EAST: Spei­cher im Regel­en­er­gie­markt uner­läss­lich

Regional erzeugter Windstrom sollte auch in der Region vermarktet werden, in der er entsteht. Das ist einer der Grundgedanken der Dezentralisierung der Stromwirtschaft. Frank Urbansky
Regelenergie ist nötig, um die schwankenden Angebote etwa von Windkraft für ein stabiles Stromnetz auszugleichen. Foto: Urbansky

Der Kon­gress EAST am 16. und 17. Sep­tem­ber 2019 befasst sich mit Spei­cher­lö­sun­gen in Zeiten der Ener­gie­wende. Wenn mehr erneu­er­bare Ener­gien aus Wind oder Sonne ins Netz ein­ge­speist werden, sorgt dies für höhere Vola­ti­li­tä­ten. Der Regel­en­er­gie­markt belohnt Strom­pro­du­zen­ten oder ‑kunden, die bei Bedarf und zur Erhal­tung der Netz­sta­bi­li­tät Strom abneh­men oder selbst vom Netz gehen. Spei­cher sind in einem solchen System ein wich­ti­ger Bau­stein.

Die Regel­en­er­gie soll Schwan­kun­gen der Strom­netz­fre­quenz, die bei 50 Hertz liegt, aus­glei­chen. Geschieht dies nicht, ist ein Black­out sicher. In Deutsch­land konnte ein solcher groß­flä­chig bisher ver­mie­den werden. Bei jähr­lich stei­gen­den Antei­len an Wind- und Solar­strom sind deut­sche Haus­halte pro Jahr im Durch­schnitt ledig­lich 12 Minuten lang ohne Strom — ein welt­wei­ter Spit­zen­wert.

Damit dies auch wei­ter­hin so bleibt, bedarf es einer sehr genauen Pro­gnos­tik, was wann ins Netz ein­ge­speist und wo wieder aus­ge­speist wird. Ver­brau­cher, die bei einem Mangel an Strom schnell vom Netz gehen können, werden dafür belohnt. Ebenso ist es auf Pro­du­zen­ten­seite: Droht ein Über­an­ge­bot an Strom, werden Strom­kun­den dafür bezahlt, wenn sie diesen Übeschuss abneh­men können. Doch dies ist nur die zweit­beste Mög­lich­keit, da ja letzt­lich Geld – für das alle Strom­ver­brau­cher durch die Netz­ent­gelte auf­kom­men – für nichts bezahlt wird.

Des­we­gen braucht es für eine kon­ti­nu­ier­li­che Strom­pro­duk­tion und ‑abnahme Wet­ter­vor­her­sa­gen, intel­li­gente Netze – und Spei­cher in Form von E‑Batterien. Diese haben einen sehr großen phy­si­ka­li­schen Vorteil: Sie können quasi sekun­den­schnell reagie­ren, Strom auf­neh­men bezie­hungs­weise abgeben.

Es gibt bereits Anbie­ter, die Besit­zern von Heim­spei­chern eine Teil­nahme am Regel­en­er­gie­markt ermög­li­chen. Ein­zelne Heim­bat­te­rien mit einer Leis­tung von bis zu 20 kW sind für eine eigene Teil­nahme zu klein. Des­we­gen werden sie zu vir­tu­el­len Kraft­wer­ken ver­netzt. Auch wenn dies in Zeiten der Digi­ta­li­sie­rung einfach klingt und letzt­lich auch ist – das Ver­fah­ren zur Zulas­sung am Regel­en­er­gie­markt bleibt kom­pli­ziert.

Einer der Pio­niere in Deutsch­land ist Spei­cher­her­stel­ler Fenecon. Über einen Energy Pool werden für fünf Jahre Heim­spei­cher in den Regel­en­er­gie­markt ein­ge­bun­den. Als Ver­gü­tung gibt es 1.000 kWh Frei­strom im Jahr – umge­rech­net gut 300 Euro. Unter­stützt wird das Unter­neh­men dabei von der Schwei­zer Ampard AG, die welt­weit einer der Pio­niere für solche Modelle ist.

Auch Sonnen, einer der größten deut­schen Bat­te­rie­her­stel­ler und kürz­lich von Shell über­nom­men, arbei­tet an einem solchen Modell und hat dafür rund 4.000 E‑Speicher ver­netzt. Teil­neh­mer, deren Bat­te­rie min­des­tens 6 kW leisten muss, bekom­men auch hier den Rest­strom geschenkt, dazu noch eine kleine Ver­gü­tung.

Arbei­ten diese vir­tu­el­len Spei­cher­netze mit nur einem Typ eines Her­stel­lers, so sind aber auch Modelle möglich, die ver­schie­dene Spei­cher­ar­ten in einem vir­tu­el­len Kraft­werk zusam­men­kop­peln. Daran arbei­tet etwa das Startup Grid‑X der renom­mier­ten Inge­nieurs­schmiede RWTH Aachen.

Neben solchen Modelle für kleine Heim­spei­cher gibt es inzwi­schen auch große E‑Batterien, die der Netz­sta­bi­li­tät dienen sollen. Südlich von Nürn­berg etwa wurde des­we­gen ein aus 84 Bat­te­rien bestehen­der und 1 MW leis­ten­der Spei­cher errich­tet, der bereits im Regel­en­er­gie­markt arbei­tet.

Über­schüs­sige Energie kann aber auch in Wär­me­spei­chern genutzt werden  in dem sie mittels Power-to-Heat-Verfahren Wasser erwärmt. Viele Stadt­werke setzen inzwi­schen auf diese Tech­no­lo­gie, um so inbe­son­dere mit kos­ten­freiem Strom ihre Wär­me­netze zu befül­len und gleich­zei­tig Gewinne am Regel­en­er­gie­markt zu erzie­len.

Drei Work­shops zur EAST, Sek­tor­über­grei­fen­des Ener­gie­ma­nage­ment; IKT / Digi­tale Ver­net­zung intel­li­gen­ter Spei­cher sowie Finan­zie­run­gen, Start-ups, recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, inter­na­tio­nale Zusam­men­ar­beit werden Not­wen­dig­kei­ten, recht­li­chen Rahmen und Ein­bin­dungs­mög­lich­kei­ten von Spei­chern in den Regel­en­er­gie­markt zum Gegen­stand haben.

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