Unsere Gesprächspartnerin Dr. Sylwia Bialek-Gregory. Foto: EWI

Versor­gungs­si­cherheit – auch die Unter­nehmen sind gefragt

von | 12. Dezember 2025

Trotz Ener­gie­krise, geopo­li­ti­scher Span­nungen und volatiler Märkte zeigt sich Deutsch­lands Ener­gie­ver­sorgung heute robuster als vielfach ange­nommen. Doch wie stabil sind Strom- und Gasver­sorgung tatsächlich? Welche Preis­ri­siken drohen der Industrie – und wie realis­tisch ist der Wasser­stoff­hochlauf? Nach­haltige Industrie sprach mit Dr. Sylwia Bialek-​Gregory, wissen­schaft­liche Geschäfts­füh­rerin des Ener­gie­wirt­schaft­lichen Instituts an der Univer­sität zu Köln (EWI), über Versor­gungs­si­cherheit, Ener­gie­preise, Netz­ausbau und die Heraus­for­de­rungen für eine klima­neu­trale Industrie.

Nach­haltige Industrie: Frau Dr. Bialek-​Gregory, wie schätzen Sie derzeit die Versor­gungs­si­cherheit und Preis­sta­bi­lität für Strom und Gas in Deutschland ein? Und was sind die größten kurz­fris­tigen Risi­ko­treiber für Produktionsbetriebe?

Sylwia Bialek-​Gregory: Die Versor­gungs­si­cherheit ist in Deutschland aktuell gegeben – sowohl im Hinblick auf die Infra­struktur als auch auf die Markt­pro­zesse. Gleich­zeitig nehmen jedoch die Risiken für die Zuver­läs­sigkeit der Versorgung zu. Dennoch kann die Versor­gungs­si­cherheit in den kommenden Jahren aufrecht­erhalten werden, wenn wir im Strom­sektor gezielt nach­steuern. Darauf weist das EWI auch im aktuellen Energiewende-​Monitoring hin.

Dass die Versor­gungs­si­cherheit hier­zu­lande aktuell auf sehr hohem Niveau liegt, zeigt der soge­nannte SAIDI-​Index, der die durch­schnitt­liche Dauer von Versor­gungs­un­ter­bre­chungen pro Kunde misst. Mit weniger als 14 Minuten Strom­aus­fällen und etwa zwei Minuten Gasun­ter­bre­chungen gehört Deutschland weltweit zu den Ländern mit der stabilsten Ener­gie­ver­sorgung. Zum Vergleich: In den USA mussten Verbraucher im Jahr 2023 im Schnitt fast zwei Stunden ohne Strom auskommen – in West Virginia sogar rund sechs Stunden. Wir sprechen also von ganz anderen Größenordnungen.

Ein Nachteil des SAIDI-​Index ist jedoch, dass er Kurz­un­ter­bre­chungen unter drei Minuten sowie Span­nungs­pro­bleme nicht berück­sichtigt. Gerade solche kurzen Schwan­kungen können in indus­tri­ellen Produk­ti­ons­pro­zessen erheb­liche Schäden verur­sachen. Tatsächlich melden Unter­nehmen hier zunehmend Schwie­rig­keiten. Diese lassen sich aber meist durch eigene Vorsor­ge­maß­nahmen wie Schwung­räder, Batte­rie­systeme oder eine gute Abstimmung mit den Netz­be­treibern abfangen. Auch eine Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung kann sinnvoll sein.

Kurz­fristige Risiken für die Versor­gungs­si­cherheit entstehen vor allem durch geopo­li­tische Entwick­lungen oder extreme Wetter­ereig­nisse. Das sind jedoch keine spezi­fisch deutschen Risiken, sondern treffen viele Länder gleichermaßen. …


Gekürzt. Geschrieben für das Magazin Nach­haltige Industrie von Springer.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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