Solar + Öl - in einigen, vor allem ländlichen Gegenden die einzig wirtschaftliche Alternative. Foto: IWO

Was bringt die steu­er­liche Ersparnis ener­ge­ti­schen Sanierungen

von | 10. Dezember 2014

Der Nationale Akti­onsplan Ener­gie­ef­fi­zienz (NAPE), am 3. Dezember in Berlin vorge­stellt, sieht erstmals steu­er­liche Absetz­barkeit bei ener­ge­ti­schen Sanie­rungen vor. Im letzten Jahr war ein ähnliches Vorhaben noch im Bundesrat gescheitert.

Vor allem die SPD-​geführten Länder befürch­teten Einbußen bei ihren Steu­er­ein­nahmen. Inzwi­schen sitzt die SPD mit in der Regierung. Aller­dings muss die Höhe der steu­er­lichen Abschreibung noch fest­gelegt werden. Im Gespräch sind derzeit zwischen 10 und 25 Prozent der gesamten Inves­ti­ti­ons­kosten inklusive hand­wer­ker­kosten. Fest stehen hingegen die Gesamt­summe und die Zeit­spanne. Jedes Jahr werden eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt. Die steu­er­liche Abschreibung soll über 10 Jahre laufen.

Im Gegensatz soll dazu die Absetz­barkeit von Hand­wer­kerjobs wieder gestrichen werden, und zwar bis zu einer Höhe von 300 Euro. Bei ener­ge­ti­schen Sanie­rungen werden diese aber grund­sätzlich darüber liegen, womit diese zweite Möglichkeit zur Redu­zierung der eigenen Steu­erlast erhalten bleibt bzw. mit einge­rechnet wird.

Doch was bringt eine Sanierung ganz konkret. Kritiker befürchten Mitnah­me­ef­fekte. Es werde also dieje­nigen die Steu­er­ermä­ßigung nutzen, die eh schon sanieren wollen oder müssen. Dazu ein Rechenbeispiel:

Ein Brennwert-​Heizkessel (Öl/​Gas) kostet derzeit im die 6.500 Euro. Mit Instal­la­ti­ons­kosten summiert sich die gesamte Inves­tition auf gut 9.000 Euro. Bei 10 Prozent mindert sich die Steu­erlast um 900 Euro, bei einer zehn­jäh­rigen Abschreibung wären das jährlich 90 Euro – wohl kaum ein Grund, eine Inves­tition in dieser Größen­ordnung zu stemmen, aber schon eher ein will­kom­mener Anlass, diese Summe mitzu­nehmen. Bei 25 Prozent immerhin reduziert sich die Steu­erlast um 2.250 Euro oder um jährlich 225 Euro. Das ist schon eher eine Hausnummer.

Rechnet man noch die Einsparung am Brenn­stoff hinzu, sieht es wie folgt aus: Gegenüber einem alten „Gelb­brenner” schafft ein Brennwert-​Gerät sicher 20 Prozent Brennstoff-​Einsparung. Ausgehend von derzei­tigen Preisen wären das in 10 Jahren 4.200 Euro (gerechnet auf einen ursprüng­lichen Verbrauch von 3.000 Litern und derzeit 70 Cent je Liter HEL, ohne Preis­stei­gerung). Rechnet man eine ange­nommene jährliche Prei­s­tei­gerung von 3 Prozent mit ein, käme man auf eine Einsparung von 5.650 Euro. Macht mit der 25%igen Steu­er­ersparnis zusammen 8.900 Euro. Die gesamte Inves­tition hätte sich also in 10 Jahren gerechnet. Bei einer nur 10%igen Abschrei­bungs­mög­lichkeit würde sich die Inves­tition erst nach 22 Jahren rechnen rechnen.

Deutlich lohnender wird es, wenn man komplette ener­ge­tische Sanie­rungen einbe­zieht. Halten wir uns an das folgende Sanie­rungs­bei­spiel, bei dem zudem das komplette Haus moder­ni­siert und erweitert wurde: Einfa­mi­li­enhaus aus dem Jahre 1936, Komplett­sa­nierung mit Dämmung, Einbau einer Hybrid­heizung aus Öl und Solar. Gesamt­in­ves­tition: 167.000 Euro. Hier würde sich die Steu­er­schuld um 16.700 Euro gesamt oder 1.670 Euro jährlich minimieren.

Rechnet man noch den um 82 Prozent gerin­geren Heiz­öl­bedarf hinzu – eine lohnende Einsparung, da allein an Heiz­öl­kosten für die nächsten dreißig Jahre (so lange sollte die Anlage halten) gut 136.500 Euro einge­spart werden, ausgehend von einem derzeit recht günstigen und in der Preis­spanne stabilen Preis­niveau von Heizöl bei 70 Cent je Liter. Doch das wird nicht so bleiben. Rechnet man jährliche Preis­stei­ge­rungen bei den Heiz­öl­kosten von gut 3 Prozent mit ein, kommt man auf eine viel größere Einsparung. Allein in den ersten zehn Jahren hätten sich dann die einge­sparten Heiz­öl­kosten auf 64.800 Euro aufsum­miert. Auch ein Beispiel dafür, dass sich eine umfas­sende ener­ge­tische Sanierung lohnen kann.

Vorschaubild: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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