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Gaspreise: Wie stark werden die Kunden geschröpft

von | 28. Dezember 2015

Dass sich die Gashändler hier­zu­lande gern die Taschen voll­machen, ist Allge­meingut. Obwohl im allge­meinen Ölpreis­ver­falls seit Sommer 2014 auch die Gaspreise gehörig nachgaben, landete bei den Verbrau­chern kaum etwas davon. Aktuell – und wohl der Nach­rich­ten­armut zwischen den Festen geschuldet – sorgt eine Studie von Ener­gy­comment im Auftrag der grünen Bundes­tags­fraktion für mediales Rumoren.

Das auf Ener­gie­fragen spezia­li­sierte Hamburger Institut errechnet für einen Muster­haushalt mit 20.000 kWh Jahres­ver­brauch ein Einspar­po­tenzial von 132 Euro, wenn die Preis­vor­teile weiter­ge­reicht worden wären. Da dies jedoch nicht geschah, bleiben bei den Gasver­sorgern Gewinne in Höhe von 1,3 Milli­arden Euro hängen. Die Indus­trie­kunden trifft es auch, aber nicht ganz so hart.

Tatsächlich sind die Kosten für die Gasim­por­teure, auch durch weiterer Entwick­lungen wie hori­zontale Bohrungen, Fracking und Verflüs­sigung zu LNG, von knapp 3 Cent im Jahr 2012 auf derzeit unter 2 Cent je kWh gesunken. Das hätte nach den Berech­nungen von Ener­gy­comment zu einem Verbrau­cher­preis von 5,72 Cent führen müssen. Tatsächlich seien es derzeit 6,38 Cent.

Spots billiger als Termine?

Der Bran­chen­verband der Gaswirt­schaft, der BDEW, wider­spricht dieser Berechnung. Die größte Kritik liegt dabei bei den Spot­markt­preisen, die Ener­gy­comment zugrunde legt und die, würde man nur auf diese bauen, eine Hoch­ri­si­ko­stra­tegie seien,d a die Gasmengen nur kurz­fristig einge­kauft werden könnten. Wichtiger und grund­le­gender seien die Termin­ge­schäfte, die einen längere Zeit zwischen Bestellung und Verkauf hätten.

Doch ist dem wirklich so? Ein Blick nach Leipzig zur EEX ist erhellend. Der Preis für die Termine (Markt­gebiet Gaspool, bei den anderen beiden Markt­ge­bieten NCG und TTF sah die Entwicklung ähnlich aus) fiel innerhalb von 2 Jahren von 25,45 Euro je MWh (Dezember 2013) auf 15,80 Euro je MWh (18.12.2015). Bei den Spot­märkten fiel der Preis vom Jahres­beginn 2014 von 27,50 Euro je MWh auf aktuell und heute 14,90 Euro je MWh. Tatsächlich sind die Preise am Spotmarkt aktuell etwas günstiger, waren aber im Verlauf der zugrunde gelegten Berech­nungs­pe­riode auch teurer. Im Schnitt dürften sich beide Preise also kaum etwas nehmen. Das Argument des BDEW hat also keinen Bestand.

Nur halber Gaspreis beeinflussbar

Zudem führt der BDEW an, dass nur zu etwas mehr als der Hälfte der Endkun­den­preis von den Beschaf­fungs­kosten abhängt, da Netz­ent­gelte sowie Steuern und Abgaben auf Erdgas zu zahlen sind. Das ist grund­sätzlich richtig und dies wurde von Ener­gy­comment in der berech­neten Differenz von ca. 1 Eurocent je kWh (gerechnet auf den durch­schnitt­lichen Erdgas­preis von 2012) an möglicher Einsparung nicht genügend berücksichtigt.

Dennoch wären mehr an Einspa­rungen drin gewesen – nach Eigen­be­rech­nungen dieses Blogs und fußend auf den monat­lichen Erhe­bungen des Fach­ma­gazins Brenn­stoff­spiegel mindestens rund 0,7 Eurocent je kWh. Da dies von den Gasver­sorgern offenbar jedoch selbst bean­sprucht wird, hilft nur ein Anbie­ter­wechsel. Inzwi­schen sind in jeder Region in Deutschland rund 80 Anbieter aktiv. Das sollte also kein Problem sein.

Vorschaubild: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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