Fern­wärme: Frei­wil­lig macht das keiner

Foto: Willi Heidelbach
Foto: Willi Heidelbach

Die Fern­wärme ist mal wieder im Gerede. Obwohl: Mal wieder? Immer noch! Denn eigent­lich kommt sie nie aus den Schlag­zei­len raus. Kein Wunder, denn in der mono­pol­ar­tig struk­tu­rier­ten Branche wuchert der Preis. Jüngst erst for­der­ten Verbraucher‐ und Mie­ter­schüt­zer gemein­sam, das zu ändern. Nur wie?

Rund 5,5 Mil­lio­nen Woh­nun­gen werden in Deutsch­land mit Fern­wärme geheizt. Im Wär­me­markt ist sie die Nummer drei nach Erdgas und Heizöl. Tendenz: wach­send. Wurden im Jahr 2000 noch sieben Prozent aller neu­ge­bau­ten Woh­nun­gen in Deutsch­land via Wär­me­netz ver­sorgt, waren es 2015 bereits 20 Prozent. In den Bestands­woh­nun­gen nimmt ihr Anteil eben­falls zu — von zwölf Prozent vor 15 Jahren auf nunmehr 13,5 Prozent.
Frei­wil­lig macht das jedoch kaum jemand. Denn Fern­wärme ist, aus­ge­hend vom Preis für die End­kun­den, eigent­lich nicht kon­kur­renz­fä­hig. …

Ledig­lich in den Jahren 2011 und 2012, der abso­lu­ten Hoch­preis­phase beim Öl, war Fern­wärme in gerin­gem Maße güns­ti­ger. Nach­hel­fen muss da die Politik, ins­be­son­dere die auf kom­mu­na­ler Ebene. Mit Anschluss­zwän­gen wird der Ener­gie­trä­ger vor­ge­schrie­ben. Exper­ten gehen davon aus, dass zwei Drittel aller Fern­wär­me­an­schlüsse so zustande kommen.

Kom­mu­na­ler Zwang nimmt zu

Jörg Lenk, Geschäfts­füh­rer des Ver­ban­des für Ener­gie­han­del Südwest‐Mitte (VEH) rechnet derzeit mit 1.123 kom­mu­na­len Ein­grif­fen bei der Wahl der Ener­gie­trä­ger. Regio­na­ler Schwer­punkt ist Baden‐Württemberg. Allein hier liegen 372 der­ar­ti­ger Zwänge vor. Bun­des­weit bestehen 600 reine Ver­bren­nungs­ver­bote, die meist feste Brenn­stoffe, aber auch Heizöl treffen. Hier bleibt also nur Fern­wärme und in wenigen Fällen Erdgas übrig. Kein Wunder, wittern doch die Kom­mu­nen darin kom­mende, kon­ti­nu­ier­li­che und gut zu pla­nende Ein­nah­men für ihre Stadt­werke, die in aller Regel mono­pol­ar­tig die Wär­me­netze befül­len.

Das ist bereits den Kar­tell­wäch­tern in Bonn ein Dorn im Auge. Gegen sieben leitete das Bun­des­kar­tell­amt Ver­fah­ren ein. 2016 haben dar­auf­hin die ersten Fern­wär­me­lie­fe­ran­ten ihre Preise gesenkt. In Thü­rin­gen und Mecklenburg‐Vorpommern mussten einige Ver­sor­ger ihre Tarife bereits auf Druck der Lan­des­kar­tell­be­hör­den anpas­sen.

Ver­brau­cher­schüt­zern geht das nicht weit genug. Die Ver­brau­cher­zen­trale Bun­des­ver­band (vzbv) und der Deut­sche Mie­ter­bund (DMB) sowie der Bun­des­ver­band Neue Ener­gie­wirt­schaft (bne) fordern gemein­sam unter anderem mehr Trans­pa­renz bei den über­teu­er­ten Preisen. Dazu gehören auch die Kosten der zur Wär­me­er­zeu­gung ein­ge­setz­ten Ener­gie­trä­ger sowie zu Emis­sio­nen und Netz­ver­lus­ten. Diese müssten zudem für Ver­brau­cher im Inter­net abruf­bar sein.

Kne­bel­ver­träge Stan­dard

Bemän­gelt werden zudem die langen Ver­trags­lauf­zei­ten von im Schnitt zehn Jahren und Ver­trags­ver­län­ge­run­gen von fünf Jahren. Auch Preis­er­hö­hun­gen oder Ände­run­gen des Preis­sys­tems während der Ver­trags­lauf­zeit, denen Ver­brau­cher nicht durch Anbie­ter­wech­sel begeg­nen können, werden bean­stan­det. Zudem können sie nach Ende der Ver­trags­lauf­zeit nicht auf ein anderes Heiz­sys­tem umstei­gen.
Das wich­tigste und auf­fäl­ligste jedoch sind die Preise. Deren Kon­trolle durch Regu­lie­rung oder eine End­preis­ge­neh­mi­gung, wie bei Netz­ent­gel­ten für Strom und Gas üblich, finden nicht statt. Das führt zu einem immer höheren Grund­preis­an­teil. Die Ver­brau­cher­schüt­zer urtei­len harsch.

Ein solches Preis­sys­tem steht zudem im Wider­spruch zu Ener­gie­ef­fi­zi­enz­an­rei­zen und zur Ener­gie­wende, denn Fern­wärme basiert wesent­lich auf fos­si­len Roh­stof­fen wie Kohle und Gas. Eine Über­wa­chung könnte nur durch die Exper­ten der Bun­des­netz­agen­tur erfol­gen. Doch die ist bisher nicht vor­ge­se­hen.

Feh­lende Effi­zi­enz

Letzt­lich ist es ein Kreis­lauf: Mono­pole regen auf­grund der hohen Preise kaum zu Effi­zi­enz an. Diese feh­lende Effi­zi­enz wie­derum hält dau­er­haft die Preise hoch. Dabei kann man sehr genau beur­tei­len, wann sich ein Wär­me­netz lohnt und vor allem, wann nicht. Für die Effi­zi­enz von Wär­me­net­zen einen Wert. 15 Kilo­watt­stun­den pro Qua­drat­me­ter ange­schlos­se­ner Wohn­flä­che im Jahr dürfen die Tras­sen­ver­luste maximal betra­gen. Bezogen auf die Länge ent­spricht das einem Verlust von 150 bis 250 kWh je Meter im Jahr.

Dies ist der Maxi­mal­ver­lust, den ein Wär­me­netz über­haupt in einem Neu­bau­vor­ha­ben auf­wei­sen dürfte, um ren­ta­bel zu sein. Liegt der Wert darüber, lohnen sich aus­nahms­los dezen­trale Wär­me­ver­sor­ger wie Heizöl oder Pellets. Selbst Erd­gas­netze, sofern sie nicht schon anlie­gen, hätten bei dieser Berech­nungs­grund­lage ein Problem. …


Geschrie­ben für Brenn­stoff­spie­gel. Der voll­stän­dige Beitrag ist nur in der Ausgabe 05/2016 zu lesen. Zum kos­ten­freien Pro­be­abo geht es hier.

1 Kommentar

  1. Die ganzen Bio­en­er­gie­dör­fer die Bio­gas­an­la­gen als Wär­me­quel­len nutzen können ver­mut­lich ihr Netz nicht mehr wirt­schaft­lich betrei­ben sobald die Bio­gas­an­lage aus der EEG‐Förderung fällt.
    Soweit ich mich erin­nere, muss der Ver­brauch min­des­tens 500 kWh/(m*a) (m=Trassenmeter) betra­gen um die För­de­rung (2 Cent/kWh für 10 Jahre?) zu erhal­ten.
    Das ist nicht sinn­voll.
    Damit kann die Bio­gas­an­lage schon­mal nicht fle­xi­bel betrie­ben werden (z. B. ver­vier­fa­chung der Leis­tung, Gas­spei­cher und dafür nur 3h morgens/abends Strom erzeu­gen).
    Und das ist dann wieder ein Problem: wenn PV/Wind genug pro­du­zie­ren, drücken die vielen (wär­me­ge­führ­ten) Bio­gas­an­la­gen auch ihren Strom ins Netz.
    Damit wird der Strom­preis an der Strom­börse unnötig gedrückt.

    Von 5 Bio­gas­an­la­gen in unserer Region erhält nur eine die Fle­xi­bi­li­täts­prä­mie, die anderen ver­os­rgen alle Wär­me­netze mit viel zu gerin­gem Wär­me­ab­nahme (Trasse im Ver­hält­nis zur Wär­me­ab­nahme viel zu lang).

    Da dürfen in 10 bis 15 Jahren wieder viele neue (dezen­trale) Hei­zun­gen ver­kauft werden (die meisten haben zwar die alten Hei­zun­gen behal­ten; die sind dann aber bestimmt so ver­al­tet, dass sie nicht mehr betrie­ben werden dürfen).

    Die meisten Preise von Fern­wär­me­kun­den sind für Neu­bau­ten indis­ku­ta­bel. Allein die Grund­ge­büh­ren sind oftmals höher als die Kosten die für die Brenn­stoff­kos­ten einer normale Öl oder Holz­hei­zung anfal­len würden.

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