Kompressionskältemaschine als Teil der KWKK-Lösung bei der VNG. Foto: Urbansky

Blockheizkraftwerke: Das Faustpfand gegen Preissteigerungen

von | 30. September 2016

Die EnEV und andere Vorschriften verteuern das Bauen. Bauherren und Immo­bi­li­en­ver­walter sinnen nun auf Kosten­sen­kungen, die diese Teuerung wieder auffangen. Fündig wird man bei der Energieversorgung. 

Denn hier gibt es nicht nur durch die hohen Standards Einspar­po­ten­ziale, sondern auch durch Bezug oder Eigen­erzeugung. Für letzteres stehen Block­heiz­kraft­werke, die sowohl Wärme als auch Strom erzeugen. Für welche Immo­bilien lohnt sich diese ausge­reifte und effi­ziente Technologie?

Einfamilienhaus-​Besitzer haben von der Kraft-​Wärme-​Kopplung, so das tech­nische Prinzip der Block­heiz­kraft­werke (BHKW) kaum etwas. Die Mikro-​Variante wurde von einigen Herstellern zwar gebaut, aber kaum abgesetzt, da sie ein wichtiges Dilemma nicht lösen kann: Wohin mit der reichlich produ­zierten Wärme im Sommer? Dann steht der Kraft­protz still im Keller und kommt keineswegs auf die jähr­lichen 5.000 Betriebs­stunden, die ein effi­zi­enter Betrieb mindestens braucht. Und zu allem muss noch teurer Strom zusätzlich extern bezogen werden – ein finan­zi­elles Fiasko.

Doch wenn im Sommer reichlich Wärme gebraucht wird, dann lohnt ein Einbau. Schon die Mini-​BHKWs bis 25 kW tun erfolg­reich Dienst in Mehr­fa­mi­li­en­häusern. „Kleine KWK-​Anlagen lohnen sich ab drei Wohn­ein­heiten oder einem vergleich­baren Strom- und Wärme­ver­brauch in gewerb­lichen Einheiten“, rechnet Helmut M. Barsties von BHKW-​Hersteller EC-​Power. „Bei Einfa­mi­li­en­häusern ist ein KWK-​Einsatz nur sinnvoll, wenn diese über Nah- oder Fern­wär­me­lei­tungen zu größeren Einheiten zusam­men­ge­schlossen werden und dann in der zentralen Erzeu­gungs­anlage eine KWK-​Anlage zum Einsatz kommt“, empfiehlt Barsties.

Eine Quar­tiers­lösung macht sie also zur Top-​Lösung, da das hier benötigte Wärmenetz auch im Sommer Wärme braucht, um seine Verluste auszu­gleichen. Dem pflichtet auch Arno Pöhlmann bei. Der Ener­gie­ex­perte hat im Vertriebs­gebiet der Lechwerke (LEW) viele BHKWs instal­liert und hält deren Einsatz in Einfa­mi­li­en­häusern für sinnlos. In kleinen Hotels oder Pensionen, wo ständig Warm­was­ser­bedarf für Duschen oder Küche herrscht, sind sie ebenfalls durchaus sinnvoll. 

Kälte-​Absorption für Effizienz

Für die über­schüssige Wärme gibt es auch noch eine andere Verwendung. Wenn der Abnehmer groß genug ist, kann diese in Kälte umge­wandelt werden. Für Immo­bilien des gehobenen Wohnens ist dies auf jeden Fall so, aber auch für Gewer­be­be­im­mo­bilien mit Kühllast. In solchen Fällen kann man eine Absorp­ti­ons­käl­te­anlage mit dem BHKW koppeln. 

Technisch gesehen hat man dann eine Kraft-​Wärme-​Kälte-​Kopplung (KWKK). Die Tech­no­logie hat mehrere Vorteile und einen immensen Nachteil. 

Die Vorteile: Sie verlängert auf Jahres­sicht gesehen die Laufzeit des BHKW und sorgt so für Auslastung und Effizienz. Und sie verringert das Start-​Stopp-​Verhältnis in Über­gangs­zeiten, was die Technik schont und die Lebens­dauer des Systems insgesamt verlängert. Finan­ziell ist das Modell auch inter­essant. Für die Wärme­ge­stehung kann man maximal 3 Eurocent je kWh veran­schlagen. Erdgas kostet derzeit bundes­durch­schnittlich etwa 6,4 Eurocent je kWh. Die Kälte könnte alter­nativ durch ein rein strom­ge­führtes Kompressions-​Gerät erzeugt werden – bei den derzei­tigen Strom­preisen ein finan­zi­eller Wahnsinn, zumal der Strom­bezug aus dem öffent­lichen Netz begrenzt ist … 

Inves­tition verdoppelt sich

Und der Nachteil: Beides, Wärme und Kälte bei gleich­zei­tiger Strom­pro­duktion, ist nur für eine deutlich höhere Inves­tition zu haben. Man kann davon ausgehen, dass die Absorp­ti­ons­käl­te­ma­schinen noch mal die gleichen finan­zi­ellen Mittel benötigen wie das BHKW. …


Gekürzt. Geschrieben für Immo­bi­li­en­wirt­schaft. Der voll­stän­dige Beitrag erschien in der Nummer 09/​2016. Er ist auch hier online ab Seite 70 zu lesen. Zum Abon­nement der Zeit­schrift Immo­bi­li­en­wirt­schaft geht es hier.

Über einen enrgie­ef­fi­zi­enten Gebäu­de­be­stand berichtet Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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