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Die Gefahr von Carbon Bubbles

von | 20. Mai 2015

In Deutschland verlieren Ener­gie­kon­zerne, die auf fossile Brenn­stoffe setzen, massiv an Wert. Die Aktie von RWE fiel binnen 5 Jahren von 58,65 Euro auf 22,28 Euro. EON gab im gleichen Zeitraum von 24 auf 14 Euro nach, EnBW von rund 37 auf 27 Euro. 

Und Vattenfall, dessen Anteile als Staats­konzern nicht an der Börse gehandelt werden, musste im letzten Jahr eine Wert­be­rich­tigung von 23,8 Mrd. Schwe­di­schen Kronen (rund 2,56 Mrd. Euro) vornehmen. Finanz­ex­perten führen dies auch auf Carbon Bubble zurück. Damit ist gemeint, dass die Konzerne bereits einen Großteil der bekannten Reserven schon in ihren Bilanzen oder Haus­halten verbucht haben, diese jedoch aufgrund der Klima­ziele und der poli­ti­schen Rahmen­be­din­gungen nicht mehr verbrannt werden dürfen.

Die Grünen stellten nun eine Anfrage an die Bundes­re­gierung, wie diese Risiken zu bewerten seien. Dabei berufen sie sich auf Analysten aus der Finanz­szene. In der Anfrage heißt es:

So mahnt die britische Invest­mentbank HSBC explizit an, dass Inves­toren dieses Risiko noch einpreisen müssen, gerade weil es eine so lang­fristige Entwicklung ist (HSBC vom 25. Januar 2013 „Oil & carbon revis­tited“). Die Bank von England warnt Versi­che­rungen explizit vor fossilen Geld­an­lagen und verweist auf die jährlich rund 700 Mrd. Euro für die Erkundung neuer fossiler Reserven (www​.theguardian​.com vom 3. März 2015 „Bank of England warns of huge financial risk from fossil fuel investments“).

Die Grünen stellen dabei insgesamt 36 Fragen, die Gefahren rund um Carbon Bubbles betreffen. Diese reichen von Finanz­markt­ri­siken über nicht ausrei­chende Rück­stel­lungen bis hin zum Nicht­er­füllen der Klimaziele.

Wann die Regierung antwortet, ist noch offen. Inter­essant werden die Antworten allemal sein, da sie den exis­ten­zi­ellen Zusam­menhang von Finanz­markt und Ener­gie­wirt­schaft beleuchten müssen.

Vorschaubild: MONTANA

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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