Thomas-Tim Sävecke. Foto: Hamburg Energie

Geothermie funk­tio­niert nur, wenn sie ange­nommen wird“

von | 8. Juni 2021

Interview mit Thomas-​Tim Sävecke, Bereichs­leiter Produktion und Contracting bei Hamburg Energie

DW: Wie grün ist HAMBURG ENERGIE?

Sävecke: Seit unserer Gründung bieten wir ausschließlich Tarife mit 100 Prozent Ökostrom aus erneu­er­baren Quellen. Wir liefern aber nicht nur saubere Energie, sondern produ­zieren sie auch selbst – und zwar so viel, wie knapp 70 Prozent unserer 150.000 Kunden an Strom verbrauchen. Die Energie kommt von PV-​Anlagen, aus Windkraft und aus Solar­thermie. Um unser Angebot zu vervoll­stän­digen: Wir bieten auch Quar­tiers­lö­sungen mit Nahwärme und BHKWs und Elek­tro­mo­bi­lität. Geothermie, wie in Wilhelmsburg geplant, fehlt uns bisher noch im Portfolio. Wenn mit dem neuen Gebäu­de­en­er­gie­gesetz 15 Prozent erneu­erbare Energien bei Neubauten einge­koppelt werden müssen, geht das in einer Großstadt wie Hamburg nicht mehr ohne einen hohen Anteil an Erneu­er­baren im Strom- und Wärmemix. …

Geothermie ist in Nord­deutschland, auch wenn es zahl­reiche Aquifere gibt, ja nicht gerade das erste Mittel der Wahl. Welche Gründe waren ausschlaggebend?

Die Nord­deutsche Tiefebene hat ein größeres Geothermie-​Potenzial als Molasse-​Becken und Rhein­graben zusammen. Vor zehn Jahren entstand erstmals die Idee, das Erdwär­me­po­tenzial in Wilhelmsburg zu nutzen. Unser Ziel war es von Anfang an, ein Modell­projekt für die Region zu initi­ieren, indem wir Erkennt­nisse für etwaige weitere Geother­mie­pro­jekte im Norden gewinnen. Denn die Bohrung muss erfolg­reich sein, sonst überlebt das niemand wirt­schaftlich. Deswegen ist es gut, dass wir die Stadt Hamburg über­zeugen konnten, die auch finan­ziell hinter dem Projekt steht. Zudem wird das Projekt vom BMWi gefördert, auch das minimiert unser Risiko. Deswegen können wir in diesem Jahr auch anfangen zu bohren und ab 2023 schon Wärme aus tiefer Geothermie liefern. …


Gekürzt. Geschrieben für DW Die Wohnungs­wirt­schaft. Der voll­ständige Beitrag erschien in der Nummer 06/​2021. Zum Abon­nement der Zeit­schrift Die Wohnungs­wirt­schaft geht es hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Klima­schutz­con­tracting – das nächste große Ding?

Klima­schutz­con­tracting – das nächste große Ding?

Mit dem Klimaschutz-Contracting sollen Energiedienstleistungen auf ein neues Level gebracht werden. Damit beschäftigt sich ein Arbeitskreis im Contracting-Verband vedec. Contracting boomt. Der Fachverband konstatierte für 2020 ein Wachstum von 4,5 % im Umsatz und 6,55...

Was das Jahr 2022 ener­gie­po­li­tisch bringt

Was das Jahr 2022 ener­gie­po­li­tisch bringt

2022 wird energiepolitisch durch die Ampelkoalition geprägt werden. Aber auch die EU plant auf dem Energie- und insbesondere dem Gasmarkt große Umstrukturierungen, die alle Verbraucher betreffen. Die Energiepolitik der EU wirkt sich immer stärker auf die deutsche...

Digitaler Gebäude-​Zwilling schafft Transparenz

Digitaler Gebäude-​Zwilling schafft Transparenz

Im Wohnungsbau ist die digitale Planungsmethode Building Information Modeling (BIM) noch nicht weit verbreitet. Dabei bietet sie gerade für die Planung und den späteren Betrieb von Wohnimmobilien große Vorteile. Die höheren Investitionen in der Planungsphase rentieren...