SenerTec Dachs SEplus Systempaket und Dachs HKA auf der ISH 2011. Foto: SenerTec

KWK wirt­schaftlich für kleinere Einheiten?

von | 9. März 2014

Strom und Wärme erzeugen, dabei nur von geringen Brenn­stoff­lie­fe­rungen abhängig sein – das ist der Traum vieler Eigen­heim­be­sitzer. Ein Mini-​Blockheizkraftwerk würde dies ermög­lichen. Doch in welchen Häusern macht die Instal­lation einer solchen Anlage Sinn? 

Dazu muss man zual­lererst die Leis­tungs­fä­higkeit der kleinen Kraft­spender kennen.

Derzeit handels­üb­liche Mini-​BHKWs (etwa der Dachs Stirling SE oder der aus Neuseeland stammende WhisperGen) erzeugen eine elek­trische Leistung von rund 1 kW. Das ist für ein Einfa­mi­li­enhaus voll­kommen ausrei­chend. Gleich­zeitig entstehen jedoch, so beim Dachs, mind. 6 kW ther­mische Leistung. Das reicht locker für einen Jahres­bedarf von 15.000 bis 50.000 kWh.

Zum Vergleich: Ein Nied­rig­ener­giehaus mit 140 qm Wohn­fläche braucht davon weniger als die Hälfte oder sogar nur ein Drittel. Da die über­schüssige Wärme nicht in ein Netz einge­speist werden kann, wäre eine Instal­lation in modern gedämmten Häusern sinnlos. Technisch ist es bei diesen kleinen Anlagen auch nicht möglich, weniger Wärme und mehr Strom zu erzeugen. Die Faust­regel ist: Je mehr Storm, je mehr Wärme. Nötig wäre eine Anlage mit 2,8 kW Wärme­leistung und 1 kW elek­tri­scher Energie. Ein Wert, den derzeit der lion-​Powerblock von OTAG bietet, der aber noch nicht am Markt verfügbar ist.

Bei einem Nied­rig­ener­giehaus bzw. Passivhaus ist eine KWK-​Anlage in den meisten Fällen nicht sinnvoll“, so Olaf Wirth von Mini-​BHKW-​Bauer ATN HölzelGmbH. „Dasselbe Problem haben eigentlich auch andere alter­native Heiz­systeme. Wenn ich statt einer Öl-​Heizung eine Wärme­pumpe einsetze mit Mehr­kosten von 8.000 Euro und ich spare dadurch 200 Euro im Jahr ein, wird sich auch so ein System nicht amortisieren.“

KWK ist im Einfa­mi­li­en­haus­be­reich derzeit eine Nische“ gibt sich Dr. Julika Weiß vom Institut für ökolo­gische Wirt­schafts­for­schung (IÖW) eher skeptisch. „Das ist eher was für größere Gebäude und für Wärme­netze.“ Sie ist eine der Teil­neh­me­rinnen des Forschungs­pro­jektes „Ener­gie­ef­fi­ziente Sanierung von Eigen­heimen“ des Bundes­mi­nis­te­riums für Bildung und Forschung.

Wenn die Einfa­mi­li­en­häuser größer sind, etwa mit Gewer­be­räumen wie einer Arzt­praxis versehen, kann sich das etwa bei Einsatz von Heiz­ölsehr wohl rechnen“, meint hingegen Adi Golbach vom Bundes­verband KWK (B.KWK). „Maßge­schneidert für Häuser normaler Größe gibt es neuer­dings Anlagen mit Stirling- oder Dampf­motor, die weniger als 3 kW elek­trische Energie erzeugen“.

Mehr Brenn­stoff nötig

Ein Argument für KWK ist die Redu­zierung von Kosten und Umwelt­be­lastung. Doch wie sieht es bei einem Einfa­mi­li­enhaus damit konkret aus? „Jede Mikro-​KWK-​Anlage braucht zunächst mehr Brenn­stoff als eine herkömm­liche Heizung, da aus dem Brenn­stoff, neben der Wärme auch Strom erzeugt wird. Aber durch die Vergütung des selbst erzeugten Stroms und die Befreiung von der Ener­gie­steuer für den Brenn­stoff lohnt sich die Mini-​KWK für den Betreiber“, so Dietmar Weisen­berger von Bran­chen­primus Senertec. „Aus primär­ener­ge­ti­scher Sicht wird bis zu 30 Prozent Brenn­stoff einge­spart, da die Verluste von 64 Prozent, die bei der herkömm­lichen Strom­erzeugung entstehen bei der Mikro-​KWK-​Anlage zum Heizen genutzt werden.“

Im Einzelfall, so Holger von Haller von Otag, könne bei gut sanierten Häusern der Brenn­stoff­ver­brauch sogar sinken. Er empfiehlt zudem, Motor-​BHKWs immer mit einer paral­lelen Stan­dard­heizung zu betreiben, da im Winter zu wenig Wärme produ­ziert und im Sommer diese nicht benötigt werde. Unter den dann nötigen Taktungen, sprich Unter­bre­chungen der Lauf­zeiten, würde der Motor leiden.

Für das hier genannte Vergleichshaus sei eine KWK-​Anlage rentabel. „Die Erlöse summieren sich auf ca. 350 Euro, davon 200 Euro aus dem KWK-​Zuschlag und 150 Euro durch die Ener­gie­steu­er­ein­sparung bei Einsatz eines Dachs Stirling“ rechnet Weisen­berger. Hinzu kämen ca. 2.000 kWh Strom, die nicht mehr bezogen werden müssten. (Bei den derzei­tigen Durch­schnitts­s­preisen brächte das eine Entlastung von 23 Cent x 2.000 kWh = 460 Euro.) Dafür müsse ein Mehr­ver­brauch an Brenn­stoff von ca. 15 Prozent gegenüber Beheizung mit Brenn­wert­kessel gerechnet werden. Würde ein älterer Kessel (Nieder­tem­pe­ra­tur­kessel) ersetzt, käme es kaum noch zu einem Mehr­ver­brauch. Positiver Effekt für die Umwelt: Bis zu 3 Tonnen weniger CO2-​Austoss im Jahr.

Gerade deswegen sehen etliche KWK-​Hersteller in Besitzern veral­teter Ölhei­zungen ihre eigent­liche Ziel­gruppe. „Die Inves­tition ist bei einer KWK-​Anlage erst einmal höher als bei einem anderen Heizungs­system, amor­ti­siert sich aber durch die Nutzung von Wärme und erzeugtem Strom. Darüber hinaus fördert der Staat Anlagen der Kraft-​Wärme-​Kopplung“, meint Olaf Wirth. Selbst die Fein­staub­be­lastung sind bei den kleinen Alle­s­künstlern besser. „In mit Öl betrie­benen KWK bauen wir Rußfilter ein“, so Senertec-​Mann Weisenberger.

Zudem spielt auch die Qualität der Haus­sub­stanz eine Rolle: „Die Erschließung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz­po­ten­tialen wird in erster Linie nicht im Neubau­be­reich statt­finden, sondern dort, wo vorhandene Bausub­stanz aufge­wertet und saniert wird. Gerade dort haben wir auch die höheren spezi­fi­schen Ener­gie­ver­brauchs­dichten, die für die KWK gute Perspek­tiven bieten“, erläutert der Wirt­schafts­mi­nister des Landes Baden-​Württemberg, Ernst Pfister, die Potenziale.

KWK-​Initiativen bereiten den Markt vor

Doch wie nun soll die KWK-​Technologie auch im eigenen Heim ihren Siegeszug antreten? Bisher hat Markt­führer Senertec zwar über 25.000 Dachse verkauft, steht damit jedoch auf weiter Flur allein da. Bei einem Gesamt­be­stand von weit über 30 Millionen Heizungs­an­lagen in Deutschland ist das eher eine homöo­pa­thische Dosis. Handwerk, Politik und Industrie sowie Brenn­stoff­handel haben dazu in etlichen Bundes­ländern KWK-​Initiativen ins Leben gerufen. Erst im Februar startete die nun schon 2. Initiative dieser Art in Süddeutschland, unter­stützt von VEH, IWO und dem Wirt­schafts­mi­nis­terium des Landes Baden-Württemberg.

Anbieter wie Senertec und Giese unter­stützen dabei Sanierer, die sich für eine ölbe­feuerte KWK-​Lösung entscheiden, nicht nur mit Rat und Tat, sondern ganz konkret mit Geld­prämien. Das Institut für wirt­schaft­liche Oelheizung gibt ebenso einen Obolus dazu wie die an der Initiative teil­neh­menden Händler. Ein KWK-​Modernisierer kann gut und gerne so auf knapp 1.000 Euro zusätzlich zu den staat­lichen Förde­rungen kommen.

Vorteile auf dem flachen Land

B.KWK-Chef Golbach sieht noch über die Einfa­mi­li­en­häuser hinweg weitere Poten­ziale. „Nehmen Sie nur das platte Land oder auch größere Einfa­mi­li­en­haus­sied­lungen, wo kein Gasver­sorger eine Leitung hinlegt“, so der B.KWK-Geschäftsführer. „Dort können Sie ein größeres BHKW hinstellen und die Siedlung oder das ganze Dorf äußerst günstig mit Strom und Wärme versorgen.“ Dieses Versor­gungs­prinzip der Nahwärme erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit und wird von mehr und mehr Stadt­werken, aber auch in Privat­in­itiative angeboten.

Bei Nah- und Fernwärme ist in erster Linie das Enga­gement von Städten und Gemeinden und ihrer Stadt­werke gefordert. Dabei kann Kraft-​Wärme-​Kopplung auch eine Möglichkeit für Neubau­ge­biete sein. Sie bietet aber vor allen Dingen auch für kommunale Sanie­rungs­ge­biete eine viel­ver­spre­chende Option“, bestätigt dies Minister Pfister in seinem Vorwort zur jüngsten KWK-​Initiative. Mit seiner Meinung steht er übrigens, wie eine Reihe weiterer Landes­mi­nister, ziemlich quer zur Bundes­re­gierung. Die ist der KWK-​Technologie nicht mehr so entschieden wohl­ge­sonnen wie vor einigen Jahren.

Geschreiben für Brenn­stoff­spiegel und Mine­ral­öl­rund­schau, Heft 3/​2011. Kompletter Beitrag nur in der Print­ausgabe zu lesen.

Titelbild:

SenerTec Dachs SEplus System­paket und Dachs HKA auf der ISH 2011. Foto: SenerTec

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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