KWK – Wie einer Spit­zen­tech­no­lo­gie Unrecht getan wird

So funktioniert KWK. Grafik: B.KWK

Die Kraft‐Wärme‐Kopplung (KWK) galt einst als Königs­weg aus Ener­gie­ver­brauch und Umwelt­be­las­tung. Im NAPE spielt die KWK wieder eine größere Rolle. Das war nicht immer so.

BRENNSTOFFPSPIEGEL und mine­ral­öl­rund­schau beleuch­tet in einer Serie die Hin­ter­gründe und zeigt, warum dieser effi­zi­en­ten Tech­no­lo­gie Unrecht getan wird.

Beitrag von 2011. Aus aktu­el­lem Anlass, da die KWK‐Förderung im Zuge des NAPE ange­ho­ben wird.

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Wesent­li­che Ele­mente dieser nach­hal­ti­gen Bio­mas­sen­ut­zung sind: …stär­kere Bio­mas­se­ver­wer­tung in Kraft‐Wärme‐Kopplungsanlagen…“ (1).

För­der­fä­hig sind … vor­ran­gig Kraft­werke mit Kraft‐Wärme‐Kopplung.“ (2)

Diese beiden dürren Zitate sind alles, was vom eins­ti­gen Hoff­nungs­trä­ger Kraft‐Wärme‐Kopplung im Ener­gie­kon­zept übrig geblie­ben ist. Das erste Zitat ist eine Not­wen­dig­keit, denn da, wo Bio­masse anfällt (eben auf dem platten Land) macht es keinen Sinn, daraus gewon­ne­nes Gas in Netze ein­zu­spei­sen. Sinn­voll ist viel­mehr, vor Ort damit Strom und Wär­me­en­er­gie, etwa für Ställe, zu erzeu­gen.

Das zweite Zitat sollte viele Stadt­werke beru­hi­gen, die sich in Hoff­nung auf den einst von der Regie­rung Schrö­der beschlos­se­nen Atom­aus­stieg auf KWK‐Technologie stürz­ten und hoch­ef­fi­zi­ente, meist mit Erdgas betrie­bene Block­heiz­kraft­werke bauten. Keine Rede ist im Ener­gie­kon­zept mehr davon, KWK auch als Alter­na­tive für die Ver­sor­gung von Ein‐ und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser zu nutzen oder gar als kos­ten­güns­tige Vari­ante in Indus­trie und Gewerbe. Doch warum ver­schwand die KWK, die schon seit 2002 mit Geset­zen und För­de­run­gen geför­dert wurde, von der Agenda?

Dazu ein Blick zurück. Für das KWK‐Gesetz war in der Regie­rung Schrö­der sei­ner­zeit Werner Müller (SPD) zustän­dig. Der war zuvor Manager bei RWE und dem EON‐Vorläufer VEBA. Die Strom­gi­gan­ten hatten nie ein wirk­li­ches Inter­esse an KWK, weil durch deren fle­xi­ble und dezen­trale Ein­setz­bar­keit ihre Mono­pol­stel­lung im dama­li­gen Strom­erzeu­ger­markt bedroht gewesen wäre. Und so ver­schwand unter Müller die ursprüng­lich im Gesetz vor­ge­se­hene Quo­tie­rung zur Strom­erzeu­gung aus KWK, die stu­fen­weise wachsen sollte. Der Minis­ter wollte statt­des­sen die Ziele der Bun­des­re­gie­rung, ein Viertel der gesam­ten Strom­menge aus KWK zu erzeu­gen, durch Frei­wil­lig­keit und För­de­rung erreichen.(3) So stand es dann auch im KWK‐Gesetz.

Müller schied 2002 aus dem Amt. Sein Nach­fol­ger in der Regie­rung Merkel, Michael Glos (CSU), musste 2006 in einem Zwi­schen­be­richt an den Bun­des­tag ein­ge­ste­hen, dass das Gesetz nichts bewirkt hatte. Glos legte ein Jahr später ein neues Gesetz vor. Wieder setzte es auf Frei­wil­lig­keit und seine Chefin Angela Merkel bestä­tigte das ehr­gei­zige Ziel, die Strom­erzeu­gung aus KWK bis 2020 auf 25 Prozent zu hieven, was der Ver­dop­pe­lung des der­zei­ti­gen Niveaus ent­sprä­che.

Kaum Chancen gegen Atom‐Billigstrom

Wieder geschah, abge­se­hen von einer Exper­ten­an­hö­rung im Bun­des­tag 2008, die für die Regie­rung verbal ver­nich­tend, aber fak­tisch fol­gen­los endete, nichts. Bis zum Jahr 2009. „Wir hatten uns ja schon gewun­dert, dass in der Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung von CDU und FDP nichts zur KWK stand“, erin­nert sich Adi Golbach, Geschäfts­füh­rer des Bun­des­ver­ban­des KWK (B.KWK) in Berlin. „Auf Nach­frage bestä­tig­ten uns Poli­ti­ker, dass es zur KWK keinen Dissens gebe, das sei eine Art Selbst­läu­fer, über den man nichts schrei­ben müsse.“ Während eines par­la­men­ta­ri­schen Abends im März 2010 wurde dann die Katze aus dem Sack gelas­sen. Denn die KWK, obwohl 60 Prozent weniger CO2‐erzeugend als her­kömm­li­che Ener­gie­tech­no­lo­gien, sollte auch unter den Emis­si­ons­han­del fallen. „Richtig kri­tisch wurde es aber mit der Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten für Atom­kraft­werke“, so Golbach, zu dessen Mit­glie­dern auch eine Reihe von Stadt­wer­ken gehören.

Denn nun müssen die Heiz­kraft­werke der Stadt­werke, obwohl sie emis­si­ons­är­mer sind und Brenn­stoffe sparen, mit dem Bil­lig­strom aus den meist abge­schrie­be­nen Atom­mei­lern kon­kur­rie­ren. Wenn man bedenkt, dass ein GuD‐Kraftwerk, das eine mitt­lere Stadt ver­sor­gen kann, gut 200 Mil­lio­nen Euro kostet und diese Kosten ja auf den Strom­preis auf­ge­schla­gen werden müssen, ist klar, dass die – wenn auch umwelt­freund­lich erzeugte Energie – keine Chance hat gegen Neckar­west­heim, Gund­rem­min­gen und Co. Golbach erkennt aber auch noch andere Markt­po­ten­ziale für KWK.

Chancen Ein‐ und Mehr­fa­mi­li­en­haus

Denn aus­ge­rech­net da, wo die Bun­des­re­gie­rung den Schwer­punkt setzt – nämlich beim Sanie­ren bis hin zum Pas­siv­haus­stan­dard, bei dem kon­se­quen­ter­weise die in KWK erzeugte Wärme nicht mehr zu ver­wen­den wäre – sieht Golbach die größte Chance: „Bei einer Sanie­rungs­quote von gerade mal 2 Prozent des Gebäu­de­be­stan­des jähr­lich wird die Bun­des­re­gie­rung es auch rein rech­ne­risch nicht schaf­fen, bis 2050 einen ener­gie­neu­tra­len Gebäu­de­be­stand zu haben. Zudem sind die Kosten dafür allein mit Wär­me­däm­mung einfach zu hoch.“ Heißt im Klar­text: Wärme und Strom gemein­sam erzeu­gen macht gerade im Wohn­be­reich, der 40 Prozent der Pri­mär­ener­gie in Deutsch­land ver­braucht, auch bis 2050 und vor­aus­sicht­lich darüber hinaus durch­aus Sinn. Denn so werden Wär­me­däm­mung und Erzeu­gungs­ef­fi­zi­enz kom­bi­niert.

Wirt­schaft inno­va­ti­ver als Politik

Im Gegen­satz zur Politik zeigten sich Hand­werk und Indus­trie deut­lich fle­xi­bler. Inzwi­schen wurden in zahl­rei­chen Bun­des­län­dern meist mit Unter­stüt­zung der Politik Initia­ti­ven pro KWK zwi­schen Indus­trie, Hand­werk und Mine­ral­öl­han­del geschlos­sen. Geht es um die Rea­li­sie­rung grö­ße­rer Anlagen, wie bei­spiels­weise in kom­mu­na­len Objek­ten, sind Brennstoff‐ und Mine­ral­öl­händ­ler eben­falls erfolg­reich mit BHKWs.

Deut­sche Firmen ent­wi­ckeln seit Jahren seri­en­fä­hige KWK‐Geräte. Das bekann­teste dürfte der DACHS von Sen­er­tec sein, der in über 22.000 deut­schen Häusern für Behag­lich­keit und Licht sorgt.

Der Strom­an­bie­ter Licht­blick und Volks­wa­gen wollen ins­ge­samt 100.000 gas­be­trie­bene Mini‐BHKWs, instal­lie­ren, deren Herz­stück ein Volkswagen‐Motor ist. Die ersten 30 davon standen bis Ende letzten Jahres in Hamburg. Vorbild für diese unge­wöhn­li­che Koope­ra­tion ist Honda. Den Japa­nern gelang es in ihrem Hei­mat­land, 100.000 Anlagen auf­zu­stel­len – und das, obwohl KWK‐Strom im Gegen­satz zu Deutsch­land (s. Kasten) nicht ins Netz ein­ge­speist werden darf und somit auch nicht geson­dert hono­riert wird.

Die Kraft‐Wärmekopplung dürfte also ihre Posi­tion im Ener­gie­markt aus­bauen und bleibt damit ein inter­es­san­ter Markt für den Brennstoff‐ und Mine­ral­öl­han­del. BRENNSTOFFSPIEGEL und mine­ral­öl­rund­schau wird im nächs­ten Teil der KWK‐Serie die Mög­lich­kei­ten für Ein‐ und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser hin­sicht­lich Ein­spar­po­ten­zia­len und Ein­satz­mög­lich­kei­ten beleuch­ten.

Was ist KWK?

Bei der Kraft‐Wärme‐Kopplung wird mittels eine Ver­bren­nungs­mo­tors oder einer Gas‐ oder Dampf­tur­bine aus einem Ver­bren­nungs­vor­gang gleich­zei­tig Wär­me­en­er­gie und mecha­ni­sche Energie erzeugt. Letz­tere wird meist direkt in Strom umge­wan­delt.

Als Ener­gie­trä­ger kommen sowohl fossile als auch erneu­er­bare Brenn­stoffe in Betracht.

Die popu­lärste Vari­ante sind die Block­heiz­kraft­werke (BHKW – der Name kommt daher, dass damit ursprüng­lich ganze Wohn­blocks mit beheizt werden sollten), die es sowohl wasch­ma­schi­nen­groß für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser gibt, als auch als Gas‐und Dampf‐Kombikraftwerk (GuD), mit denen ganze Stadt­vier­tel mit Wärme und Strom ver­sorgt werden können.

Vor­teile der KWK‐Technologie sind gene­rell ihre hohe Fle­xi­bi­li­tät und ihr hoher Wir­kungs­grad, der bei bis zu 90 Prozent der ein­ge­setz­ten Energie liegen kann. Gegen­über der besten her­kömm­li­chen Tech­no­lo­gien erzielt KWK eine Gesamt­ein­spa­rung an Pri­mär­ener­gie von bis zu 30 Prozent.

(1) Ener­gie­kon­zept für eine umwelt­scho­nende, zuver­läs­sige und­be­zahl­bare Energieversorgung28. Sep­tem­ber 2010, Seite 10

(2) Ener­gie­kon­zept für eine umwelt­scho­nende, zuver­läs­sige und­be­zahl­bare Ener­gie­ver­sor­gung 28. Sep­tem­ber 2010, Seite 17

(3) Gesetz für die Erhal­tung, die Moder­ni­sie­rung und den Ausbau der Kraft‐Wärme‐Kopplung, Fassung vom 1. Januar 2009, § 1: „Zweck des Geset­zes ist es, einen Beitrag zur Erhö­hung der Strom­erzeu­gung aus Kraft‐Wärme‐Kopplung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf 25 Prozent durch den befris­te­ten Schutz, die För­de­rung der Moder­ni­sie­rung und des Neubaus von Kraft‐Wärme‐Kopplungsanlagen (KWK‐Anlagen), die Unter­stüt­zung der Markt­ein­füh­rung der Brenn­stoff­zelle sowie die För­de­rung des Neu‐ und Ausbaus von Wär­me­net­zen, in die Wärme aus KWK‐Anlagen ein­ge­speist wird, im Inter­esse der Ener­gie­ein­spa­rung, des Umwelt­schut­zes und der Errei­chung der Kli­ma­schutz­ziele der Bun­des­re­gie­rung zu leisten.“

Geschrei­ben für Brenn­stoff­spie­gel und Mine­ral­öl­rund­schau. Erschie­nen in Ausgabe 1/2011. Voll­stän­di­ger Beitrag nur dort zu lesen.

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