Aus Klär­schlamm Gold — oder zumin­dest Diesel machen

Titelbild: Hier darf der Diesel aus Klärschlamm schon verwendet werden: 6-Zylinder-V-Schiffsmotor von Deutz. Foto: Frila / Wikimedia
Titelbild: Hier darf der Diesel aus Klärschlamm schon verwendet werden: 6-Zylinder-V-Schiffsmotor von Deutz. Foto: Frila / Wikimedia

Aus Mist Gold machen ist ein lang­ge­heg­ter Traum. Wenn es nicht Gold ist, sondern, sagen wir, ein Kraft­stoff wie Diesel, ist das chemisch-physikalisch möglich und nennt sich Biomass to Liquid (BtL).

Ver­su­che, dies auch wirt­schaft­lich zu stemmen, gab es schon viele. Der bekann­teste war der des Unter­neh­mens Choren im säch­si­schen Frei­berg. Hier sollten ins­be­son­dere Holz und Stroh zu Sun-Diesel ver­ar­bei­tet werden. Eine Ver­suchs­an­lage funk­tio­nierte pro­blem­los. Shell und Daimler steigen mit ein, sogar Volks­wa­gen war kurz­zei­tig mit von der Partie. Doch die indus­tri­elle Groß­pro­duk­tion, immer­hin von Bun­des­kanz­le­rin Angela Merkel per­sön­lich ein­ge­weiht, schei­terte. Choren ging pleite – unter anderem mit dem Verlust von gut 35 Mil­lio­nen Euro allein an För­der­gel­dern.

Nun macht sich erneut ein Unter­neh­men auf, um Diesel künst­lich her­zu­stel­len. Die TPT Tech­no­logy GmbH aus dem west­fä­li­schen Bünde will dazu Klär­schlamm, Gär­reste und jede Art Abfälle aus der Land­wirt­schaft nutzen. Als Vorbild dient das von ver­schie­de­nen Wis­sen­schaft­lern seit 2001 ent­wi­ckelte TPT-Verfahren.

TPT steht dabei für thermisch-physikalische Trans­for­ma­tion und unter­schei­det sich von der Choren-Synthese, die letzt­lich aus einer Biomasse-Vergasung mit anschlie­ßen­der Fischer-Tropsch-Synthese bestand. Die West­fa­len hin­ge­gen kochen bei 370 °C Bio­masse in Öl auf und ver­ga­sen diese so. Je nach dem Prozess der Abküh­lung ent­ste­hen danach unter­schied­li­che Koh­len­was­ser­stoff­ket­ten. Dabei wird nur ein Schritt bis zur Gewin­nung des „Rohöls“ benö­tigt. Das zweite Bei­pro­dukt ist ledig­lich Wasser. Die Fischer-Tropsch-Synthese, die sich bisher nir­gends wirt­schaft­lich rech­nete, bleibt kom­plett außen vor. Wahl­weise kann so eben Diesel ent­ste­hen oder ein anderer Koh­len­was­ser­stoff.

Paten­tiert wurde es bereits 2006. 2008 ent­stand eine erste Ver­suchs­an­lage, die pro­blem­los lief und 1.000 Kilo­gramm Bio­masse pro Stunde ver­ar­bei­ten konnte. 2010 erfolgte eine Erwei­te­rung.

Da eine Ent­schwe­fe­lung fehlte, konnte der her­ge­stellte Treib­stoff nicht ver­kauft werden. Schluss­end­lich wurde die Anlage demon­tiert, nicht jedoch, um in der Mot­ten­koste vor sich hin zu stauben. Denn sie bildet heute den Kern der neuen Anlage. Die nahm inzwi­schen wieder die Pro­duk­tion auf. Der ent­ste­hende Treib­stoff konnte immer­hin als Schiffs­die­sel ver­mark­tet werden. An eine Ent­schwe­fe­lung ist jedoch gedacht, mit der die Norm von 1000 ppm Schwe­fel für Schiffs­die­sel ab 2015 ein­ge­hal­ten werden kann.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Die Idee der BtLer geht deut­lich über die eine Anlage hinaus. „Um die Bevöl­ke­rung an unserer Ent­wick­lung pro­fi­tie­ren zu lassen wollen wir zu jedem Pro­duk­ti­ons­stand­ort eine Genos­sen­schaft gründen“, so Knut Nolting, der mit der Firma RS Biotech GmbH die Ver­mark­tung leitet. Dabei soll jeder Genosse seine Gewinn­aus­schüt­tung in Form von Diesel erhal­ten und könnte für 20 Cent tanken. Wie die steu­er­li­che Gestal­tung beim Eigen­ver­brauch ist, wird derzeit geklärt. Die Anlage, von denen jede ein­zel­nen 5 Mil­lio­nen Euro kostet, würde sich den Berech­nun­gen nach dennoch amor­ti­sie­ren.

Geplant sind nach dem bestehen­den Vorbild Anlagen, die 10 .000 Tonnen Bio­masse von Land­wirt­schafts­be­trie­ben oder biogasanlagen-Betreibern im Jahr ver­ar­bei­ten können. Daraus ent­stün­den den Berech­nun­gen nach 4 Mil­lio­nen Liter Diesel und Kohle. Der Diesel hat dabei, im Gegen­satz zu Bio­die­sel aus Rapsöl, eher Ähn­lich­keit mit mine­ra­li­schem Diesel und ist des­we­gen weniger anfäl­lig gegen­über Licht oder Bak­te­ri­en­be­fall. Derzeit ist die Firma in der Lage, zwei Anlagen pro Jahr zu bauen.

Wer BtL-Diesel-Genossenschafter werden will, meldet sich einfach bei Knut Nolting: kn@​rundsbiotech.​de

Titel­bild: Hier darf der Diesel aus Klär­schlamm schon ver­wen­det werden: 6‑Zylinder-V-Schiffsmotor von Deutz. Foto: Frila / Wiki­me­dia unter Lizenz CC BY-SA 3.0