Kli­ma­freund­li­ches Kicken: Bun­des­li­ga­clubs bemühen sich um Nach­hal­tig­keit

Dank Wärmepumpen das erste klimaneutrale Stadion der Welt: die WWK-Arena in Augsburg. Foto: Frank Urbansky

Kli­ma­schutz und Nach­hal­tig­keit standen nicht nur auf der Agenda des Welt­wirt­schafts­fo­rums in Davos ganz weit oben. Auch die Vereine der Fußball-Bundesliga wollen mehr gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung über­neh­men und rücken Umwelt­the­men daher zuneh­mend in ihren Fokus.

Alles nur noch Kommerz”, jammert so mancher Fuß­ball­fan und trauert der ver­meint­lich guten alten Zeit hin­ter­her, als man Ver­träge noch per Hand­schlag schloss und nicht wenige Kicker ihre gesamte Pro­fi­kar­riere bei einem ein­zi­gen Verein bestrit­ten. Spie­lern wie Clubs, meinen viele, mangele es heut­zu­tage an Ethos und Volks­nähe. Alles werde letzt­lich über­strahlt von der Hatz nach Gehäl­tern, Titeln und Umsatz­re­kor­den.

Tat­säch­lich werden die Clubs längst wie Wirt­schafts­un­ter­neh­men geführt, straff orga­ni­siert und flan­kiert von breiter exter­ner Exper­tise. Mit der wirt­schaft­li­chen Stärke gingen indes auch gestie­gene Erwar­tun­gen einher, sagt Stefan Ludwig von der Unter­neh­mens­be­ra­tung Deloitte. “Fans, Mit­glie­der, Spon­so­ren und Politik erwar­ten zuneh­mend, dass die Bun­des­li­gis­ten auch gesell­schaft­lich eine immer größere Ver­ant­wor­tung über­neh­men”, so Ludwig. Laut einer Deloitte-Studie aus dem Jahr 2019 ver­fol­gen immer mehr Clubs ent­spre­chende Ziel­set­zun­gen, bis hin zum CO2-neu­tra­len Stadion.

Wie genau sich dies in der Praxis nie­der­schlägt, hat die Deut­sche Welle unter die Lupe genom­men. So hat etwa Borus­sia Dort­mund eine Photovoltaik-Anlage auf dem Sta­di­on­dach instal­liert, über die pro Sitz­platz eine Tonne CO2 ein­ge­spart werden soll. Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gien nutzen auch viele Kon­kur­ren­ten wie München oder Lever­ku­sen. Ebenso sind Mehrweg-Becher und LED-Beleuchtung in zahl­rei­chen Stadien längst Alltag.

Beson­ders vor­bild­lich zeigen sich die oft als Retor­ten­club geschmäh­ten Hof­fen­hei­mer. So gleicht man im Kraich­gau etwa den eigenen öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck mit Hilfs­pro­jek­ten in Uganda aus und vergibt aus Gras her­ge­stellte Auto­gramm­kar­ten. Außer­dem kann jeder Ticket­käu­fer Baum­setz­linge für je einen Euro erwer­ben.

Ähn­li­ches für den FSV Mainz 05, der sich 2011 zum „ersten kli­ma­neu­tra­len Bun­des­li­ga­ver­ein“ pro­kla­mierte. Die Solar­zel­len auf dem Dach der Arena sparen lauten Club-Angaben jähr­lich rund 470 Tonnen CO2 ein. Zudem pro­du­ziert man im Stadion seinen eigenen Honig. Als Vor­rei­ter in Sachen Umwelt­freund­lich­keit gilt unter­des­sen der SC Frei­burg, der bereits 1995 eine Solar­an­lage instal­lie­ren ließ. Ein Jahr später folgten was­ser­lose Urinale. Über­dies koope­rie­ren die Schwarz­wäl­der mit dem „Word Wide Fund For Nature“ (WWF) im Rahmen von Natur­schutz­pro­jek­ten.

Seri­en­meis­ter München in unge­wohn­ter Jäger-Rolle

Reich­lich Nach­hal­tig­keit bietet die Bun­des­liga derzeit auch in punkto Span­nung. So war das Rennen um die Meis­ter­schale schon lange nicht mehr als so offen wie in dieser Spiel­zeit. Dass die erfolgs­ver­wöhn­ten Münch­ner Bayern, zuletzt sie­ben­mal in Folge Titel­trä­ger, sich wie teils in frü­he­ren Jahren bereits im März die Meis­ter­schaft sichern, kann man getrost aus­schlie­ßen.

Denn nicht sie führen die Liga an, sondern RB Leipzig aus dem Impe­rium des öster­rei­chi­schen Brause-Milliardärs Diet­rich Mate­schitz. Unter dem neuen Coach Julian Nagels­mann hat die ohnehin nicht tor­scheue Mann­schaft noch einmal an Durch­schlags­kraft zuge­legt und als erstes Team über­haupt in neun auf­ein­an­der fol­gen­den Partien min­des­tens drei Treffer erzielt. Ein Triumph zu Sai­son­ende scheint zurzeit also gar nicht abwegig.