Hydraulic Fracturing in Niedersachsen. Foto: Exxon

Deutsch­lands Unter­grund: Reichlich Gas und etwas Öl

von | 19. Januar 2016

In ihrer gestern veröf­fent­lichten Studie „Schie­feröl und Schie­fergas in Deutschland – Poten­ziale und Umwelt­aspekte“ hat die Bundes­an­stalt für Geowis­sen­schaften und Rohstoffe (BGR) erstmals alle aus geolo­gi­scher Sicht rele­vanten Gesteins­for­ma­tionen für Schie­feröl und Schie­fergas erfasst – sprich jenen Gesteins­schichten, denen man Gas und Öl nur mittels Fracking entlocken kann. 

Bei 7 der betrach­teten Forma­tionen wurde ein Schiefergas- bzw. Schieferöl-​Potenzial iden­ti­fi­ziert. Die größten Poten­tiale sind im nord­deut­schen Becken – und hier vor allem im Posi­do­ni­en­schiefer in einer Tiefe von mehr als 1000 Meter – zu erwarten.

Bedeu­tende Gas-Reserven

Die Studie befasst sich ebenfalls erstmals mit den hiesigen Schieferöl-​Ressourcen ermittelt. Demnach schlummern von Rügen bis Zugspitze 13 bis 164 Millionen Tonnen Rohöl, das in etwa der Größen­ordnung der konven­tio­nellen Erdöl­re­serven (also derzeit förderbar – 31 Millionen Tonnen) und Ressourcen (derzeit noch nicht wirt­schaftlich förderbar – 20 Millionen Tonnen) entspricht. Zum Vergleich: Deutschland braucht jährlich etwa 100 Millionen Tonnen Rohöl.- Alles zusammen würde also gerade mal eine halb­jähr­lichen Bedarf decken.

Inter­es­santer wird’s beim Erdgas. Die Reserven, also nach derzei­tigem tech­ni­schen Stand wirt­schaftlich förderbar, werden auf 320 bis 2030 Milli­arden Kubik­meter Erdgas aus Schie­fer­ge­steinen beziffert. Gegenüber der Vorgänger Studie von 2012 haben sich die Ressourcen leicht verringert. Die Größen­ordnung dieser als nicht-​konventionell bezeich­neten Vorkommen über­steigt damit aller­dings weiterhin deutlich Deutsch­lands konven­tio­nelle Erdgas­re­serven und ‑ressourcen von rund 90 bzw. 110 Milli­arden Kubik­meter (inklusive Tight Gas). Zum Vergleich: Der Erdgas­ver­brauch in Deutschland liegt in einem durch­schnitt­lichen Jahr ungefähr bei knapp 100 Milli­arden Kubik­metern. Die Reserven wären also durchaus bedeutend.

Probleme mit Lagerstättenwasser

Bliebe noch das Problem Fracking, denn ohne diese umstrittene Tech­no­logie wären diese Mengen nicht zu fördern. Der Studie nach ist zumindest das Trink­wasser nicht gefährdet. Erdbeben seien aufgrund der geolo­gi­schen Beson­der­heiten auch auszu­schließen. Probleme könne es hingegen beim Lager­stät­ten­wasser geben, also jene Flüs­sigkeit, die durch das Fracken aus großen Tiefen nach oben kommt und schwer konta­mi­niert ist.

Ob die Studie einen wesent­lichen Einfluss auf die aktuelle Gesetz­gebung hat, ist offen. Ein Gesetz liegt aktuell im Bundestag zur Abstimmung. Bis 2018 läuft ein Mora­torium, wonach Fracking nur zu wissen­schaft­lichen Zwecken erlaubt sein soll. Dann muss neu entschieden werden. Doch die poli­ti­schen Rahmen­be­din­gungen sind schlecht. In allen Parteien finden sich Gegner der Tech­no­logie. Bleibt es dabei, wird Deutschland über kurz oder lang komplett abhängig von Erdgas­lie­fe­rungen insbe­sondere aus Russland und Norwegen sein. Zudem ist nach wie vor die Frage nicht geklärt, ob sich Fracking hier­zu­lande wirt­schaftlich betreiben lässt, insbe­sondere vor dem Hinter­grund fallender Rohstoffpreise.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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