik wird stark an Bedeutung gewinnen. Eine spannende Aufgabe, die die Ener­gie­wende in die Heizungs­keller bringt.


Um die Bedeutung der Wärme­pumpe für die Ener­gie­wende geht es hier auf dem Blog von energiezukunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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