Regelenergie ist nötig, um die schwankenden Angebote etwa von Windkraft für ein stabiles Stromnetz auszugleichen. Foto: Urbansky

EAST: Speicher im Regel­en­er­gie­markt unerlässlich

von | 19. August 2019

Der Kongress EAST am 16. und 17. September 2019 befasst sich mit Spei­cher­lö­sungen in Zeiten der Ener­gie­wende. Wenn mehr erneu­erbare Energien aus Wind oder Sonne ins Netz einge­speist werden, sorgt dies für höhere Vola­ti­li­täten. Der Regel­en­er­gie­markt belohnt Strom­pro­du­zenten oder ‑kunden, die bei Bedarf und zur Erhaltung der Netz­sta­bi­lität Strom abnehmen oder selbst vom Netz gehen. Speicher sind in einem solchen System ein wichtiger Baustein.

Die Regel­en­ergie soll Schwan­kungen der Strom­netz­fre­quenz, die bei 50 Hertz liegt, ausgleichen. Geschieht dies nicht, ist ein Blackout sicher. In Deutschland konnte ein solcher groß­flächig bisher vermieden werden. Bei jährlich stei­genden Anteilen an Wind- und Solar­strom sind deutsche Haushalte pro Jahr im Durch­schnitt lediglich 12 Minuten lang ohne Strom – ein welt­weiter Spitzenwert.

Damit dies auch weiterhin so bleibt, bedarf es einer sehr genauen Prognostik, was wann ins Netz einge­speist und wo wieder ausge­speist wird. Verbraucher, die bei einem Mangel an Strom schnell vom Netz gehen können, werden dafür belohnt. Ebenso ist es auf Produ­zen­ten­seite: Droht ein Über­an­gebot an Strom, werden Strom­kunden dafür bezahlt, wenn sie diesen Übeschuss abnehmen können. Doch dies ist nur die zweit­beste Möglichkeit, da ja letztlich Geld – für das alle Strom­ver­braucher durch die Netz­ent­gelte aufkommen – für nichts bezahlt wird.

Deswegen braucht es für eine konti­nu­ier­liche Strom­pro­duktion und ‑abnahme Wetter­vor­her­sagen, intel­li­gente Netze – und Speicher in Form von E‑Batterien. Diese haben einen sehr großen physi­ka­li­schen Vorteil: Sie können quasi sekun­den­schnell reagieren, Strom aufnehmen bezie­hungs­weise abgeben.

Es gibt bereits Anbieter, die Besitzern von Heim­spei­chern eine Teilnahme am Regel­en­er­gie­markt ermög­lichen. Einzelne Heim­bat­terien mit einer Leistung von bis zu 20 kW sind für eine eigene Teilnahme zu klein. Deswegen werden sie zu virtu­ellen Kraft­werken vernetzt. Auch wenn dies in Zeiten der Digi­ta­li­sierung einfach klingt und letztlich auch ist – das Verfahren zur Zulassung am Regel­en­er­gie­markt bleibt kompliziert.

Einer der Pioniere in Deutschland ist Spei­cher­her­steller Fenecon. Über einen Energy Pool werden für fünf Jahre Heim­speicher in den Regel­en­er­gie­markt einge­bunden. Als Vergütung gibt es 1.000 kWh Freistrom im Jahr – umge­rechnet gut 300 Euro. Unter­stützt wird das Unter­nehmen dabei von der Schweizer Ampard AG, die weltweit einer der Pioniere für solche Modelle ist.

Auch Sonnen, einer der größten deutschen Batte­rie­her­steller und kürzlich von Shell über­nommen, arbeitet an einem solchen Modell und hat dafür rund 4.000 E‑Speicher vernetzt. Teil­nehmer, deren Batterie mindestens 6 kW leisten muss, bekommen auch hier den Reststrom geschenkt, dazu noch eine kleine Vergütung.

Arbeiten diese virtu­ellen Spei­cher­netze mit nur einem Typ eines Herstellers, so sind aber auch Modelle möglich, die verschiedene Spei­cher­arten in einem virtu­ellen Kraftwerk zusam­men­koppeln. Daran arbeitet etwa das Startup Grid‑X der renom­mierten Inge­nieurs­schmiede RWTH Aachen.

Neben solchen Modelle für kleine Heim­speicher gibt es inzwi­schen auch große E‑Batterien, die der Netz­sta­bi­lität dienen sollen. Südlich von Nürnberg etwa wurde deswegen ein aus 84 Batterien bestehender und 1 MW leis­tender Speicher errichtet, der bereits im Regel­en­er­gie­markt arbeitet.

Über­schüssige Energie kann aber auch in Wärme­spei­chern genutzt werden in dem sie mittels Power-​to-​Heat-​Verfahren Wasser erwärmt. Viele Stadt­werke setzen inzwi­schen auf diese Tech­no­logie, um so inbe­sondere mit kosten­freiem Strom ihre Wärme­netze zu befüllen und gleich­zeitig Gewinne am Regel­en­er­gie­markt zu erzielen.

Drei Workshops zur EAST, Sektor­über­grei­fendes Ener­gie­ma­nagement; IKT /​Digitale Vernetzung intel­li­genter Speicher sowie Finan­zie­rungen, Start-​ups, recht­liche Rahmen­be­din­gungen, inter­na­tionale Zusam­men­arbeit werden Notwen­dig­keiten, recht­lichen Rahmen und Einbin­dungs­mög­lich­keiten von Speichern in den Regel­en­er­gie­markt zum Gegen­stand haben.

Mehr dazu hier.

Weitere Infor­ma­tionen zur EAST finden sich hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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