Grafik: Total / roemer-grafik.de

Tank­stelle der Zukunft wird Multienergiestation

von | 29. Juni 2016

Die Ener­gie­wende hängt bei der Mobilität am meisten hinterher. Verbren­nungs­mo­toren bestimmen das Bild. Nicht mal 2 Prozent gehen an alter­na­tiven Antriebe, das Gros davon jedoch auch an den fossilen Ener­gie­träger Autogas. 

Tech­nische Lösungen weg vom Verbrenner gibt es viele. Brenn­stoff­zelle oder Wasser­stoff als Verbrenner (dazu morgen an dieser Stelle mehr), reine E‑Mobilität oder Hybride mit Range Extender, Gastur­binen oder verflüs­sigtes Erdgas (LNG, letzteres aufgrund seiner hohen Ener­gie­dichte eine echte Alter­native zum Diesel) sind derzeit schon prak­ti­zierte Lösungen, aber jedoch nur im homöo­pa­thi­schen Bereich.

Eine Konvergenz, also die Zube­wegung dieser Antriebe auf ein oder zwei, ist nicht fest­zu­stellen. Demnach wird auch die Tank­stelle der Zukunft vieles anbieten müssen, darunter

  • die fossilen Klassiker Diesel, Benzin, LPG, Erdgas
  • Biogas
  • AdBlue für Diesel­mo­toren für LKW und PKW
  • Strom aus erneu­er­baren Energien
  • grüner Wasser­stoff

Sie wird nach Meinung des fran­zö­si­schen Ener­gie­kon­zerns Total eine Multi­en­er­gie­station, die CO2-​neutrale Kraft­stoffe anbietet, gleich­zeitig Erleb­nisort für Kommu­ni­kation sein (wozu es bei den doch recht üppigen Lade­zeiten für E‑Mobile wohl zwangs­läufig kommen muss) und gleich­zeitig vorbildhaft die alltäg­liche Ener­gie­ver­wendung und ‑einsparung im Gebäu­de­be­reich demons­trieren. Dazu gehören

Imple­men­tierung eines Energie-​Managements neuestem Stands für die Gesamtanlage

  • Wärme­nut­zungs­kon­zepte für Wasch­straße und Shop (Abwärme, Klimatisierung)
  • Neueste Anla­gen­ge­nera­tionen in Shop und auf dem Tankfeld
  • Eigen­ver­sorgung mit Elek­tri­zität durch Inte­gration von Solarenergie

Eine Einbindung in regionale Gege­ben­heiten soll dieses Konzept unterstüzten.

Wie die Multi­en­er­gie­station aussehen könnte, zeigt der Konzern derzeit am umstrit­tenen Flughafen Berlin Bran­denburg (BER), aber auch an einem anderen Standort der Hauptstadt.

Am Haupt­bahnhof Wasser­stoff tanken

Eröffnet wurde die Tank­stelle in der Heide­straße am Haupt­bahnhof bereits 2012. Neben konven­tio­nellen Kraft­stoffen sowie Erdgas und Autogas wird sie demnächst über E‑Ladesäulen verfügen. Zudem gibt es eine Wasserstoff-​Tankanlage mit 700 bar. Der Wasser­stoff wird von Enertrag grün erzeugt, also durch Windstrom mittels Elek­trolyse im nahen Prenzlau. Eine weitere Quelle ist Spezialgas-​Experte Linde, der Wasser­stoff aus Rohgly­cerin gewinnt,d as bei der Rafi­nierung von Biodiesel anfällt.

CO2-​frei am Flughafen BER

Die Tank­stelle am BER ist die erste weltweit CO2-​freie. Eröffnet wurde sie im Mai 2014. Für die hier verkauften fossilen Kraft­stoffe gibt s eine zerti­fi­zierte Emis­si­ons­kom­pen­sation. Die Strom­ver­sorgung erfolgt durch Windstrom aus der Region. Vor Ort wird mittels Windstrom und Luft auch Wasser­stoff herge­stellt, das in einem Nieder­druck­speicher gelagert wird. Eine PV-​Anlage unter­stützt die Wasser­stoff­pro­duktion und versorgt zusätzlich den Shop.

Ein Mischgas-​Blockheizkraftwerk, das sowohl Wasser­stoff als auch Methan verbrennen kann, versorgt die Tank­stel­lemit Wärme und dient zur bedarfs­ori­en­tierten Rückverstromung.

An beiden Tank­stellen wird nun erforscht, ob sich daraus trag­fähige Geschäfts­mo­delle insbe­sondere für die Wasser­stoff­pro­duktion entwi­ckeln lassen oder wie die Lade­tech­no­logien oder die Stecker­systeme verbessert werden können. Und natürlich wird auch der Frage nach­ge­gangen: Was will der Kunde?


Mit einer weiteren Tech­no­logie für die Sektor­kopplung, die auch an der Tank­stelle der Zukunft eine Rolle spielt, befasst sich Energieblogger-​Kollege Jörg Heidjann hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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