KWK wirt­schaft­lich für klei­nere Ein­hei­ten?

SenerTec Dachs SEplus Systempaket und Dachs HKA auf der ISH 2011. Foto: SenerTec

Strom und Wärme erzeu­gen, dabei nur von gerin­gen Brenn­stoff­lie­fe­run­gen abhän­gig sein – das ist der Traum vieler Eigen­heim­be­sit­zer. Ein Mini-Blockheizkraftwerk würde dies ermög­li­chen. Doch in welchen Häusern macht die Instal­la­tion einer solchen Anlage Sinn?

Dazu muss man zual­ler­erst die Leis­tungs­fä­hig­keit der kleinen Kraft­spen­der kennen.

Derzeit han­dels­üb­li­che Mini-BHKWs (etwa der Dachs Stir­ling SE oder der aus Neu­see­land stam­mende Whi­sper­Gen) erzeu­gen eine elek­tri­sche Leis­tung von rund 1 kW. Das ist für ein Ein­fa­mi­li­en­haus voll­kom­men aus­rei­chend. Gleich­zei­tig ent­ste­hen jedoch, so beim Dachs, mind. 6 kW ther­mi­sche Leis­tung. Das reicht locker für einen Jah­res­be­darf von 15.000 bis 50.000 kWh.

Zum Ver­gleich: Ein Nied­rig­ener­gie­haus mit 140 qm Wohn­flä­che braucht davon weniger als die Hälfte oder sogar nur ein Drittel. Da die über­schüs­sige Wärme nicht in ein Netz ein­ge­speist werden kann, wäre eine Instal­la­tion in modern gedämm­ten Häusern sinnlos. Tech­nisch ist es bei diesen kleinen Anlagen auch nicht möglich, weniger Wärme und mehr Strom zu erzeu­gen. Die Faust­re­gel ist: Je mehr Storm, je mehr Wärme. Nötig wäre eine Anlage mit 2,8 kW Wär­me­leis­tung und 1 kW elek­tri­scher Energie. Ein Wert, den derzeit der lion-Powerblock von OTAG bietet, der aber noch nicht am Markt ver­füg­bar ist.

Bei einem Nied­rig­ener­gie­haus bzw. Pas­siv­haus ist eine KWK-Anlage in den meisten Fällen nicht sinn­voll“, so Olaf Wirth von Mini-BHKW-Bauer ATN Höl­zelGmbH. „Das­selbe Problem haben eigent­lich auch andere alter­na­tive Heiz­sys­teme. Wenn ich statt einer Öl-Heizung eine Wär­me­pumpe ein­setze mit Mehr­kos­ten von 8.000 Euro und ich spare dadurch 200 Euro im Jahr ein, wird sich auch so ein System nicht amor­ti­sie­ren.“

KWK ist im Ein­fa­mi­li­en­haus­be­reich derzeit eine Nische“ gibt sich Dr. Julika Weiß vom Insti­tut für öko­lo­gi­sche Wirt­schafts­for­schung (IÖW) eher skep­tisch. „Das ist eher was für größere Gebäude und für Wär­me­netze.“ Sie ist eine der Teil­neh­me­rin­nen des For­schungs­pro­jek­tes „Ener­gie­ef­fi­zi­ente Sanie­rung von Eigen­hei­men“ des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bildung und For­schung.

Wenn die Ein­fa­mi­li­en­häu­ser größer sind, etwa mit Gewer­be­räu­men wie einer Arzt­pra­xis ver­se­hen, kann sich das etwa bei Einsatz von Heiz­öl­sehr wohl rechnen“, meint hin­ge­gen Adi Golbach vom Bun­des­ver­band KWK (B.KWK). „Maß­ge­schnei­dert für Häuser nor­ma­ler Größe gibt es neu­er­dings Anlagen mit Stirling- oder Dampf­mo­tor, die weniger als 3 kW elek­tri­sche Energie erzeu­gen“.

Mehr Brenn­stoff nötig

Ein Argu­ment für KWK ist die Redu­zie­rung von Kosten und Umwelt­be­las­tung. Doch wie sieht es bei einem Ein­fa­mi­li­en­haus damit konkret aus? „Jede Mikro-KWK-Anlage braucht zunächst mehr Brenn­stoff als eine her­kömm­li­che Heizung, da aus dem Brenn­stoff, neben der Wärme auch Strom erzeugt wird. Aber durch die Ver­gü­tung des selbst erzeug­ten Stroms und die Befrei­ung von der Ener­gie­steuer für den Brenn­stoff lohnt sich die Mini-KWK für den Betrei­ber“, so Dietmar Wei­sen­ber­ger von Bran­chen­pri­mus Sen­er­tec. „Aus pri­mär­ener­ge­ti­scher Sicht wird bis zu 30 Prozent Brenn­stoff ein­ge­spart, da die Ver­luste von 64 Prozent, die bei der her­kömm­li­chen Strom­erzeu­gung ent­ste­hen bei der Mikro-KWK-Anlage zum Heizen genutzt werden.“

Im Ein­zel­fall, so Holger von Haller von Otag, könne bei gut sanier­ten Häusern der Brenn­stoff­ver­brauch sogar sinken. Er emp­fiehlt zudem, Motor-BHKWs immer mit einer par­al­le­len Stan­dard­hei­zung zu betrei­ben, da im Winter zu wenig Wärme pro­du­ziert und im Sommer diese nicht benö­tigt werde. Unter den dann nötigen Tak­tun­gen, sprich Unter­bre­chun­gen der Lauf­zei­ten, würde der Motor leiden.

Für das hier genannte Ver­gleichs­haus sei eine KWK-Anlage ren­ta­bel. „Die Erlöse sum­mie­ren sich auf ca. 350 Euro, davon 200 Euro aus dem KWK-Zuschlag und 150 Euro durch die Ener­gie­steu­er­ein­spa­rung bei Einsatz eines Dachs Stir­ling“ rechnet Wei­sen­ber­ger. Hinzu kämen ca. 2.000 kWh Strom, die nicht mehr bezogen werden müssten. (Bei den der­zei­ti­gen Durch­schnitts­s­prei­sen brächte das eine Ent­las­tung von 23 Cent x 2.000 kWh = 460 Euro.) Dafür müsse ein Mehr­ver­brauch an Brenn­stoff von ca. 15 Prozent gegen­über Behei­zung mit Brenn­wert­kes­sel gerech­net werden. Würde ein älterer Kessel (Nie­der­tem­pe­ra­tur­kes­sel) ersetzt, käme es kaum noch zu einem Mehr­ver­brauch. Posi­ti­ver Effekt für die Umwelt: Bis zu 3 Tonnen weniger CO2-Austoss im Jahr.

Gerade des­we­gen sehen etliche KWK-Hersteller in Besit­zern ver­al­te­ter Ölhei­zun­gen ihre eigent­li­che Ziel­gruppe. „Die Inves­ti­tion ist bei einer KWK-Anlage erst einmal höher als bei einem anderen Hei­zungs­sys­tem, amor­ti­siert sich aber durch die Nutzung von Wärme und erzeug­tem Strom. Darüber hinaus fördert der Staat Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung“, meint Olaf Wirth. Selbst die Fein­staub­be­las­tung sind bei den kleinen Alle­s­künst­lern besser. „In mit Öl betrie­be­nen KWK bauen wir Ruß­fil­ter ein“, so Senertec-Mann Wei­sen­ber­ger.

Zudem spielt auch die Qua­li­tät der Haus­sub­stanz eine Rolle: „Die Erschlie­ßung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz­po­ten­tia­len wird in erster Linie nicht im Neu­bau­be­reich statt­fin­den, sondern dort, wo vor­han­dene Bau­sub­stanz auf­ge­wer­tet und saniert wird. Gerade dort haben wir auch die höheren spe­zi­fi­schen Ener­gie­ver­brauchs­dich­ten, die für die KWK gute Per­spek­ti­ven bieten“, erläu­tert der Wirt­schafts­mi­nis­ter des Landes Baden-Württemberg, Ernst Pfister, die Poten­ziale.

KWK-Initiativen berei­ten den Markt vor

Doch wie nun soll die KWK-Technologie auch im eigenen Heim ihren Sie­ges­zug antre­ten? Bisher hat Markt­füh­rer Sen­er­tec zwar über 25.000 Dachse ver­kauft, steht damit jedoch auf weiter Flur allein da. Bei einem Gesamt­be­stand von weit über 30 Mil­lio­nen Hei­zungs­an­la­gen in Deutsch­land ist das eher eine homöo­pa­thi­sche Dosis. Hand­werk, Politik und Indus­trie sowie Brenn­stoff­han­del haben dazu in etli­chen Bun­des­län­dern KWK-Initiativen ins Leben gerufen. Erst im Februar star­tete die nun schon 2. Initia­tive dieser Art in Süd­deutsch­land, unter­stützt von VEH, IWO und dem Wirt­schafts­mi­nis­te­rium des Landes Baden-Württemberg.

Anbie­ter wie Sen­er­tec und Giese unter­stüt­zen dabei Sanie­rer, die sich für eine ölbe­feu­erte KWK-Lösung ent­schei­den, nicht nur mit Rat und Tat, sondern ganz konkret mit Geld­prä­mien. Das Insti­tut für wirt­schaft­li­che Oel­hei­zung gibt ebenso einen Obolus dazu wie die an der Initia­tive teil­neh­men­den Händler. Ein KWK-Modernisierer kann gut und gerne so auf knapp 1.000 Euro zusätz­lich zu den staat­li­chen För­de­run­gen kommen.

Vor­teile auf dem flachen Land

B.KWK-Chef Golbach sieht noch über die Ein­fa­mi­li­en­häu­ser hinweg weitere Poten­ziale. „Nehmen Sie nur das platte Land oder auch größere Ein­fa­mi­li­en­haus­sied­lun­gen, wo kein Gas­ver­sor­ger eine Leitung hinlegt“, so der B.KWK-Geschäftsführer. „Dort können Sie ein grö­ße­res BHKW hin­stel­len und die Sied­lung oder das ganze Dorf äußerst günstig mit Strom und Wärme ver­sor­gen.“ Dieses Ver­sor­gungs­prin­zip der Nah­wärme erfreut sich in Deutsch­land immer grö­ße­rer Beliebt­heit und wird von mehr und mehr Stadt­wer­ken, aber auch in Pri­vat­in­itia­tive ange­bo­ten.

Bei Nah- und Fern­wärme ist in erster Linie das Enga­ge­ment von Städten und Gemein­den und ihrer Stadt­werke gefor­dert. Dabei kann Kraft-Wärme-Kopplung auch eine Mög­lich­keit für Neu­bau­ge­biete sein. Sie bietet aber vor allen Dingen auch für kom­mu­nale Sanie­rungs­ge­biete eine viel­ver­spre­chende Option“, bestä­tigt dies Minis­ter Pfister in seinem Vorwort zur jüngs­ten KWK-Initiative. Mit seiner Meinung steht er übri­gens, wie eine Reihe wei­te­rer Lan­des­mi­nis­ter, ziem­lich quer zur Bun­des­re­gie­rung. Die ist der KWK-Technologie nicht mehr so ent­schie­den wohl­ge­son­nen wie vor einigen Jahren.

Geschrei­ben für Brenn­stoff­spie­gel und Mine­ral­öl­rund­schau, Heft 3/2011. Kom­plet­ter Beitrag nur in der Print­aus­gabe zu lesen.

 

Titel­bild:

Sen­er­Tec Dachs SEplus Sys­tem­pa­ket und Dachs HKA auf der ISH 2011. Foto: Sen­er­Tec