Durch RETD unnötig: Bohrungen zur Notfallentleerung. Foto: Rohr

Wie sicher kann ein Tank­laster sein

von | 18. Januar 2016

Tank­kraft­wagen (Tkw) haben es auf deutschen Straßen (fast) gut: Die Unfälle mit ihnen nehmen von Jahr zu Jahr ab. 2010 waren nur 154 Tkw von Auffahr­un­fällen betroffen. Wenn mal was ausfließt, ist es meist der eigene Kraft­stofftank. Der Trans­port­be­hälter jedoch bleibt so gut wie immer unver­sehrt. Ist die Technik ausge­reizt? Können sich Hersteller und Spedi­teure ruhig zurück­lehnen? Die Branche jeden­falls ruht sich nicht aus. Rohr Nutz­fahr­zeuge arbeitet gleich an mehreren Verbes­se­rungen, die noch mehr Sicherheit bieten sollen.

Unfälle lassen sich nicht vermeiden. Diese Binsen­weisheit kann zu einem gewissen Fata­lismus führen. Sie kann aber auch Ansporn sein, Tkws noch sicherer zu machen. Rohr Nutz­fahr­zeuge aus Straubing hat sich in der Branche als Sicherheits-​Innovator einen guten Namen gemacht. Derzeit forschen die Nieder­bayern an einem verstärkten Anfahr­schutz – denn Auffahr­un­fälle sind mit Abstand die Nummer Eins bei Crashs mit Lkw‘s. Dabei gilt es, die Kräfte, die dabei wirken, vom Tank fernzuhalten.

Wir setzen auf einen Absorp­ti­ons­körper zwischen Rad und Unter­fahr­schutz“, erläutert Franz Pfeiffer, Leiter Technik Tankbau bei Rohr, das Konstruk­ti­ons­prinzip. Einige Versuche hat es bereits mit der neuen Konstruktion gegeben, weitere sollen folgen. Einer der Hinter­gründe ist gesetz­ge­be­ri­scher Art. Bei Rohr rechnet man damit, dass die EU die Bestim­mungen zum Unter­fahr­schutz verschärfen wird. Bei den derzeit disku­tierten Werten würde das fast eine Verdop­pelung des Schutzes bedeuten. Ziel dabei ist es, das hintere Boden­ventil zu schützen, da es bei Unfällen, wenn denn der Crash drama­tisch verläuft, abge­rissen werden kann. Die Folge: Das Gefahrgut fließt aus. Ob ein verschärftes Gesetz kommt, ist aller­dings fraglich. „Doch egal, ob es dazu neue Gesetzte gibt oder nicht, wir werden weiter an mehr Sicherheit arbeiten“, verspricht Peter Horn, seit Jahres­beginn Geschäfts­führer bei Rohr.

Auch bei einem weiteren Sicherheits-​Detail hat der Gesetz­geber seine Hände im Spiel – die Reifen­druck­über­wa­chung. Geplatzte Vorder­reifen sind eine gar nicht so seltene Unfall­ur­sache (s. ebenfalls Interview). Deswegen baut Rohr auf Wunsch auch ein entspre­chendes Tool ein, das vom Fahrer bequem im Fahrerhaus überwacht werden kann.

Geld sparen, Umwelt und Menschen schützen

Warum sich die Strau­binger stark machen für mehr Sicherheit, liegt auf der Hand. „Wir wollen natürlich zuerst die Menschen schützen. Wichtig ist jedoch auch der Schutz der Umwelt“, so Horn. „Hinzu kommt, dass das verun­fallte Gefahrgut nicht entsorgt werden muss, sondern geborgen wird und mit hoher Wahr­schein­lichkeit wieder­ver­wendet werden kann.“

Dabei ist Geld auch gleich Zeit. Denn falls ein Tkw auf einer viel­be­fah­renen Straße verun­glückt, hat das meist eine Voll­sperrung, selbst auf Auto­bahnen oft in beide Rich­tungen, zur Folge. Hier ist schnelles Handeln angesagt. Rohr entwi­ckelte speziell für diesen Fall das Notfall-​Entleerungssystem RETD (Rohr Emergency Tank Drainage).

Bisher wurden entweder der Domdeckel geöffnet oder Tanks angebohrt, dabei nimmt man die Gefährdung an Leib und Leben der Feuer­wehr­leute in Kauf“, erläutert Technik-​Experte Pfeiffer. Da die Tkw, wenn sie kippen, so gut wie immer auf die Seite fallen, wird auf der Oberseite das RETD ange­bracht. Es besteht aus einem Entnah­me­schlauch sowie einem Zuleiter für Luft, da sich der Tank sonst nicht leeren ließe (s. Foto).

Weniger Haft­pflicht bei RETD?

Das Echo der Kunden sei bisher durchweg positiv. Derzeit spreche man noch mit Versi­che­rungen, ob sich daraus eine Redu­zierung der Haft­pflicht­prämie für den mit einem RETD ausge­rüs­teten Tkw ableiten lässt. Auch von der Bundes­an­stalt für Mate­ri­al­for­schung und ‑prüfung gibt es Lob. „Das ist eine sinnvolle Einrichtung, zumal auch keine zusätz­liche Gefährdung für den Tank entsteht, weil die Rohre biegsam sind“, schätzt Michael Pötzsch ein. „Die Feuer­wehren haben ebenfalls ein großes Interesse“, fügt Pfeiffer hinzu.

Mehr Sicherheit ohne Mehrgewicht

Bei Rohr arbeitet man noch an weiteren Details. Das generelle Problem lautet: Mehr Sicherheit bedeutet in der Regel mehr Gewicht. Deswegen fällt, so Pfeiffer, eine Verstärkung der Tankhülle über die derzeit üblichen fünf Milli­meter aus. Das würde nur dann Sinn machen, wenn man die Unfall-​Kräfte auf den Tank leiten könne. Doch grade das soll ja vermieden werden.

Zudem böten Verbes­se­rungen am Unter­boden den Vorteil, dass man sie gewichts­neutral instal­lieren könnte. Ein stärkerer Rahmen mit einem ausge­feilten Konstruk­ti­ons­prinzip wäre dazu durchaus in der Lage. Rohr ist sich bewusst, dass aus dem eigenen Sicher­heits­denken kaum ein Wett­be­werbs­vorteil entstehen kann, wenn die anderen Hersteller mitziehen. Die Nieder­bayern sehen sich dabei als Vorreiter. „Wir wollen in der Branche dafür eintreten, dass mehr Sicherheit am Fahrzeug reali­siert wird“, resümiert Horn.

In einem vorhe­rigen Beitrag ging es um die Wartung bei Tkw.

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel und aktua­li­siert für diesen Blog. Der voll­ständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 01/​2012 zu lesen. Zum kosten­freien Probeabo geht es hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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