Fern jeder deutschen Ladesäulenverordnung: E-Parkplätze mit Ladesäule auf Madeira. Foto: Urbansky

Typisch deutsch: Die Ladesäulenverordnung

von | 29. Oktober 2015

Eigentlich war alles so gut voraus­ge­dacht: Für das Ziel, doch noch 1 Million E‑Mobile bis 2020 auf die Straßen zu bringen, will die Bundes­re­gierung mehrere Maßnahmen beschleu­nigen, etwa durch Stan­dar­di­sierung. Eine davon sind die Lade­säulen. Die dazu­ge­hörige Verordnung ging gestern durchs Kabinett und löste gleich mal wieder Frust aus.

Warum? Typisch deutsch und typisch Regierung regelt die Lade­säu­len­ver­ordnung, wie eine Ladesäule in Deutschland auszu­statten ist. Dazu das zuständige Bundes­wirt­schafts­mi­nis­terium:

Mit der Verordnung erhält Deutschland als erstes euro­päi­sches Mitgliedsland gemäß der EU-​Richtlinie (2014/​94/​EU) verbind­liche tech­nische Mindest­vor­gaben für Steck­dosen und Fahr­zeug­kupp­lungen für das Laden von Elek­tro­mo­bilen. Das garan­tiert die Kompa­ti­bi­lität, die sog. Inter­ope­ra­bi­lität, öffentlich zugäng­licher Ladein­fra­struktur hinsichtlich der Steckerstandards.

So weit so gut. Doch die Standards erscheinen einigen zu hoch, zu komplex. So bemängelt der Bundes­verband Neue Ener­gie­wirt­schaft (bne), dass mit der Verordnung dieje­nigen behindert würden, die mit eigenen Mitteln versuchen, die Elek­tro­mo­bi­lität voran­zu­bringen. Indem nun jeder Ladepunkt mit tech­ni­schen und büro­kra­ti­schen Maxi­mal­an­for­de­rungen versehen werde, würden wirt­schaft­liche Low-​Budget-​Lösungen genauso ausge­schlossen wie alter­native Konzepte für das Laden von Elek­tro­autos. Dies sei ein klares Hemmnis für den Wett­bewerb. Die EU-​Kommission und andere EU-​Staaten kriti­sierten dies zu Recht. 

In die gleiche Kerbe schlägt der BDEW, dessen Mitglieder ja den Strom für die Lade­säulen zur Verfügung stellen müssen. Statt bestehende Hemmnisse abzubauen und euro­paweit einen einheit­lichen Rahmen für die Elek­tro­mo­bi­lität zu schaffen, so der Verband, würde die geplante Lade­säu­len­ver­ordnung in ihrer jetzigen Fassung sogar neue Hürden für den Aufbau der Infra­struktur in Deutschland bedeuten. Der Entwurf weise zahl­reiche Mängel und Versäum­nisse auf.

Schön der Gegensatz zwischen dem, was die EU will, wie sich die Regierung darauf beruft und ihm doch nicht entspricht. Der Ansatz, tech­nische Mindest­stan­dards zu imple­men­tieren, ist sicher nicht falsch. Doch scheint die Regierung weit übers Ziel hinaus­ge­schossen zu sein. Ein wirk­licher Baustein, um das Millionen-​Ziel doch noch zu erreichen, ist diese Lade­säu­len­ver­ordnung mit Sicherheit nicht.

Vorschaubild: Fern jeder deutschen Lade­säu­len­ver­ordnung: E‑Parkplätze mit Ladesäule auf Madeira. Foto: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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