Aus­schrei­bun­gen: Bür­ger­wind wird abge­würgt

Foto: Urbansky
Foto: Urbansky

Mit dem EEG 2016 qird ab kom­men­den Jahr auch der Ausbau der Wind­ener­gie an Land über Aus­schrei­bun­gen gere­gelt. Bür­ger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaf­ten dürften dies kaum bewäl­ti­gen können, da Finan­zie­rung, Sicher­hei­ten und Vor­pla­nun­gen so gut wie aus­schließ­lich nur von pro­fes­sio­nell auf­ge­stell­ten Unter­neh­men bewäl­tigt werden können.

Das hatte die World Wind Energy Asso­cia­tion (WWEA) und der Lan­des­ver­ban­des Erneu­er­bare Ener­gien NRW (LEE NRW) schon im Januar pro­phe­zeit. Beide haben nun eine Studie vor­ge­stellt, die genau dies bestä­tigt.

Demnach ver­zerr­ten Aus­schrei­bun­gen die derzeit durch die EEG‐ Umlage aus­ge­gli­che­nen Wett­be­werbs­be­din­gun­gen zuguns­ten finanz­star­ker Akteure. Alle in der Studie befrag­ten Bürgerwind‐Experten bewer­ten die Umstel­lung auf Aus­schrei­bun­gen als negativ bis sehr negativ, während die bestehende feste Ein­spei­se­ver­gü­tung als zen­tra­les Kri­te­rium für den bis­he­ri­gen Erfolg der Bür­ger­en­er­gie gilt.

Posi­ti­ver Ein­fluss der Bür­ger­en­er­gie

Dabei haben Bür­ger­wind­pro­jekte aus Sicht der Befrag­ten einen mindest posi­ti­ven Ein­fluss auf:

  • Akzep­tanz von Erzeu­gungs­an­la­gen
  • Regio­nale Wert­schöp­fung
  • Erhö­hung der Akteurs­viel­falt
  • Iden­ti­täts­bil­dung
  • Rea­li­sie­rung bestimm­ter Anlagen nur durch Bür­ger­en­er­gie
  • Mit­be­stim­mung und Trans­pa­renz
  • Erhö­hung gesell­schaft­li­chen Enga­ge­ments im Ener­gie­sek­tor
  • Inte­gra­tion von Bürgern in nach­hal­tige Wirt­schafts­pro­zesse

Ins­be­son­dere klei­nere bür­ger­ge­tra­gene Pro­jekte hätten nun gegen­über großen Pro­jek­tie­rungs­un­ter­neh­men deut­li­che Nach­teile, weil sie durch umfang­rei­che finan­zi­elle Vor­leis­tun­gen erheb­lich höhere Risiken tragen und Kosten eines even­tu­ell geschei­ter­ten, weil ein­zi­gen Pro­jek­tes nicht auf andere Pro­jekte umlegen können. Inter­na­tio­nale Erfah­run­gen mit Aus­schrei­bun­gen hätten gezeigt, dass deren Umset­zung regel­mä­ßig auch zu einer hohen Kon­zen­tra­tion der Markt­ak­teure geführt hat.

Die erwar­te­ten Ein­brü­che würden von Erfah­run­gen in anderen Ländern bestä­tigt, die schon vor einiger Zeit auf Aus­schrei­bun­gen umge­stellt haben, so Bra­si­lien, Süd­afrika oder im kana­di­schen Ontario. Dort würde die Wind­ener­gie von mul­ti­na­tio­na­len Groß­kon­zer­nen domi­niert. In keinem dieser Länder sei unter dem Aus­schrei­bungs­mo­dell auch nur ein ein­zi­ger Bür­ger­wind­park ent­stan­den.

Bis 18 MW ohne Aus­schrei­bung

Derzeit sieht der EEG‐Entwurf vor, nur Pro­jekte, die kleiner als 1 Mega­watt sind, von Aus­schrei­bun­gen aus­zu­neh­men. Dies hätte jedoch für heutige Wind­ener­gie­pro­jekte, bei denen bereits eine ein­zelne Anlage regel­mä­ßig 2,5 Mega­watt und mehr auf­weise, prak­tisch keine Rele­vanz. Bür­ger­en­er­gie­pro­jekte in Höhe von 18 Mega­watt sollten grund­sätz­lich von Aus­schrei­bun­gen befreit werden. Bekräf­tigt wird diese For­de­rung des LEE NRW durch die Aussage der EU‐Wettbewerbskommissarin Mar­gre­the Ves­ta­ger, wonach Aus­nah­me­re­geln für Wind­ener­gie­pro­jekte bis 18 Mega­watt mit den EU‐Beihilfeleitlinien ver­ein­bar seien.


 

Wer übri­gens gerade welt­weit die Nase bei der Wind­ener­gie vorn hat, erfah­ren Sie hier bei meinem Energieblogger‐Kollegen Björn Katz auf strom​aus​kunft​.de.