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E‑Autos: Vor- und Nachteile auf einem Blick

von | 23. Juni 2021

2020 war ein Erfolgsjahr für die Elek­tro­mo­bi­lität in Deutschland. Mit einem Plus von 207 Prozent eroberten E‑Autos die deutschen Straßen, obwohl die Gesamt­zu­las­sungs­zahlen einen Minus­trend verzeich­neten. Der Aufwärts­trend beweist, dass sich sowohl Auto­her­steller als auch ‑nutzer im Klaren sind, dass die Ener­gie­wende für den Umwelt­schutz unent­rinnbar ist. Doch Inter­es­sierte zögern oft wegen aufkom­mender Kosten und fehlender Ladein­fra­struktur. Sind diese Bedenken gerecht­fertigt? Hier sind die Vor- und Nachteile der Elek­tro­mo­bi­lität auf einem Blick.

Vorzüge der E‑Autos

Für E‑Autos wird kräftig Werbung gemacht. Lewis Hamilton, Mercedes Erfolgs­fahrer in der Formel 1 und einer der Topver­diener der Sportwelt, ersetzte seinen ehema­ligen Benziner durch den Mercedes-​Benz EQC nicht nur zwecks Werbung, sondern auch aus ökolo­gi­schem Bewusstsein. Jürgen Klopp stellte sich vor die Kamera für Opel Corsa‑e und Audi nutzte den Hype um Game Thrones für sich, um für seine zukünf­tigen Elek­tro­mo­delle zu promoten.

Der aktuelle Trubel um E‑Autos ist nicht umsonst. Verglichen mit herkömm­lichen Auto­mo­dellen über­zeugen sie in puncto Ener­gie­ef­fi­zienz in voller Länge. Während bei Verbren­nungs­mo­toren nur ein Wirkungsgrad von vierzig Prozent möglich ist, garan­tieren Elek­tro­mo­toren einen Wert um neunzig Prozent. Anders erklärt, bei Elek­tro­mo­toren ist die einge­setzte Energie, um nutzbare Energie zu erzeugen, deutlich niedriger als bei Verbren­nungs­mo­toren. Im Zuge des fort­schrei­tenden Klima­wandels ist dies eine deutlich umwelt­scho­nende Eigenschaft.

Lang­fristig schont der Elek­tro­an­trieb auch den Geld­beutel. Aufgrund hoher Anschaf­fungs­kosten entscheiden sich viele Menschen gegen ein Elek­tro­modell. Dabei sind E‑Autos vergleichs­weise günstig im Unterhalt. Die Ausgaben für Strom sind niedriger als Sprit­kosten und zahl­reiche Wartungs- und Repa­ra­tur­kosten entfallen. Zudem belohnt der Staat Umsteiger mit äußerst vorteil­haften Steuervergünstigungen.

Und schließlich über­zeugen E‑Autos mit inno­va­tivem Fahrspaß. Hoch­modern ist nicht nur der Motor, sondern passend zum digitalen Zeitalter auch die Innen­aus­stattung. Viele Fahrer schwärmen zudem über das geräuscharme Rollen. Die Lärm­be­lastung im E‑Auto ist auf einem Mini­mum­level, wovon nicht nur die Auto­in­sassen profi­tieren, sondern alle Menschen, die das Pech haben am Stra­ßenrand zu wohnen. Falls der Aufwärts­trend in den Verkaufs­zahlen anhält, können wir uns in der Zukunft auf Städte mit geringer Stra­ßen­lärm­be­lastung freuen. Auch wenn E‑Autos sich von heulenden Motoren und quiet­schenden Reifen verab­schiedet haben, kann sich ihre Beschleu­nigung sehen lassen. Dass E‑Autos nicht richtig Gas geben können, ist schlicht und ergreifend ein Vorurteil.

Die Infrastruktur- und Umweltfrage

Umwelt­schutz, lang­fristig sinkende Kosten und inno­va­tiver Fahrspaß sind die wich­tigsten Argumente, die für den Kauf eines E‑Autos sprechen. Dennoch sollten Umsteiger vor dem Auto­wechsel folgende Nachteile bedenken.

Im Vergleich zu herkömm­lichen Auto­mo­dellen haben E‑Autos eine geringe Reich­weite. Bei kleineren Modellen muss man meist nach 150 Kilo­metern nachladen. Größere Modelle erreichen nach 200 Kilo­metern ihre Grenzen. Diese Tatsache wäre grund­sätzlich kein Problem, wenn die Ladein­fra­struktur zufrie­den­stellend ausgebaut wäre. Doch die Elek­tro­aus­stat­tungen von vielen Gebäuden sind nicht für diese Aufgabe vorbe­reitet. Da kommt die Frage, wo das E‑Auto bei der geringen Reich­weite aufge­laden werden sollte, wenn nicht zu Hause oder auf der Arbeit.

Entscheidet der Fahrer sich für eine Lade­station, muss er bedenken, dass das komplette Aufladen einen halben Tag dauert. Natürlich gibt es Schnelllade-​Stationen. Das Wort „schnell“ täuscht aller­dings. Auch da müssen Fahrer für einen hundert­pro­zen­tigen Batte­rie­stand – natürlich auch abhängig vom Modell – mehrere Stunden in Kauf nehmen. Hinzu­kommt, dass nicht überall Lade­sta­tionen zu finden sind. Je länd­licher die Gegend, desto löchriger wird die Abdeckung. All diese Probleme können viel­leicht im Alltag irgendwie gelöst werden. Doch eine Autotour ins Ausland kann bei diesen Voraus­set­zungen im Desaster enden. Auch eine akri­bische Reise­planung garan­tiert nicht, dass Lade­säulen frei und funk­ti­ons­tüchtig sind oder die Frei­schaltung einwandfrei klappt. Dies ist jedoch ein Nachteil, der in den folgenden Jahre gelöst werden wird, um die steigende Nachfrage nach E‑Autos frisch zu halten.

Daneben entspricht das grüne Image der E‑Autos nicht der ganzen Wahrheit. Sie sind zwar lokal emis­si­onsfrei, doch zur Ökobilanz eines Fahrzeugs gehören mehrere Kompo­nenten. Sowohl die Auto­her­stellung als auch der Antrieb frisst Strom. Da der Umstieg auf voll­kommen rege­ne­ra­tivem Strom noch nicht statt­ge­funden hat, ist die Elek­tro­mo­bi­lität folglich auch nicht hundert­pro­zentig grün. Dazu kommen stark umwelt­be­las­tende Prozesse bei der Akku­her­stellung sowie fehlende Recy­cling­mög­lich­keiten für Altbatterien.

Die Trends zeigen, dass die Zukunft der Auto­mo­bil­branche in E‑Autos liegen. Für die dringend notwendige Ener­gie­wende scheinen sie eine grüne Lösung anzu­bieten. Doch Käufer sollten bedenken, dass auch die Elek­tro­mo­bi­lität nicht voll­kommen Grün ist. Ener­gie­ef­fi­zienz und fehlende lokale Emis­si­ons­pro­duktion sind zwar berech­tigte Plus­punkte, aber umwelt­ver­schmut­zende Prozesse bei der Herstellung und beim Antrieb können auch bei E‑Autos nicht verhindert werden. Jenseits der Umwelt­frage garan­tiert Elek­tro­mo­bi­lität inno­vative Fahrer­fahrung sowie lang­fristig Kosten­er­spar­nisse. Inves­ti­tionen in die Ladein­fra­struktur werden sicherlich die aktuellen Probleme bezüglich Lade­sta­tionen und Ladedauer in den folgenden Jahren beheben.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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