Abschalt­bare Lasten: Last für Strom­ver­brau­cher gering

Die Aluminiumindustie ist eine der wenigen, die bisher die Möglichkeiten der abschaltbaren Lasten nutzte. Foto: LoKiLeCh / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0
Die Aluminiumindustie ist eine der wenigen, die bisher die Möglichkeiten der abschaltbaren Lasten nutzte. Foto: LoKiLeCh / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Die heftig umstrit­tene Ver­ord­nung über Ver­ein­ba­run­gen zu abschalt­ba­ren Lasten wurde jetzt kon­kre­ti­siert und von der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­legt. Großen und fle­xi­blen Strom­ver­brau­chern wird die Mög­lich­keit gegeben, den Netz­be­trei­bern gegen Ver­gü­tung abschalt­bare Lasten zur Ver­fü­gung zu stellen, durch die der Strom­ver­brauch gesenkt werden kann.

Dazu gehören Ver­brauchs­ein­rich­tun­gen, die ihre Ver­brauchs­leis­tung zuver­läs­sig auf Anfor­de­rung der Betrei­ber von Über­tra­gungs­net­zen um eine bestimmte Leis­tung, die soge­nannte Abschalt­leis­tung, redu­zie­ren können und im phy­si­ka­li­schen Wir­kungs­be­reich des deut­schen Über­tra­gungs­net­zes liegen. Außer­dem müssen sie an ein Strom­netz ange­schlos­sen sein, das im Nor­mal­schalt­zu­stand über nicht mehr als zwei Umspan­nun­gen mit der Höchst­span­nungs­ebene ver­bun­den ist. Das betrifft in der Regel strom­in­ten­sive Indus­trie­be­rei­che.

Gere­gelt werden sie in Zukunft durch Aus­schrei­bun­gen. Dabei wird es zwei Pro­dukt­ka­te­go­rien zu zunächst je 750 Mega­watt geben. Eine Kate­go­rie sind sofort abschalt­bare Lasten, die die Abschalt­leis­tung auto­ma­tisch fre­quenz­ge­steu­ert und unver­zö­gert fern­ge­steu­ert her­bei­füh­ren könnten. Die zweite Kate­go­rie sind schnell abschalt­bare Lasten, deren Abschalt­leis­tung fern­ge­steu­ert inner­halb von 15 Minuten her­bei­ge­führt werden könne. Der Zeit­raum von 15 Minuten wird als sehr schnell ein­ge­stuft. Die Ver­ord­nung ist bis zum 1. Juli 2022 befris­tet.

Ursprüng­lich hat die Bun­des­netz­agen­tur emp­foh­len, die alte Ver­ord­nung ersatz­los aus­lau­fen zu lassen,weil sie von der Indus­trie nicht genutzt wurde. Gerade mal 6 Rah­men­ver­träge mit 4 Unter­neh­men aus der che­mi­schen und der Aluminium‐Industrie wurden abge­schlos­sen. Die Gesamt­ab­schalt­leis­tung betrug 465 MW im Bereich sofort abschalt­ba­rer Lasten und 979 MW im Bereich schnell abschalt­ba­rer Lasten. Für die Indus­trie wären Ver­gü­tun­gen von 320 Mil­lio­nen Euro möglich gewesen. 2013 wurden davon 9,7.Millionen Euro genutzt, 2014 knapp 19 Mil­lio­nen Euro und die ersten drei Monate 2015 8,3 Mil­lio­nen Euro.

enigs­tens etwas gutes hat die Ver­ord­nung: Die Kosten bezif­fert die Bun­des­re­gie­rung auf 0,007 Cent pro Kilo­watt­stunde. Für den Durch­schnitts­haus­halt ergäbe sich eine jähr­li­che Belas­tung von 25 Cent, 4 Cent mehr als die Vor­gän­ger­re­ge­lung.


Über die Anar­chie bei der Gestal­tung des EEG, von denen wohl auch die Dius­kus­sion um die abschalt­ba­ren Lasten etwas abbe­kom­men hat, schreibt Son­nen­flüs­te­rer und Energieblogger‐Kollege Erhard Renz hier.