Solarthermie ist eine gute Erfüllungsoption für Erneuerbare Energien bei Bestandssanierungen. Foto: Urbansky

EEWärmeG: Keine 15 % Erneu­erbare im Bestand

von | 29. April 2016

Die 15 % Erneu­erbare Energien zur Wärme­er­zeugung, die in Baden Würt­temberg für Haus­sa­nierer schon jetzt Pflicht sind, werden wohl keinen Eingang ins neue EEWärmeG finden. Der Ausschuss für Wirt­schaft und Energie hat gestern einen entspre­chenden einge­brachten Entwurf der Grünen mit den Stimmen der Koalition abgelehnt, während Linke und Grüne dafür stimmten. 

Vorge­sehen waren in dem Antrag zudem Ersatz­maß­nahmen wie beispiels­weise die Nutzung von Kraft-​Wärme-​Kopplungsanlagen oder der Anschluss an ein Wärmenetz. Verschiedene Maßnahmen sollen mitein­ander kombi­niert werden können.

Die Union setzt hingegen auf frei­willige Maßnahmen wie das Markt­an­reiz­pro­gramm (MAP) und den Natio­nalen Akti­onsplan für Ener­gie­ef­fi­zienz (NAPE). Auch die SPD wies auf die bestehenden Programme hin und kündigte außerdem einen Vorschlag der Koalition zum Wärme­be­reich an. Die Linken forderte eine Verdrei­fa­chung der Anstren­gungen im Wärme­sektor, um die Klima­ziele zu erreichen. Erst 4,5 Millionen Haushalte würden ihren Wärme­bedarf durch erneu­erbare Energien decken. Das sei zu wenig.

Neues EEWärmeG überflüssig

Aktuell liegt der Anteil von Erneu­er­baren Energien im Wärme­sektor bei 12,2 %, davon werden gut 80 % von Biomas­se­hei­zungen abgedeckt, also Kaminen mit Holz oder Pellet- sowie Hack­schnit­zel­hei­zungen. Bis 2020 soll dieser Anteil auf 14 % erhöht werden. Er könnte dann, dank MAP und NAPE sogar bei 16,3 % liegen. Zur Wirt­schaft­lichkeit der mit erneu­er­baren Energien betrie­benen Wärme­an­lagen heißt es in Zweiten Erfah­rungs­be­richt zum EEWärmeG, diese könnten Wärme bereits vielfach zu vergleich­baren Kosten bereit­stellen wie Anlagen, die fossile Ener­gie­träger wie Öl oder Gas verwenden würden. Den typi­scher­weise höheren Inves­ti­ti­ons­kosten würden deutlich nied­rigere Betriebs­kosten gegenüberstehen.

Generell fraglich ist, ob es ein neues EEWärmeG geben wird. Denn durch die verschärften Bedin­gungen der EnEV, die praktisch nur noch mit einem recht hohen Anteil an Erneu­er­baren Energien zu erfüllen sind, ist ein EEWärmeG, das genau das festlegt, eigentlich überflüssig.


Über Wider­sprüch­lich­keiten im MAP schreibt Energieblogger-​Kollege Olof Matthaei hier in seinem Blog energie effizient sparen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. jogi54

    Das Geeiere der Bundes­re­gierung geht ganz schön auf die Nerven.

    Nach Paris (0 fossile für Heizung und WW) bleibt vernünf­tiger Weise eigentlich nur noch folgende Strategie übrig:
    – Neubau als Passivhaus
    – Altbau auf min. KfW 40 Standard isolieren

    Heizung und WW:
    – ggf. über­gangs­weise Gas-​KWK oder Pellet-​KWK, wobei Pellet-​KWK für Passivhaus/​KfW40 viel zu viel Wärme macht
    – nur noch Wärme­pumpen und Solar­thermie (da auch Absorber, statt hightech Kollek­toren), kombi­niert mit möglichst viel PV.

    Für mein eigenes, privates Forschungs­projekt unter­suche ich derzeit, Beton­ab­sorber – Betonerd(zwischen)speicher + Absorber unter ca. 50PV Anlage. Das sind eigentlich schon lange bekannte Tech­no­logien, die jedoch kaum bekannt sind.

    Beton­ab­sorber und Absorber unter PV können bis zu 60°C heiß werden und reichen im Sommer zusammen mit einer FriWa Station lässig aus, WW nur mit Umwälz­pum­pen­strom (ähnlich wie bei ST) zu gewähr­leisten. Da liegt der COP dann bei 3050, je nach hydrau­li­scher Auslegung – WP sind da weit abgeschlagen.

    Beton­ab­sorber nehmen auch diffuse Strahlung auf und können im Winter wetter­ab­hängig deutlich bessere COPs liefern, als Erdquellen. Durch eine Kombi­nation von Beton­ab­sorber und Beton­erd­wär­me­speicher kann dieser Vorteil zwischen­ge­spei­chert und auch nachts oder an „schlech­teren Tage” genutzt werden.

    Spannend wird die „worst case” Analyse – Köln 14 Tage zwischen ‑15°C und ‑18°C bei gleich­zeitig strah­lendem Sonnen­schein 15. – 30.12. mit PVGis Daten. (Gab es vor ? 8 Jahren mal in Köln).

    Mein Bauch­gefühl sagt mir, dass all die hightech ST zwar für spezielle Anwen­dungen (z.B. VRK für Fern­wär­me­netze oder große Wohn­ein­heiten) ihre Berech­tigung haben mögen, aber gegenüber viel preis­wer­teren und univer­seller nutzbaren Absorbern im privaten Haus­tech­nik­be­reich mittel­fristig unter­gehen werden.

    Aller­dings ist da noch einige Entwick­lungs­arbeit zu machen – Absorber als alter­native Quelle für WP oder direkte Beheizung für WW – Hydrau­lik­schal­tungen dafür, geschweige denn Rege­lungs­kon­zepte, sind im Netz nirgends zu finden. (grummel – hab ich zumindest nicht gefunden..)

    was ich da so rausfinde, werde ich in meinem websei­tenlink veröffentlichen…

    LG jogi

EnWiPo
EnWiPo
Call for Papers für Kraft­stoffe der Zukunft 2027

Call for Papers für Kraft­stoffe der Zukunft 2027

Die Transformation der Mobilität ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie findet jetzt statt. Zwischen regulatorischen Weichenstellungen, technologischen Innovationen und globalen Rohstoffmärkten entstehen derzeit die Grundlagen für ein klimaneutrales Verkehrssystem....